Klaus Florian Vogt: Drei Sternstunden in der Elbphilharmonie und im NDR

Klaus Florian Vogt in Hamburg, Elbphilharmonie Hamburg und NDR Foyerkonzert, 24.  und 25. März 2019

Foto: © Klaus Florian Vogt
Klaus Florian Vogt in Hamburg,
Elbphilharmonie Hamburg und NDR Foyerkonzert, 24. und 25. März 2019

Ulrich Poser berichtet über zwei Auftritte des Tenors Klaus Florian Vogt in Hamburg

Kürzlich konnte man im Kleinen Saal der Elbphilharmonie erleben, dass Liedgesang nicht unbedingt Spaß machen muss. Der Tenor Ian Bostridge versuchte sich an der Dichterliebe und scheiterte. Zu angestrengt war die Stimme; weit entfernt von jeglicher Romantik. Auch der dauerhaft verzerrte Gesichtsausdruck des Sängers signalisierte Probleme. Das Publikum war an jenem Abend nicht besonders erfreut; die durchwachsene Veranstaltung gefiel eher nicht. Trotz des wunderbaren Brad Mehldau am Piano.

Ganz anders die schöne Müllerin mit Klaus Florian Vogt in der Bearbeitung für Tenor und Kammerensemble von Andreas N. Tarkmann. Vogt, gerade noch rechtzeitig aus Monsalvat eingeflogen, überzeugte erneut vom ersten Augenblick an; und zwar in jeder Hinsicht.

Vogt hat zum einen die Gottesgabe, die Rollen, die er singt auch zu verkörpern. Er singt also nicht nur den umherwandernden und hoffnungslos verliebten Müllergesellen, er ist es auch für die rund eineinhalb Stunden. Glücklich diejenigen, die einen der vorderen Plätze im ausverkauften Kleinen Saal der Elbphilharmonie ergattern konnten: Nur nahe an der Bühne konnte man die von überglücklich über böse bis hin zu todesnah der Welt abhanden gekommen ausdrückende Mimik des Sängers verfolgen.

Zum anderen war der Abend wie erwartet auch in stimmlicher Hinsicht eine Wohltat oder besser ausgedrückt: Ein Geschenk. Vogt sang die nicht kurze Partie mit seiner glasklaren makellosen Tenorstimme, für die er geliebt wird, auswendig ohne Noten. Auf der einen Seite lyrisch, hoch, rein und leise; auf der anderen Seite dramatisch, heldentenoral, druckvoll und laut. Je nach Gemütszustand des wandernden Müllergesellen, dem der Jäger gegen Ende die Schöne ausspannt, so dass der Enttäuschte keinen anderen Ausweg sieht, als sich im Bach zu ertränken. Kein Happyend!

Quelle: www.ndr.de

Gottseidank hat sich Klaus Florian Vogt nicht im Bach ertränkt, sondern am nächsten Abend Ausschnitte aus der schönen Müllerin mit der üblichen Klavierbegleitung im Rahmen eines Foyerskonzertes beim NDR gesungen. Der Rezensent bevorzugt die Orginalfassung des Werkes mit reiner Klavierbegleitung. Die teilweise sehr schnelle Klavierbegleitung (32-tel Noten) vermag den im Werk zum Protagonisten erhobenen Bach einfach schlüssiger darzustellen, als ein Kammerensemble. Dazu kommt, dass Vogts Stimme und ein Piano völlig ausreichen, um dieses Stück bestmöglich aufzuführen. Für diese Besetzung ist es von Meister Schubert geschrieben und dabei sollte man es auch belassen. Weniger ist mehr!

Am Ende erklatschte sich das hingerissene Publikum des zweitens Abends die Ungeduld aus dem Zyklus als Zugabe: Damit bewies Klaus Florian Vogt, dass er derzeit zweifelsfrei der beste Tenor der Welt ist: „Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.“

Beide Konzerte sind am 3. Mai und am 12. Juni übrigens auf NDR Kultur zu hören.

Ulrich Poser, 27. März 2019,
für klassik-begeistert.de

2 Gedanken zu „Klaus Florian Vogt in Hamburg, Elbphilharmonie Hamburg und NDR Foyerkonzert, 24. und 25. März 2019“

  1. „auswendig ohne Noten“ – das sollte doch bei einem Liedzyklus eine Selbstverständlichkeit sein! Oder sind Sie ein seltener Gast bei Liederabenden?
    „zweifelsfrei der beste Tenor der Welt“ – ich wusste nicht, dass hier die KFV-Fanseite ist.

    Ebba Anders

    1. Liebe Frau Anders,

      ich besuche mindestens 4 Konzerte und Opern pro Woche – leider singen immer mehr Künstler
      bei Soloabenden und Liederabenden (partiell) mit Noten. Natürlich ist die Mehrheit
      noch gut vorbereitet.
      Ein Autor darf zuspitzen und pointieren. Im deutschen Fach gehört Klaus Florian Vogt sicher
      zu den besten Tenören der Welt.

      Herzliche Grüße aus HH

      Andreas Schmidt
      Herausgeber
      klassik-begeistert.de

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