Léo Delibes: Jean de Nivelle
Hungarian National
Philharmonic Orchestra
Hungarian National Choir
György Vashegyi
BZ 1066
von Peter Sommeregger
Der französische Komponist Delibes ist auf internationalen Spielplänen heute nur noch mit seiner Oper „Lakme“, und den Balletten „Coppélia“ und „Sylvia“ vertreten, seine zahlreichen anderen Bühnenwerke sind weitgehend in Vergessenheit geraten.
In der Reihe seiner opulenten Produktionen von vergessenen französischen Opern hat sich nun das engagierte Label Palazzetto Bru Zane Delibes‘ Oper „Jean de Nivelle“ angenommen, und sie in einer konzertanten Aufführung in Budapest im Januar 2026 aus ihrem langen Dornröschenschlaf erweckt. Diese Aufführung erscheint nun auf drei CDs in gewohnt prächtiger Ausstattung mit einem Begleitbuch, das neben dem zweisprachigen Libretto auch lesenswerte Artikel über das Werk und den Komponisten enthält.
Die Oper, ursprünglich im Stil der opéra comique, also mit gesprochenen Dialogen 1880 uraufgeführt, erhielt nachträglich vom Komponisten erstellte Rezitative, was Aufführungen außerhalb Frankreichs fördern sollte. Tatsächlich wurde die Oper nach ihrer Uraufführung auch in skandinavischen Ländern, in St. Petersburg, Brüssel, und sogar in Wien aufgeführt. Danach verschwand sie, bis auf eine versuchte Wiederbelebung 1908 in Paris von den Spielplänen, und geriet in Vergessenheit.
Die Geschichte um den Adeligen Jean de Nivelle, der zur Zeit Ludwigs des XI. , also im 15. Jahrundert lebte, behandelt nicht nur die komplizierte politische Situation der Zeit, im Vordergrund steht seine, von einem Happy-End gekrönte Liebe zu dem einfachen Bauernmädchen Arlette, die sich erfolgreich gegen eine adelige Rivalin durchsetzt. Die etwas verworrene, unübersichtliche Handlung kulminiert eigentlich erst im dritten und letzten Akt zu einer gewissen Geschlossenheit.
Die Titelrolle wird von Cyrille Dubois mit hellem, leuchtenden Tenor überzeugend interpretiert, Arlette findet in Mélissa Petits glockenreinem lyrischen Sopran ebenfalls eine ansprechende Besetzung. Marie-Andrée Bouchard-Lesieur als Simone,dem einzigen Mezzosopran, Juliette Mey sowohl als Arlettes Rivalin Diane, als auch dem Pagen Isolin, Tassis Christoyannis mit elegantem Bassbariton als Comte de Charolais, und schließlich der Tenor François Rougier als Malicorne runden die klug gewählte Besetzung ab, und verhelfen dem Werk zu einer überzeugenden Aufführung.
Wesentlichen Anteil an dem Gelingen des Projektes hatte das Ungarische Nationale Philharmonische Orchester, das, unterstützt vom Ungarischen Nationalchor, unter dem Dirigenten György Vashegyi die Aufführung im Budapester Bela-Bartok-Saal zu einem deutlichen Erfolg führte. Ob mit dieser verdienstvollen Wiederaufführung der Weg zurück auf die Opernbühnen gelingt, bleibt offen, aber die Veröffentlichung auf CDs macht diese Oper zumindest akustisch wieder einem breiteren Publikum zugänglich.
Peter Sommeregger, 6. November 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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