Monteverdi Choir unter Laurence Equilbey: So klingt Bach von einem anderen Stern

h-Moll Messe, J.S. Bach, Laurence Equilbey, Dirigentin  La Seine Musicale, Paris, 26. März 2026

Laurence Equilbey © Agnès Mellon 

Wenn man an Chöre denkt, vor allem an die besten, stolpert man unweigerlich über zwei Ensembles: den musicAeterna Chor von Teodor Currentzis oder den Arnold Schoenberg Chor. Dass der Monteverdi Choir hier um nichts nachsteht, hat das von Sir John Eliot Gardiner gegründete Ensemble nun in Paris bewiesen – unter dem Dirigat einer Französin.

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe

Monteverdi Choir
Insula orchestra

Laurence Equilbey, Dirigentin

La Seine Musicale, Paris, 26. März 2026

von Jürgen Pathy

Bachs h-Moll  Messe ist vieles: ein Best-of-Bach, ein geistliches Vermächtnis, ein Werk voller Arien, Chorsätze und Fugenkunst. Sein ganzes Können hat Bach in dieses monumentale Werk gelegt. An vorderster Stelle ist es aber ein Chorwerk. Unter der Leitung von Laurence Equilbey hat sich das in der Pariser La Seine Musicale deutlich herauskristallisiert.

Perfekte Stimmen für Bach

Natürlich sind die Solisten hervorragend besetzt. Tenor Werner Güra lässt alles leicht fließen. Núria Rial, Anna Lucia Richter und Gerrit Illenberger überzeugen ebenso. Alle eint dabei genau das, was man sich bei Bach wünscht: keine übermäßigen Vibrati, keine künstliche Schwere, sondern reine, klare Stimmen, die perfekt zu diesem barocken Klangideal passen.

Illenberger wirkt aufgrund seiner Kleidung fast wie ein Kontrast zu den sonst so typischen, etwas alternativ gekleideten Bach-Puristen. Ein Sir im Anzug, mit Einstecktuch und Krawatte. Anna Lucia Richter sticht ebenso in royaler Robe hervor.

Der Monteverdi Choir

Doch aus der Klasse aller erhebt erst der Monteverdi Choir dieses Werk zu einer überirdischen Erfahrung, die sich himmlisch schwebend über das Pariser Publikum legt. Die Intonation ist perfekt, die harmonische Einheit aller Gesangslinien vorzüglich, die Verwebung dieser kontrastreichen Linien ein Traum. Vor allem die Frauen des Chors bilden eine göttliche Einheit, die ihre Wirkung noch eine Nuance erhebender entfaltet.

Das „Et incarnatus est“ lässt erahnen, wo Mozart sich ein Stück abgeschnitten hat. Gut möglich, dass das auch am vollen, satten Klang des Insula Orchestra liegt. Das, man glaubt es kaum, auf historischen Instrumenten mit Darmsaiten spielt. Wie Dirigentin Laurence Equilbey es geschafft hat, dass der Klang so viel hergibt, erklärt sie selbst: „Es liegt auch ein wenig am Konzertsaal.“ Ein runder Konzertsaal, ähnlich wie das Maison de la Radio et de la Musique. Nur etwas außerhalb des Zentrums gelegen. Mitten auf einer kleinen Seine-Insel im Südwesten von Paris.

Dass man nach 1 Stunde 50 Minuten noch immer nicht genug hat, liegt an drei Punkten: an Bachs Meisterschaft, trotz der kompakten Einheit für Abwechslung zu sorgen. Vielen Instrumenten aus dem Orchester gibt Bach solistische Momente. An Laurence Equilbeys Meisterschaft, die Leichtigkeit und Durchsichtigkeit jederzeit zu bewahren – obwohl sie fast opernhaft gigantisch ist, diese Messe, an der Bach jahrelang Jahre gefeilt haben soll. Und letztendlich an der Krönung dieses Abends: dem Monteverdi Choir, der zu den besten Chören weltweit zählt.

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