Das stimmt optimistisch: Junge Preisträger spielen eine vielstimmige Hommage à Géza Anda

Bach und Mozart, Zlata Chochieva, David Fray  Tonhalle Zürich, 13. Oktober 2026
Tonhalle Zürich, Hommage à Géza Anda

Géza Anda (1921-1976) ist trotz seines frühen Todes als Pianist, Dirigent und Lehrer in Erinnerung geblieben. Der Concours Géza Anda ist ein internationaler Wettbewerb für den pianistischen Nachwuchs; in Zürich war ein Konzert mit Preisträgern der letzten Jahre zu hören, das unter verschiedenen Aspekten reizvoll zu erleben war.


Tonhalle Zürich
, 13. Oktober 2026

Musikkollegium Winterthur
Zlata Chochieva, David Fray / Leitung

Anton Gerzenberg, Wataru Hisasue, Dmitry Yudin / Klavier

Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Konzert für zwei Klaviere in C-Dur, BWV 1061
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Konzert Nr. 10 für zwei Klaviere und Orchester in Es-Dur KV 365
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Konzert Nr. 7 für drei Klaviere und Orchester KV 242
Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Konzert d-Moll für drei Cembali BWV 1063
Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Konzert a-Moll für vier Cembali BWV 1065

von Julian Führer

Gespielt wurden Konzerte für zwei, drei und vier Klaviere von Bach und Mozart, die jeweils, ganz in der Tradition von Géza Anda, vom ersten Klavier aus dirigiert wurden. Bachs Konzert für zwei Klaviere in C-Dur (BWV 1061) beginnt mit einem Tuttisatz, lässt im zweiten Satz dann aber die beiden Soloinstrumente in ein tiefsinniges Zusammenspiel eintreten (Adagio ovvero Largo), bis dann in der Fuge des Schlusssatzes ein engagiertes Zusammenspiel folgt.

Bei diesem Konzert, das von David Fray am ersten Klavier geleitet und am zweiten Klavier von Anton Gerzenberg gespielt wurde, stellte sich die grundsätzliche Frage, ob ein solches für Cembali komponiertes Konzert tatsächlich an Konzertflügeln gespielt werden sollte – die Grundfrage jeder Aufführungspraxis: Soll man es spielen, wie der Komponist es geschrieben hat, bei allen Unzulänglichkeiten der damals zur Verfügung stehenden Instrumente im Vergleich zu heute, oder die heutigen Möglichkeiten nutzen, um das darzustellen, was der Komponist vielleicht gern gehört hätte, wäre es damals möglich gewesen? Natürlich gab es damals kein Pedal, das im Konzert dennoch genutzt wurde, und doch war das Ergebnis mehr als ansprechend.

Tonhalle Zürich, Hommage à Géza Anda

Das folgende Konzert für zwei Klaviere und Orchester von Mozart wurde von Zlata Chochieva vom Klavier dirigiert, die mit Dmitry Yudin ein Feuerwerk der Virtuosität zeigte. Mozart lässt in diesem Konzert nicht nur Klaviere und Orchester, sondern auch die Soloinstrumente untereinander in einen mehr als munteren Dialog eintreten. Bei anspruchsvoller Klavierliteratur stellt sich immer auch die Frage, auf welchem Instrument gespielt wird.

Bei dem Zürcher Konzert wurden vier Flügel von Shigeru KAWAI eingesetzt, die gerade bei Mozart überzeugten: unmittelbares Ansprechen und klarer Klang, ohne in der Höhe zu metallisch zu werden, ein warmes und differenziertes Klangbild in der Mittellage, stets transparent und mit den entsprechenden Künstlern am Werk dann perlend, wie man es sich nur wünschen kann.

Tonhalle Zürich, Hommage à Géza Anda

Mozarts folgendes Konzert für drei Klaviere KV 242 wurde von Zlata Chochieva, Dmitry Yudin und Wataru Hisasue präsentiert. Den Noten merkt man die Werkgeschichte an, saß am dritten Klavier 1776 doch eine junge Dame mit noch recht limitierten Fähigkeiten. Das erste und zweite Klavier lösen sich ab, der dritte Klavierpart hat viel weniger zu spielen und ist auch sehr viel leichter zu meistern: Wenn im dritten Satz die ersten beiden Sechzehntel spielen, hat das dritte Klavier nur Achtel. Manchmal spielen alle drei Instrumente unisono, in Zürich ein Kabinettstück der Präzision, da alle drei Solisten hier höchst exakt koordiniert waren.

Zum Abschluss noch zweimal Bach: Das Konzert d-Moll für drei Cembali (BWV 1063) mit David Fray, Anton Gerzenberg und Wataru Hisasue verlangt dem Spieler am ersten Klavier technisch viel ab. Im zweiten Satz sind die ersten beiden Klaviere oft zusammen, im letzten Satz (Allegro) haben die Klaviere zwei und drei längere Solopassagen. Das Leipziger akademische Collegium musicum, für das Bach diese Werke wohl komponierte, muss ausgebildete Musiker gehabt haben.

Tonhalle Zürich, Hommage à Géza Anda

Das letzte Stück war das Konzert a-Moll für vier Cembali (BWV 1065); es basiert auf einem Konzert Vivaldis für vier Violinen und wurde von Bach in eine klavierfreundlichere Tonart transponiert und auch sonst umgearbeitet. Dieses Konzert hat seinen Platz im (erweiterten) kulturellen Gedächtnis der alten Bundesrepublik: 1985 veröffentlichte die Deutsche Grammophon eine Einspielung, bei der der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Part am vierten Klavier übernommen hatte. In Zürich wurde es von David Fray, Zlata Chochieva, Anton Gerzenberg und Dmitry Yudin gemeinsam mit dem Musikkollegium Winterthur interpretiert. Gerade der Allegro-Schluss gelang mehr als überzeugend.

Tonhalle Zürich, Hommage à Géza Anda

Das Publikum reagierte zunächst freundlich, später (beim ersten Mozartkonzert und beim abschließenden Bachkonzert für vier Klaviere) auch enthusiastisch und feierte die jungen Musiker.

Mit Cecilia Bartoli war auch musikalische Prominenz anwesend, und dieses Konzert hat einiges gezeigt: Auch alte Werke haben uns viel zu sagen und „funktionieren“ noch; es gibt ernstzunehmende Alternativen für Konzertinstrumente; es wächst wieder eine neue Generation exzellent ausgebildeter junger Menschen heran, die sich mit diesem Repertoire auseinandersetzen. Ein Abend, der optimistisch stimmt!

Julian Führer, 14. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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