Was für ein gesanglicher Triumph!

Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Staatsoper Hamburg, 16. Februar 2018

Fotos: Brinkhoff/Mögenburg (c)
Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Staatsoper Hamburg

16. Februar 2018

von Yehya Alazem

Johannes Fritzsch, Dirigent
Marco Arturo Marelli, Inszenierung/Bühne
Dagmar Niefind-Marelli, Bühnenbild
John Lundgren, Holländer
Ingela Brimberg, Senta
Daniel Behle, Erik
Günther Groissböck, Daland

Was für ein gesanglicher Triumph! Zwei Schweden, ein Deutscher und ein Österreicher sorgen für eine phantastische Vorstellung des fliegenden Holländers an der Hamburgischen Staatsoper.

Dieses Werk ist das erste große Werk Richard Wagners. Er selbst hat über seine Frühwerke „Die Feen“, „Das Liebesverbot“ und „Rienzi“ den Bann verhängt, dass sie im Festspielhaus in Bayreuth nicht aufgeführt werden durften. Erst die nach 1840 komponierten Opern, beginnend mit dem „Holländer“, waren bayreuthwürdig.

Für den „Holländer“ gibt es weder eine Einleitung noch ein Aufwärmen. Mit dem Monolog „Die Frist ist um“ verankert er seine Qual in den Köpfen der Zuhörer. Die ewige Suche nach Erlösung, den Todeswunsch und vergebliche Hoffnung verkörpert der schwedische Heldenbariton John Lundgren auf exzeptionelle Art und Weise. Mit einer dramatischen, soliden Stimme, einem weichen, silbernen Klang und einer hervorragenden Technik liefert Lundgren eine äußerst persönliche Interpretation, die aus dem Tiefsten kommt und mitten ins Herz geht.

© 2011 Brinkhoff / Mögenburg

Der Schwede findet in der Schwedin Ingela Brimberg als Senta eine ausgezeichnete Erlöserin. Ihre Stimme hat eine wunderschöne warme Mittellage und eine klare Höhe, die alle Spitzentöne ganz mühelos liefert. Mit sowohl strahlenden starken als auch leisen Tönen und einem sensuellen Legato gelingt ihr Sentas Ballade sehr gut. Ihre Erlösung zum Ende der Oper ist ein starker Gänsehautmoment.

© 2011 Brinkhoff / Mögenburg

Der Deutsche Tenor Daniel Behle gibt einen herrlichen Erik. Mit seinem hellen, lyrischen und durchdringenden Tenor singt er seine Partie mit voller Eleganz und Leidenschaft. Seine Darstellung ist so stark, als möchte er für Senta die ganze Welt umbringen. Am Ende bleibt er verzweifelt zurück.

Ganz souverän ist der österreichischer Bass Günther Groissböck. Was für eine großartige Stimme er besitzt! Er singt mit wunderbarer Tiefe, langem Atem und voller Textverständlichkeit und spielt mit großer Autorität.

Der Chor der Hamburgischen Staatsoper singt mit herrlich klarer Harmonik. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg findet sich leider unter der Leitung von Johannes Fritzsch nicht zurecht. Obwohl die Musiker mit großer Freude spielen, fehlt es an Dramatik, und die tiefe Dunkelheit wird leider nie erfasst.

Die Inszenierung von Marco Arturo Marelli trifft den Kern dieser Oper und beeindruckt auch mit interessanten Einfällen und durchdachter Personenregie. Leider ist das Bühnenbild von Dagmar Niefind-Marelli jedoch ein wenig zu eintönig und detailarm.

Yehya Alazem, 16. Februar 2018
für klassik-begeistert.de

 

 

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