Ein Brahms-Requiem abseits der großen Berliner Konzertsäle

Ölberg-Chor, Ingo Schulz, Karen Rettinghaus, Nikola Ivanov,  Emmaus-Kirche Berlin-Kreuzberg

Foto: wikipedia.de (c)
Emmaus-Kirche Berlin-Kreuzberg
, 17.November 2018
Ölberg-Chor
Instrumentalensemble Leitung Ingo Schulz
Karen Rettinghaus Sopran
Nikola Ivanov Bariton
Kim Andre Arnesen  Even when He is silent
Samuel Barber  Adagio for Strings
Johannes Brahms  Ein deutsches Requiem

von Peter Sommeregger

Der Spätherbst ist die Zeit des Totengedenkens, was sich auch in den Konzertprogrammen niederschlägt. An diesem November-Wochenende war in der Kreuzberger Emmaus-Kirche eine eindrucksvolle Wiedergabe des Brahms’schen Requiems zu erleben.

Kombiniert wurde dieses hoch emotionale Komposition mit zwei weiteren, klug ausgewählten Werken. Das kurze, aber eindringliche Stück des norwegischen Komponisten Arnesen „Even when He is silent“ für gemischten Chor a capella stimmte auf einen sehr spirituellen Abend ein.

Es folgte Samuel Barbers „Adagio for strings“, ein tief trauriges Stück, das schon eine zusätzliche Berühmtheit dadurch erlangte, dass es bei den Trauerfeiern einiger berühmter Menschen gespielt wurde. Das Werk war ursprünglich Teil eines Streichquartetts, in der hier aufgeführten Form ist es zu Barbers populärstem Werk geworden, keineswegs zur reinen Freude des Komponisten, da es seine übrigen Werke stets überstrahlte.

Wie vom Dirigenten erbeten, wurde zwischen den einzelnen Werken nicht applaudiert, um die Grundstimmung im voll besetzten Kirchenraum nicht zu stören. Eine gute Idee, leidet doch der heutige Konzertbetrieb manchmal sehr unter dem applaus-süchtigen Publikum, vereinzelt kann man auch schon das Klatschen nach einzelnen Symphonie-Sätzen erleben.

Das Requiem von Johannes Brahms ist heute eine der meist aufgeführten sakralen Kompositionen. Es ist eine Herausforderung für jeden Chor, die solistischen Passagen nehmen nur einen kleineren Teil des Werkes ein. Der 1989 gegründete Ölberg-Chor entledigte sich seiner anspruchsvollen Aufgabe souverän. Durch den deutschen Text berühren die Texte des Requiems viel unmittelbarer, machen betroffener, als es die lateinischen Messtexte vermögen. Das mag die Popularität des Werkes noch zusätzlich begründet haben.

Als Solisten waren die Sopranistin Karen Rettinghaus und der Bariton Nikola Ivanov zu erleben. Beide Sänger waren zeitweise an der Berliner Komischen Oper engagiert, sind daher keine Unbekannten in Berlin. Beide verfügen über ein frisches, jugendliches Timbre, sangen äußerst textdeutlich und ergänzten so den positiven Gesamteindruck der Aufführung, die von Ingo Schulz mit Umsicht und Sensibilität geleitet wurde.

Es müssen also nicht immer die großen Konzertsäle sein, in denen man in Berlin musikalisch große Leistungen erleben kann!

Peter Sommeregger, 18. November 2018 für
klassik-begeistert.de

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