Das war weitgehend Bayreuth-Niveau!

Richard Wagner, Der fliegende Holländer,  Hamburgische Staatsoper, 21. Februar 2020

Foto: © Westermann / Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper, 21. Februar 2020

Richard Wagner, Der fliegende Holländer

von Ulrich Poser

Andrzej Dobber

Schon die Antrittsarie „Die Frist ist um“ von Andrzej Dobber in der Titelrolle ließ Großes erahnen. Hier steht ein Heldenbariton der absoluten Weltklasse auf der Bühne: Stimmgewaltig, glasklar, textverständlich, rabenschwarz und schauspielerisch erstklassig. Besser und überzeugender kann man diese Partie wohl kaum singen und darstellen. Sein professionelles Schauspiel und die mächtige Erscheinung, die an Jon Vickers erinnert, trugen dazu bei, dass hier ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk dargeboten wurde. Dieser Holländer lebte. Nach dieser grandiosen Leistung von Herrn Dobber besteht kein Zweifel daran, dass Katharina Wagner zeitnah zum Telefonhörer greifen wird. Dieser Mann gehört auf den Grünen Hügel! Eine solche Einladung sollte ihn aber bitte nicht davon abhalten, so oft wie möglich in Hamburg zu gastieren. Das Haus an der Dammtorstraße braucht solche Helden dringend.

Allison Oakes. © Fiona MacPherson

Genau so überwältigend präsentierte sich die aus Stoke-on-Trent stammende Sopranistin Allison Oakes als Weltklasse-Senta. In dieser hervorragenden Sängerin vereinigen sich diejenigen Eigenschaften und Fähigkeiten, die ein erfolgreicher Sopran braucht: Einen formidablen Sopran, sehr gute Textverständlichkeit, Dynamik in der Stimmgestaltung, eine ansprechende weibliche Erscheinung und professionelles, zu keiner Zeit überzogenes Schauspiel. Dazu kommt – und das ist das Einzigartige an dieser phantastischen Künstlerin – die ihr eigene Stimmpower und enorme Lautstärke, die, stets richtig dosiert eingesetzt, den Zuhörer verblüfft und in andere Sphären katapultiert. Frau Oakes ist in jeder Hinsicht eine Wagner-Heroine, die die Reise auf den Grünen Hügel nach ihrem Bayreuth-Debüt 2013 (dort gab sie 5 Jahre lang eine umjubelte Gutrune im Castorf-Ring) dringend erneut antreten muss.

Die Reise ins Frankenland angetreten hat auch der Bass Wilhelm Schwinghammer, der einen soliden Daland gab. Sein warmer klarer Bass gestaltete die Partie des Vaters, der seine Tochter der Prostitution preisgibt, sehr überzeugend. Allein die Tatsache, dass er in Relation zum Alter seiner Tochter vielleicht ein etwas sehr junger Vater war, machte etwas schmunzeln.

Der Tenor Gideon Poppe gab einen angenehm lyrischen Steuermann; Michael Schade aus dem gleichen Stimmfach bewältigte die nicht einfache Partie des enttäuschten Liebhabers Erik stimmgewaltig, höhensicher und mühelos sowie mit sehr schönem und wohl dosierten Einsatz seiner ebenfalls sehr lyrischen Kopfstimme.

Der wagnererfahrene Dirigent Christof Prick leitete die Vorstellung souverän und mit der notwendigen Dynamik, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal die Sänger zu übertönen. Bravo!

Ein großes Lob an den Chor, der an diesem Abend erneut hervorragend ablieferte. Insbesondere der Damenchor der Spinnerinnen im 2. Akt hatte es dem Rezensenten an diesem Abend angetan.

Aus dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg fiel an diesem Abend wieder einmal der Solo-Pauker Brian Barker positiv auf. Der in der Elbphilharmonie in den Sonntags- und Montagskonzerten zeitweise schon zum umschwärmten und vom Publikum gesondert gefeierten Star avancierte Mann mit dem dezenten Unterlippenbart hat mit seinem präzisen Spiel auf den Punkt wieder einmal bewiesen, was er ist: Der Heartbeat des Philharmonischen Orchesters.

Ein kleiner Tadel geht abschließend an den Hornisten, den es angeht: So oft verblasen, ist keine Weltklasse. Bitte mehr üben! Die Kollegen haben das nicht verdient.

Ulrich Poser, 22. Februar 2020, für
klassik-begeistert.de

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