Rigoletto in Frankfurt - Die Inszenierung trifft nicht nur den Kern der Oper, sondern bringt auch eine neue Dimension hervor

Giuseppe Verdi, Rigoletto, Oper Frankfurt, 17. Februar 2018

Bilder: © Monika Rittershaus
Giuseppe Verdi, Rigoletto, Oper Frankfurt, 17. Februar 2018

Alexander Prior, Dirigent
Hendrik Müller, Inszenierung
Rifail Ajdarpasic, Bühne

Zeljko Lucic, Rigoletto
Brenda Rae, Gilda
Mario Chang, Der Herzog von Mantua

von Yehya Alazem

La Maledizione (Der Fluch) war der ursprüngliche Name von Giuseppe Verdis Meisterwerk „Rigoletto“. Diese Oper, die auf dem Melodrama „Le Roi s’amuse“ von Victor Hugo beruht, wurde 1851 vor der Uraufführung am Teatro La Fenice in Venedig von der Zensur verboten. Verdi und sein Librettist mussten sowohl den Titel als auch den Ort ändern. Der Name der Oper wurde Rigoletto, und die Handlung wurde von Paris nach Mantua verlegt.

Die Inszenierung von Hendrik Müller an der Oper Frankfurt trifft nicht nur den Kern der Oper, sondern bringt auch eine neue Dimension hervor: Die Religion steht hier im Fokus.  Das gesamte Bühnengeschehen spielt sich in einem Kirchenschiff ab.

Quinn Kelsey (Rigoletto)

Rigoletto ist ein Priester, der alles Böse im Namen der Religion verkörpert. Wenn es aber um seine Tochter geht, zeigt er eine ganz andere Seite.  Für Gilda, die in einer kleinen Kammer isoliert ist, geht es nicht um die Liebe zum Herzog,  sondern um die Befreiung. Der Herzog ist ihr Erlöser, der sie aus dem Gefängnis des Rigoletto befreien wird. Am Ende stirbt Gilda nicht, sondern verlässt Rigoletto  und bahnt sich ihren eigenen Weg in die Welt.

Dem jungen britischen Dirigenten Alexander Prior und dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester gelingt es, das Dunkle und Schicksalsvolle aus Verdis Partitur hervorzubringen.  Viele zu langsame Tempi stellen allerdings die Dramatik der Oper nicht angemessen dar.  Auch für die Sänger macht es die Sache nicht einfacher,  da viel längerer Atem erforderlich ist.

Der in Guatemala geborene Tenor Mario Chang verkörpert einen überzeugenden Herzog von Mantua. Er besitzt einen charmanten Spinto-Klang. In der Mittellage singt er ganz mühelos und superb. Im höheren Register klingt er manchmal etwas instabil und anstrengt, besonders offenbar wird das im letzten Akt.

Brenda Rae (Gilda)

Die amerikanische Sopranistin Brenda Rae stellt eine wunderbare Gilda dar. Ihre Stimme hat einen glockenklaren, weichen Klang, eine ganz vollendete Technik mit hervorragender Koloratur und eine strahlende Höhe, bei der die Spitzentöne einfach und fantastisch klingen. Sie verkörpert die unschuldsvolle Tochter, das trotzige Mädchen und die liebevolle Frau auf superbe Art und Weise.

Der serbische Bariton Zeljko Lucic hat sich in den letzten Jahren einen großen Namen an der Metropolitan Opera in New York gemacht. Er ist zurzeit einer der besten Verdi-Baritone mit riesigen Erfolgen als Rigoletto, Iago, Nabucco und Macbeth.

Önay Köse (Sparafucile) Mario Chang (Herzog von Mantua)

Als Rigoletto ist er großartig. Sein Bariton ist einzigartig und facettenreich. Die Stimme hat eine breite Kraft und einen cremigen Klang. Er besitzt eine Tiefe in der Stimme, die auch eine weiche Leichtigkeit hat. Lucic bringt alle Seiten der Titelfigur hervor – er ist der lustige Clown, der hingebungsvoll liebende Vater und das Monster, wenn er seine Maske im zweiten Akt fallenlässt.

Diese phantastischen Sänger ergreifen das Publikum zutiefst: So soll Verdi gesungen werden!

Yehya Alazem, 18. Februar 2018
für klassik-begeistert.de

Bilder: © Monika Rittershaus

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