„Turandot“ unter den Linden: Zubin Mehta bringt das Haus zum Kochen

Giacomo Puccini,Turandot  Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 18. Juni 2022 PREMIERE

Foto: Yusif Eyvazov (Calaf) und der Staatsopernchor, © Matthias Baus

Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Premiere am 18. Juni 2022

Giacomo Puccini
Turandot

Staatskapelle Berlin
Zubin Mehta, Dirigent

von Peter Sommeregger

Diese Premiere fiel auf den bisher heißesten Tag des Jahres 2022. Dass die gefühlte Temperatur in dem gut klimatisierten Opernhaus ebenfalls Rekordwerte erreichte, lag aber am  Dirigenten, dem Altmeister Zubin Mehta. Vom ersten Takt an stellte er seine Kompetenz in Sachen Puccini, und speziell Turandot, unter Beweis und führte Chor, Orchester und Solisten mit sicherer Hand durch diese komplizierte Partitur.

Turandot ist eine ausgesprochene Chor-Oper, was diesem den ganzen Abend abverlangt wird, gelingt dem Staatsopernchor aber souverän und trägt damit wesentlich zum Gelingen dieser Aufführung bei. Auch die Staatskapelle zeigt sich unter Mehta in Bestform. Zeitweise wird es zwar sehr laut, aber das ist in dem Werk so angelegt.

Als Glücksfall erweist sich auch die Sängerbesetzung. Allen voran Elena Pankratova als Turandot, die eine ursprünglich vorgesehene andere Russin ersetzte, aber den Gedanken an „Ersatz“ keine Sekunde aufkommen ließ. Pankratova scheint über unerschöpfliche Kraftreserven zu verfügen, kann ihrem metallischen Sopran aber auch betörend schöne Zwischen- und Pianotöne entlocken. Eine solche Sängerin verdient einen ebenbürtigen Prinzen, den sie in Yusif Eyvazov auch gefunden hat. Der Tenor hat sich in den letzten Jahren ungemein gesteigert, was seine Gesangskultur und Phrasierung betrifft. Die sichere Höhe stand ihm schon seit dem Anfang seiner Karriere zur Verfügung. Pankratova und Eyvazof bilden ein Powerpaar, das um den Kronleuchter fürchten lässt. Inzwischen spielt auch überhaupt keine Rolle mehr, mit wem er verheiratet ist.

Siegfried Jerusalem (Altoum), Elena Pankratova (Turandot), Yusif Eyvazov (Calaf), Aida Garifullina (Liù), Staatsopernchor (c) Matthias Bau

Die Liù von Aida Garifullina bildete mit ihrem schönen, vibratoreichen Sopran ein optimales Gegengewicht zur hochdramatischen Turandot. René Pape stattete den Timur mit profunden Basstönen aus – dass seine Rolle blass bleibt, liegt am Libretto, nicht an ihm. Markantes Profil verliehen Gyula Orendt, André Moreno García und Siyabonga Maqungo den drei Ministern, deren Auftritte sich durch alle drei Akte der Oper ziehen. Das Sängerensemble kannte an diesem Abend keine Schwachstelle.

Den Wermutstropfen steuerte der Regisseur Philipp  Stölzl bei, und das reichlich. Sein Bühnenbild dominiert den gesamten Abend eine riesige Puppe, die Turandot darstellen soll. Deren Bewegungen und Aktionen werden von einer ganzen Schar Bühnenarbeiter koordiniert, die damit einen großen Teil der Bühne beanspruchen, was den Protagonisten nur eingeschränktes Spiel nahe der Rampe erlaubt. Über weite Strecken nerven die endlosen, mit der Puppe veranstalteten Aktionen. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass Stölzls Personenregie eigentlich nur grobe, derbe Aktionen beinhaltet, die noch dazu auch hölzern wirken. Es kann nicht ausbleiben, dass auch das Finale umgedeutet wird, die ihrer Perücke beraubte Turandot stirbt in dem Augenblick, in dem ihr Calaf das Wort „Liebe“ entlockt. Der freudig aufjauchzende Chor straft diesen Regieeinfall Lügen.

Elena Pankratova (Turandot) (c) Matthias Baus

Am Ende frenetischer Jubel für das gesamte Ensemble, insbesondere für den erholt wirkenden Zubin Mehta. Auch der Regisseur Stölzl bekommt, was er verdient- nämlich heftige Buh-Rufe.

Peter Sommeregger, 18. Juni 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Turandot    Elena Pankratova
Timur    René Pape
Liù    Aida Garifullina
Calaf    Yusif Eyvazov
Ping   Gyula Orendt
Pang    Andrés Moreno García
Pong   Siyabonga Maqungo

Chor und Kinderchor der Staatsoper Berlin
Dirigent    Zubin Mehta
Regie und Bühnenbild    Philipp Stölzl

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Ein Gedanke zu „Giacomo Puccini,Turandot
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 18. Juni 2022 PREMIERE“

  1. Bühnenbild grausam, Kostüme grausam, vor allem das von Turandot mit Glatze und großem Reifrock.
    Das Stück spielt doch lt. Puccini in China.

    Schröder

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