Martha Argerich präsentiert sich als Grande-Dame am Klavier

Martha Argerich, Klavier, Wiener Philharmoniker, Zubin Mehta, Dirigent  Wiener Konzerthaus, 21. September 2022 

Foto: Martha Argerich © Adriano Heitman

Auf jeden Fall war dieses Konzert weit mehr als eine Reminiszenz. Da sind eine 81-jährige Pianistin, die den jüngeren Kollegen zeigt, was Weltklasse ist und ein 86-jähriger schwerkranker Dirigent, der bis heute unangefochten an der Weltspitze steht. Man kann froh sein, dieses Konzert zu hören und diese großartigen Menschen beim Musizieren zu erleben.

Wiener Konzerthaus, 21. September 2022

Robert Schumann: Konzert für Klavier und Orchester in a-moll op. 54

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 4 in Es-Dur

Solistin: Martha Argerich, Klavier
Wiener Philharmoniker
Zubin Mehta, Dirigent

von Herbert Hiess

Wenn Martha Argerich und Zubin Mehta, beides Herrschaften in den 80ern, in die U-Bahn einsteigen würden, würde man ihnen sofort einen Platz anbieten – vor allem dem Stardirigenten, der offenbar schwer von seiner Krankheit gezeichnet ist.

Phänomenal jedoch, kaum sitzen sie auf ihren „Arbeitsplätzen“ – Martha Argerich am Klavier und Zubin Mehta auf seinem Hochsessel, sind sie so „jugendlich“ unterwegs wie in der Vergangenheit.

Gemeinsam mit Mehta musizierte Martha Argerich ein Kernstück der Romantik, das großartige Klavierkonzert von Robert Schumann. Und ebenso großartig, wie (fast ungewohnt!) emotional Mehta und die Philharmoniker hier begleiteten. Die argentinische Meisterpianistin zelebrierte regelrecht. Robert Schumann hat das Konzert offenbar ganz seiner Frau Clara gewidmet, die auch die Uraufführung spielte. Musikalisch verewigte er sie auch darin – schon in den Eingangsnoten mit der Oboe, die die Noten C-H-A-A spielt, lässt sich leicht der Name Chiara ablesen. Die italienische Schreibweise von Clara.

Und unvergesslich, wie Martha Argerich hier das romantische Spektrum dieses Meisterwerkes auskostete. Schon allein das As-Dur „Andante espressivo“ im 6/4-Takt war den Besuch des Konzertes wert. Diesen Dialog zwischen Orchester und Klavier hört man selten so gespielt. Genauso der Dialog im zweiten Satz (Intermezzo. Andantino grazioso) war unnachahmlich.

Den verdienten tobenden Jubel dankte die Pianistin mit einer virtuosen Zugabe; mit der Sonate in d-moll von Domenico Scarlatti.

Nach der Pause kam wie zum Eröffnungskonzert mit Thielemann am 11. September wieder Bruckner, dieses Mal die „Romantische“ Symphonie Nr. 4 in Es-Dur.

Zubin Mehta (Foto: Sooni Taraporevala)

Da war Zubin Mehta voll in seinem Element und leider wieder etwas mit der von ihm gewohnten Distanziertheit, was sich vor allem im zweiten und im vierten Satz bemerkbar machte. Diese neigen sowieso von sich aus dazu, in Einzelteile zu zerfallen. Trotzdem ließ der Stardirigent eine beachtliche Wiedergabe hören, wo das Orchester traumhaft brillierte.

Angefangen vom äußerst schwierigen Hornsolo zu Beginn auf dem Streichertremolo oder die Hornstellen im dritten Satz. Die Streicher und Holzbläser waren wie gewohnt auf Spitzenniveau.

Auf jeden Fall war dieses Konzert weit mehr als eine Reminiszenz. Da sind eine 81-jährige Pianistin, die den jüngeren Kollegen zeigt, was Weltklasse ist und ein 86-jähriger schwerkranker Dirigent, der bis heute unangefochten an der Weltspitze steht. Man kann froh sein, dieses Konzert zu hören und diese großartigen Menschen beim Musizieren zu erleben.

Herbert Hiess, 22. September 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Gustav Mahler: Dritte Sinfonie, Zubin Mehta, Berliner Philharmoniker, Philharmonie Berlin, 18. Dezember 2021

Martha Argerich, Klavier, Polina Leschenko, Klavier , Dirigent Ricardo Castro Symphoniker Hamburg Laeiszhalle Hamburg, 29. Juni 2022

Martha Argerich Festival 20. – 29. Juni 2022, Hamburg Laeiszhalle Hamburg, 25. Juni 2022 (Kleiner Saal)

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