Elbphilharmonie: Die Orgel ist der Star des Abends

Thomas Cornelius, Thomas Dahl, Manuel Gera, Orgel,  Elbphilharmonie Hamburg

Foto: Maxim Schulz (c)
Elbphilharmonie
Hamburg, 19. Mai 2018
Thomas Cornelius, Orgel
Thomas Dahl,
Orgel
Manuel Gera, Orgel

von Sebastian Koik

Die Orgel ist der Star des Abends.

Kein Organist kennt sie besser als Thomas Cornelius, der ihren kompletten Bau begleitete. Kein Organist hat sie häufiger im Konzert gespielt. Im ersten Teil des Abends stellt Thomas Cornelius „sein“ Instrument vor und die Besucher erfahren viel Interessantes über das 25 Tonnen schwere klangmächtige und optisch beeindruckende Schmuckstück der Elbphilharmonie.

Das, was man im Saal sieht, sind nur ein Prozent der 4765 Pfeifen, teilweise aus Holz und unterschiedlichen Zinnlegierungen, der Rest ist in die Wand eingearbeitet. Die längste Pfeife ist etwa zehn Meter lang. Als Cornelius sie anspielt, vibrieren die Zwerchfelle der Zuhörer. Die kleinste Pfeife ist etwa elf Millimeter lang und liegt an der oberen Grenze der Hörbarkeit.

Und dann darf jeder der drei Organisten an den Spieltisch auf der Bühne und bringt das 15 mal 15 Meter große Ding zum Erklingen. Und das Gespielte klingt ganz anders als in einem klassischen Orgelkonzert. Mit viel Witz mischt Manuel Gera, Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, norddeutsche Lied-Melodien mit Georg Friedrich Händel. Thomas Dahl, Organist an der Hauptkirche St. Petri, nimmt unter anderem Anleihen bei Maurice Ravel und streut ebenfalls viele Zitate aus bekannten deutschen Liedern ein.

Thomas Cornelius ist nicht nur Organist, sondern auch Komponist, er schrieb ein Stück über die Entstehung von Hamburgs schönem Musiktempel am Fluss mit dem Titel Metamorphosen / Vom Kaispeicher zur Elbphilharmonie. Darin bringt er mit dem Arsenal der 4765 Pfeifen Wind, Wasser, Hafen und Bau zum Erklingen. Das gelingt ihm wunderbar, viele Bilder entstehen im Kopf der Zuhörer. Doch Thomas Cornelius will noch mehr: Er will mit diesem Elbphilharmonie-Stück alle Möglichkeiten dieser Orgel nutzen und demonstrieren. Denn diese Orgel kann viel mehr als eine Kirchenorgel, so kann bei der Elbphilharmonie-Orgel der Wind gesteuert werden, und es gibt Haltefunktionen. Und als besonderes Gimmick für die Orgel mitten im Hafen: zwei Schiffshörner. Der Konzertbesucher bekommt alles zu hören.

Nach einem Aufruf gingen im Vorfeld des Konzertes über tausend Musikwünsche ein, die Cornelius, Dahl und Gera voller Spielfreude in wild-witzigen Improvisationen verarbeiten. Es gibt Melodien von Ed Sheeran, den Sportfreunden Stiller, Avicii, Coldplay, Europe und Scooter, … und Dutzende mehr. Und ganz zum Schluss ertönt dann auch noch die letzte Spezialfunktion der Orgel: eine Schiffsglocke.

Sebastian Koik, 21. Mai 2018,
für klassik-begeistert.de

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