Sommereggers Klassikwelt 232: Mit der Oper „Martha“ wurde Friedrich von Flotow unsterblich

Sommereggers Klassikwelt 232: Mit der Oper „Martha“ wurde Friedrich von Flotow unsterblich  klassik-begeistert.de, 24. April 2024

Friedrich von Flotow 1866, Wikipedia.org

von Peter Sommeregger

Wer kennt sie nicht, die „Letzte Rose“, oder das klagende „Martha, Martha, du entschwandest“? Es sind Höhepunkte der Oper „Martha“, die 1847 am Wiener Kärntnertor-Theater uraufgeführt wurde, und dem Komponisten Friedrich von Flotow den größten Erfolg seiner Laufbahn einbrachte.

Flotow, der einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht entstammte, war von seinem Vater ursprünglich für eine diplomatische Laufbahn vorgesehen. Nachdem sich aber das musikalische Talent Friedrichs manifestiert hatte, willigten die selbst musikalischen Eltern in eine Ausbildung zum Musiker ein.

Flotow wurde am Pariser Konservatorium in Komposition und Klavier unterrichtet, wo er Bekanntschaft und Freundschaft mit Charles Gounod und Jacques Offenbach schloss. Seine ersten Werke waren ganz am Stil der französischen Opéra comique orientiert und brachten ihm erste bescheidene Erfolge ein.

Die 1844 in Hamburg uraufgeführte Oper „Alessandro Stradella“ wurde zu seinem bis dahin größten Erfolg. Den endgültigen Durchbruch zu internationalem Ruhm verschaffte ihm aber erst die 1847 in Wien uraufgeführte „Martha“, die zum Sensationserfolg wurde und die Opernbühnen der Welt eroberte. Flotow liebte es, im Stil von Volksweisen zu komponieren, die Aufnahme des englischen Volksliedes „The last Rose of Summer“ als Einlage in „Martha“ trug mit zum nachhaltigen Erfolg des Werkes bei.

Den Erfolg dieser Oper konnte er mit späteren Werken nicht wiederholen, sein Schaffen beschränkte sich allerdings nicht nur auf Bühnenwerke, neben umfangreicher Kammermusik komponierte er auch zwei Konzerte für Klavier und Orchester, die seine Meisterschaft auf dem Klavier verraten.

Im Privatleben war Flotow nicht immer erfolgreich. Seine erste Ehe mit der erst sechzehnjährigen Elisabeth von Zadow wurde bereits nach zwei Jahren durch den frühen Tod der jungen Frau beendet, davor war ein gemeinsamer Sohn mit nur wenigen Monaten gestorben.

1855 heiratete er in zweiter Ehe die Tänzerin Anna Theen, mit der er bereits eine uneheliche Tochter hatte. Aus dieser Ehe gingen dann noch zwei Söhne hervor, eine weitere Tochter erkannte Flotow aber nicht als sein Kind an, beschuldigte seine Frau der Untreue und ließ sich scheiden.

Apart ist, dass er seine dritte Ehe mit der Schwester Anna Theens, Rosina, einging, die ihm noch eine weitere Tochter schenkte. Diese Ehe verlief glücklich und hielt bis zu Flotows Tod.

Zeitweilig hatte der Komponist als Hoftheaterintendant am Schweriner Hoftheater gewirkt, gab diese Stellung aber nach Intrigen gegen ihn auf. Seine letzten Jahre verbrachte Flotow, der zwischenzeitlich auch in Wiener Neustadt gelebt hatte, in Darmstadt, wo auch seine ebenfalls geschiedene Schwester lebte.

Fast erblindet starb Friedrich von Flotow am 24. Januar 1883 in Darmstadt und wurde auf dem dortigen Friedhof in einem Ehrengrab bestattet.

Leider passt die viel geliebte „Martha“ nicht mehr so recht zur aktuellen Theaterästhetik, deshalb sind Aufführungen des Werkes inzwischen selten geworden. Man muss das bedauern, denn sie stellt einen absoluten Höhepunkt des Genres Spieloper dar, und sprüht nur so von musikalischen Ohrwürmern.

Peter Sommeregger, 22. April 2024, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Sommereggers Klassikwelt (c) erscheint jeden Mittwoch.

Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Riccardo Muti und Anna Netrebko. Seit 26 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der deutschen Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen’. Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de.

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2 Gedanken zu „Sommereggers Klassikwelt 232: Mit der Oper „Martha“ wurde Friedrich von Flotow unsterblich
klassik-begeistert.de, 24. April 2024“

  1. Das Landestheater Salzburg hat „Martha“ für 2025 auf dem Spielplan:
    Musikalische Leitung: Tobias Meichsner
    Regie: Christiane Lutz
    Bühne: Natascha Maraval
    Kostüme: Dorothee Joisten
    Premiere 15. März 2025

  2. Lieber Herr Sommeregger,
    wie schön, dass Sie so wohlwollend an diese tatsächlich kaum gespielte Oper erinnern; sie war mein erster Opernkontakt.
    Noch immer höre ich „Martha“ von Zeit zu Zeit, ich mag die Musik sehr und finde, es gibt in dieser Oper eines der schönsten Männerduette.
    Freundliche Grüße,
    Kathrin Beyer

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