Hamburg findet mit Lohengrin zurück in die Spur!

Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner  Die Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

Lohengrin, Archiv HSO © Arno Declair

Auch am Gänsemarkt in Hamburg kann Richard Wagner schwer begeistern. Denn kaum zeigte sich Omer Meir Wellber nach einem spektakulären ersten Lohengrin-Aufzug dem Publikum, tönten aus allen Rängen schon nach der ersten Pause gleich mehrere Bravos. Sowas gab’s in Hamburg noch nie!

Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne: Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Johannes Karl Fischer

Dieser überaus spektakuläre Opernabend ging längst nicht nur auf das Konto des wohl stolzesten Alumnus der Hamburger Opernschmiede, Klaus Florian Vogt. Neben dem unter Omer Meir Wellbers Leitung begeisternd spielenden Orchester glänzte auch der Chor in Höchstform. Jener Chor, der beim letzten Lohengrin vor vier Jahren nicht gerade positiv auffiel, sang die sehr zahlreichen und fordernden Chornummern einfach souverän, wie entfesselt. Man spürte die Begeisterung jedes einzelnen Sängers in der musikalischen Seele brennen, am liebsten würde man selbst auf die Bühne stürmen und mitsingen.    

Wellbers Dirigat wird zum Highlight

Im Parkett drehten sich gleich mehrere Besucher 180 Grad zur Dirigentenkamera um. Zurecht: Herr Wellber webte mit seinen Händen schwebende Wunderklänge aus dem Graben, ließ das Vorspiel wie eine atemberaubende Alsterdämmerung durch den Saal ziehen. Zwar zog er stets zugig durch die Partitur, doch spielten seine Musiker immer fein differenziert und ließen den Sängern klanglich viel Platz. So weckt man auch bei den Wagner-Neulingen grenzenlose Begeisterung für diese wunderbare Kunst!

Klaus Florian Vogt zeigt sich in Bestform

Klaus Florian Vogt war als Lohengrin im Einsatz und räumte schon mit der Eröffnungsarie „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan­­“ den Abend ab. So fein und fehlerfrei habe ich diesen wohl weltschwersten Tenor-Einstieg selbst in Herrn Vogts eigener Lohengrin-Liga noch nie gehört. Seine reine, klare Stimme traf alle Nuancen des lyrisch gefärbten Wagner-Gesangs und sang zugleich kraftvoll über die Bühne hinweg. Die neue Intendanz sollte sich dringend dafür einsetzen, zukünftig Heldentenöre mit dieser Jahrhundertstimme zu besetzten.

Klaus Florian Vogt © Hoffmann

Einen ähnlich souveränen Abend hatte Martin Gantner, der mit einem äußerst stimmstarken Telramund seinem Gegenspieler ordentlich die Stirn bat. Die Noten des bösen Ritters setzte er kämpferisch doch musikalisch sauber in Wort und Ton – vielleicht hat ihm der Sachs gut getan? Auf jeden Fall hatte er die Partie und Melodien sattelfest im Griff, als würde er musikalisch glatt dem König seine Macht nehmen wollen.

Yulia Matochkina war eine mindestens sehr gute Ortrud, auch sie brachte die bösen Absichten dieser Zauberin hinter ihrem Schulkind-Kostüm mit intensivem Gesang bestens zum Vorschein!

Mit Jakubiak in die Opern-Extraklasse

Sara Jakubiak sang die Elsa mit großer und ausdrucksvoller Stimme. Während sie im ersten Aufzug noch ein wenig zwischen den Noten umher rutschte, ließ ihre Darbietung die Emotionen dieser Partie zum Ende hin immer stärker aufblühen und den Wagner-Zauber ihrer fesselnden Stimme in die Ohren des Publikums segeln. Im Duett mit ihrem Lohengrin übernahm sie fast schon die Oberhand, gemeinsam mit Klaus Florian Vogt und einem musikalisch präzise folgenden Dirigat führte sie das Publikum in die Opern-Extraklasse!

Stimmlich sehr eifrig stürzte sich Szymon Mechlinski in die Rolle des Heerrufers und verkündete mit Stolz die Anweisungen seiner Herrscher.

Gabor Bretz als König Heinrich schien mir da schon eine Nummer zu klein besetzt. Zwar sang er seine Partie immer souverän und sauber, doch wirkte sein Heinrich eher wie ein Schulbursche, der gerne König spielen möchte als ein über Volk und Land thronender Herrscher. Vielleicht auch einfach zur Regie passend. So oder so eine solide Gesangsleistung!

Schwanenlose Regie überzeugt

Ganz im Einklang mit den souveränen musikalischen Leistungen war Peter Konwitschnys  gleichfalls geniale Regie. Kein Schwan und keine tapfer schwertkämpfenden Ritter: Stattdessen brachte seine um mindestens einige Jahrzehnte in die Vergangenheit eines erzkonservativen Klassenzimmers versetzte Handlung die sehr zahlreichen nicht so schönen Facetten dieser Handlung zum Vorschein.

Lohengrin, Archiv HSO © Arno Declair

Anfangs scheint das alle nur Spiel, nach und nach weichen die Holzschwerte immer mehr dem Ernst dieser Handlung, am Ende liegt ein Toter namens Telramund auf der Bühne. Endlich zeigt eine Regie mal dem Publikum, was hier in dieser Handlung eigentlich so abgeht!

Anscheinend hatte sich die Exzellenz dieser Aufführungsserie schon rumgesprochen, beinahe ausverkauft war die heutige Vorstellung. Oder zeigt Herr Kratzers Intendanz bereits ihre Früchte?

Johannes Karl Fischer, 29. März 2026 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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2 Kommentare zu „Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner
Die Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“

  1. Ich stimme in fast allen genannten Punkten überein. Die gestrige Aufführung war endlich mal wieder auf musikalischem Niveau, wie es sich für die Staatsoper Hamburg gehört. Schon mit den ersten Tönen des Vorspiels vergass man alles um sich herum und konnte eintauchen und sich hingeben in die wunderbare Musik von Richard Wagner. Omer Meir Welber bringt genau das Fingerspitzengefühl mit, dass ich so lange am Haus vermisst habe. Die Solisten waren stimmlich phantastisch. Es hat wirklich alles zu einem runden Opernabend gepasst, bis auf – und da bin ich komplett anderer Meinung – den Opernchor. Der Klang der Männerstimmen hat sich in den letzten Jahren verändert. Für meinen Geschmack klingen die Herren recht metallisch und wenn dann gefühlt das ganze Stück hindurch fff gesungen wird, dann empfinde ich das als aufdringlich und nicht schön. Zumal das ja gar nicht nötig ist bei einer so grossen Chorbesetzung. Für meine Ohren wär hier weniger Ton mehr gewesen.
    Iris Röckrath

  2. 04.04.2026
    So richtig verdaut habe ich die gestrige Lohengrin-Aufführung in der Staatsoper Hamburg immer noch nicht. Bei all der Lobhudelei der Inszenierung und musikalischer Darbietung vermisse ich eine Stellungnahme zum Schlussbild. Mich hat der „Kinderschwan“ mit Stahlhelm und umgehängten G3- Gewehr der Bundeswehr total verstört und alle guten Eindrücke ausgelöscht.

    Eckhard Burmester

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