Ein Vorgeschmack auf die Brixen Classics 2022: Sir Bryn Terfel und Camilla Nylund eröffnen das Festival

Pressekonferenz, Brixen Classics,  Hotel My Arbor, Brixen, Südtirol, 6. Mai 2022

Foto: Camilla Nylund zieht es bereits zum zweiten Mal zu den Brixen Classics nach Südtirol © AnnaS

Hotel My Arbor, Brixen, Südtirol, 6. Mai 2022

Pressekonferenz, Brixen Classics

Mit einem Staraufgebot gehen die Brixen Classics in die zweite Saison. Von 11. bis 18. Juni 2022 findet das Klassikfestival im Südtiroler Brixen statt. Das Motto des noch jungen Festivals: Musik, Wein & Kulinarik.

Mutig und einzigartig. Müsste man das Konzept der Brixen Classics in wenige Worte fassen, würde Werner Zanotti es auf diese drei Worte herunterbrechen. Als Initiator des Festivals und Geschäftsführer des Tourismusvereins Brixen, hebt der gebürtige Südtiroler damit das Alleinstellungsmerkmal des noch jungen Klassikfestivals hervor. „Das geistig-kulturelle Erbe in Brixen ist einzigartig“, betont Zanotti.

Über Jahrhunderte hatten in der heute drittgrößten Stadt Südtirols Fürstbischöfe regiert und das Bild der Stadt geprägt. Die barocken Sakralbauten und die Brixner Innenstadt zeugen noch heute von dieser Geschichte. Dass man in puncto klassischer Musik noch Neuland betritt, sieht Zanotti eher gelassen. „Eigentlich ist Brixen bekannt aufgrund seiner geistigen Musik.“ Dieses Bild soll sich nun wandeln. In einer Gegend, in der Klassik bislang nicht so im Mittelpunkt des Geschehens gestanden hat, ein mutiger Schritt.

Foto: Als eine der historischen Spielstätten dient das Kloster Neustift mit seiner Engelsburg © Bruno Klomfar

Erst letztes Jahr hat man die Brixen Classics aus der Taufe gehoben – mit großem Erfolg. Neben Stars wie Juan Diego Flórez und Camilla Nylund hat man vor allem auch auf das reichhaltige Angebot der Gegend gesetzt: Fruchtige Weißweine, exquisite Hausmannskost und mit dem My Arbor, ein Hotel der Spitzenklasse, das als Partner der Brixen Classics mit seinem außergewöhnlichen Service als Ruhepol und Wohlfühloase abseits des Trubels der Zivilisation dient.

Das My Arbor Baumhotel liegt oberhalb von Brixen. Eingebettet in die malerische Berglandschaft, die geprägt ist von seinen Kirchen und Wäldern, ruht das 4-Sterne-Superior-Hotel auf 25 Meter hohen Pfahlwerken aus Holz. Das Hotel ist in seiner Art einzigartig. Es ist das größte Baumhotel in Italien, im zauberhaften Dolomiten-Panorama der Plose, rund 15 Auto-Minuten von Brixen entfernt. Ein großzügiger Shuttle-Service erleichtert die Anreise.

Brixen Classics: Wein, Kunst und Kultur

Diese Exklusivität und die kulturelle Vielfalt will man auch nach außen tragen. Um Genussmenschen weit über die Grenzen des Landes zu erreichen, hat man weder Mühen noch Kosten gescheut. Für die ersten Jahre würde die Finanzierung bereits stehen. Das Land subventioniert in großem Maße. „Drei Jahre geht es, denke ich, dass wir das durchdrücken“, sagt Zanotti. Danach gelte es, die Herausforderung zu stemmen, private Sponsoren zu finden.

Das Ziel ist ganz klar: Mit den Brixen Classics will man kulturell interessiertes Publikum nach Brixen und Umgebung ziehen – vor allem aus dem Ausland. „Der Auftrag ist, Gäste hierher zu holen – der Anteil der Gäste soll größer sein als einheimische Besucher“, sagt Zanotti. Dafür hat man sich auch einiges einfallen lassen.

Foto: Exzellenter Weißwein dominiert den Weinbau im Eisacktal © Andreas Tauber

Klassik meets Kulinarik, Jugend trifft auf Tradition, frische Weißweine auf durstige Gaumen. So oder so ähnlich könnte man das Konzept der Brixen Classics ebenso zusammenfassen. Denn mit dem Festival, das zwar auch klassische Musik im Eisacktal etablieren soll, will man noch andere Sinne verwöhnen. Neben der Musik gilt ein Hauptaugenmerk ganz klar den kulinarischen Freuden des Lebens. Davon hat man im Brixner Talkessel, wo Eisack und Rienz zusammenfließen, einiges zu bieten. Insbesondere wegen seines Weißweins ist das Eisacktal weit über die Grenzen bekannt.

Auch, wenn der Anteil der Rebflächen im Landesvergleich verschwindend gering ist, qualitativ muss man sich vor seinen großen Kameraden aus der Toskana oder Venetien nicht verstecken. Mit 0,7 % Anbaufläche ist Südtirol das kleinste Weinbaugebiet in Italien. Es dominiert der Weißwein.

Bariton Michael Volle und der Pacherhof: Liebe auf den ersten Blick

Eine auserlesene Kostprobe für Gourmets bietet der Pacherhof. Ein Hotel und Weingut in Neustift bei Brixen, das seit 1142 im Besitz der Familie ist. Der Winzer Andreas Huber baut hier auf 8 ha acht weiße Rebsorten an. Sylvaner, Pinot Grigio (Grauburgunder) und sogar Grüner Veltliner, um nur einige der edlen Tropfen zu erwähnen. Für Weinliebhaber fast alles dabei, was das Herz höher schlagen lässt. Dass er sich im traditionellen Familienbetrieb auf Anhieb wohlgefühlt hat, bestätigt auch Michael Volle: „Der Pacherhof ist ein Paradies.“

Foto: Gemeinsam mit Gabriela Scherer singt Michael Volle im „Freischütz“ bei den Brixen Classics © Gisela Schenker

Der deutsche Bariton, der seit Jahren von den großen Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken ist, ist nur einer der vielen Gäste, die dieses Jahr bei den Brixen Classics auf der Bühne stehen werden. Mailänder Scala, Wiener Staatsoper, Royal Opera House in London, fast überall hat Volle bereits gesungen. In Brixen und in den Pacherhof hat er sich sofort verliebt. „Ein Traum, wir haben uns sofort wohlgefühlt.“

Gemeinsam mit seiner Frau, der Sopranistin Gabriela Scherer, dem weltberühmten Heldentenor Christopher Ventris und der Nachwuchshoffnung Nikolina Hrkac wird Volle am 17. Juni ein Highlight der diesjährigen Brixen Classics gestalten. Im Innenhof der Hofburg Brixen singt Volle den Kaspar in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“. Was man dabei erwarten darf, haben Volle & Co bereits anklingen lassen. Ein kurzer Einblick in die Proben verheißt Großes.

Daniel Geiss & das Klanglabor

Mit Daniel Geiss hat man einem jungen Kapellmeister die musikalische Leitung der Brixen Classics anvertraut, der bereits als Assistent bei Christian Thielemann seine ersten Erfahrungen sammeln konnte. In Dresden hat Geiss an einer Umsetzung des „Rings“ mitgearbeitet. Die Ähnlichkeit mit Thielemann ist frappierend. Gestik, Zeichengebung und selbst die Stimme gleichen dem großen Wagnerspezialisten, der als nicht gerade einfach gilt. „Aber sagen sie ihm bitte nichts davon“, scherzt Geiss nach der Pressekonferenz.

Seit letztem Jahr leitet Geiss die musikalischen Geschicke der Brixen Classics. Erstmal für drei Jahre. Dann wird neu abgewogen. Gefunden habe man sich aufgrund gemeinsamer Wege, die sich bei einem anderen Festival des öfteren gekreuzt hatten, sagt Tim Decker, der künstlerische Leiter der Brixen Classics. „Natürlich spielen persönliche Verbindungen aus Bayreuth eine Rolle.“ Volle und Ventris zählen in Bayreuth zu den Stammgästen. Geiss spielt seit Jahren regelmäßig im Festspielorchester. Im Sommer 2021 dirigierte Geiss ein Open-Air-Konzert bei den Bayreuther Festspielen.

Foto: Als musikalischer Leiter der Brixen Classics kümmert sich Daniel Geiss mit seinem Klanglabor vor allem um junge Orchestermusiker © Andreas Tauber

Großen Wert legt der ausgebildete Cellist und Kapellmeister, der bereits in Berlin, Madrid und Buenos Aires dirigiert hat, auf die Nachwuchsarbeit. In Brixen hat man das sogenannte Klanglabor erschaffen. Ein Projekt, das großen Wert darauf legt, jungen Musikern den Weg ins Orchester zu erleichtern.

In Deutschland habe man es versäumt, die verstaubten Strukturen zu reformieren, kritisiert Geiss. Zwar hätten viele der rund 120 Orchester, die in Deutschland existieren, inzwischen sogenannte Akademien für Nachwuchsmusiker, allerdings werde den Studenten selten mehr als das Repertoire nahegebracht. „Eine nachhaltige Ausbildung im Sinne des Erlernens von Grundkompetenzen des Ensemblespiels, so wie dies in Bezug auf Instrumentalspiel im Einzelunterricht gelehrt wird, werden selten bis nie vermittelt.“

Mit dem Klanglabor will Geiss das ändern. Ihm zurseite stehen dabei erfahrene Orchestermusiker, die sich bereits in großen Orchestern als Stimmführer etabliert haben. Sie spielen gemeinsam mit den Nachwuchstalenten, sowie mit einem aus Südtiroler Sängern zusammengestellten Chor. Coronabedingt durfte der Chor letztes Jahr nicht dabei sein.

Eröffnungskonzert mit Stars wie Bryn Terfel und Camilla Nylund

Ihr Können gleich unter Beweis stellen, dürfen die jungen Orchestermusiker zum Auftakt der Brixen Classics (11. Juni) – wenn es heißt: A night at the Opera. Im Innenhof der Brixner Hofburg singen Weltstars wie der Waliser Sir Bryn Terfel und die Finnin Camilla Nylund große Arien und Duette. Am Programm: Mozart, Verdi, Puccini und Wagner, um nur einige zu nennen. Der musikalische Streifzug soll gar einladen, um durch ganze 300 Jahre Operngeschichte zu reisen.

Reisen ist ein gutes Stichwort für ein weiteres spektakuläres Programm: Mit Sounding Vineyards (12. Juni), einer Symbiose aus Musik und Weinverkostung, geht es am 12. Juni über Stock und Stein. Auf der musikalischen Wanderung, die zu drei bekannten Weingütern führt – Köfererhof, Strasserhof und Pacherhof –, verschmelzen Dixie, Brass und Klassik zu einem kulturellen Hochgenuss. Dass man dabei auch Musiker aus dem Raum Brixen erleben wird, unterstreicht die Förderung einheimischer Talente. „Das ganze schwere Blech ist aus der Gegend“, sagt Geiss.

Foto: Zum Auftakt der Brixen Classics singen Camilla Nylund und Sir Bryn Terfel am 11. Juni in der Hofburg Brixen © Andreas Tauber

Rasant geht es weiter. Bevor man mit „Chamber Lights“ (16. Juni), einem Kammermusikabend im Kloster Neustift in die besinnliche Zielgerade biegt, erforscht man noch Neues. Mit einer Art „Poetry Slam, Lounge, Essen und Trinken – und natürlich einem DJ“, wie Daniel Geiss sagt, wagt man sich in der Disco Max (15. Juni) auf unbekanntes Terrain. Bei einer Art Klassik-Pop-Crossover führt Daniel Geiss durch eine spannende Session, in der sich zu Orchestermusik nach und nach DJ-Sounds und Lichteffekte mischen. Dass dabei etwas aus dem Ruder laufen könnte, befürchtet Geiss übrigens nicht. „Der DJ hat als Blasmusiker eine musikalische Ausbildung und weiß Einsätzen somit gut zu folgen.“

Weiterer Stargast: Geiger Daniel Hope (14. Juni), der in der Brixner Hofburg begeistern wird. Begleitet vom Brixen Classics Festival Orchester unter der Leitung von Daniel Geiss mit Werken von Richard Wagner, Max Bruch und Antonín Dvořák, den Geiss übrigens als Wegbereiter für Hollywoods Filmmusik sieht.

Abschlusskonzert mit Michael Volle und GabrielA Scherer

Den glanzvollen Schlusspunkt (18. Juni) setzen wieder etablierte Klänge. Wenn Michael Volle und Gabriela Scherer am Festplatz des Kloster Neustift ihre Lieblingslieder aus Oper, Konzert und Musical präsentieren, erstrahlt die davor gelegene Engelsburg in hellem Scheinwerferlicht. Erbaut wurde der Sakralbau, der dem Erzengel Michael geweiht ist, vermutlich im 12. Jahrhundert. Vorbild war wohl die Engelsburg in Rom. Kein Wunder also, dass der Ort unweigerlich Assoziationen an die Schlussszene aus Puccinis „Tosca“ verknüpft. Von dort aus stürzt sich die Titelfigur in Puccinis Oper verzweifelt in den Tod.

Das genaue Programm will Volle noch nicht verraten. Nur so so viel: Bizets Perlenfischerduett wird ebenso dabei sein wie das Duett aus Korngolds „Die tote Stadt“. Wirklich in Worte fassen, kann man die Atmosphäre der historischen Spielstätten und die Gastfreundschaft der Südtiroler sowieso nicht. Um das zu realisieren, bleibe einem gar nichts anderes übrig, als hautnah in Brixen und sein malerisches Umland einzutauchen. „Diese Spielstätten können nicht beschrieben werden, sie müssen erlebt werden“, sagt Werner Zanotti.

klassik-begeistert.de, 11. Mai 2022

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