CD/Blu-ray Besprechung:
Die Aufzeichnung dieser ansprechenden Produktion verhilft dem Werk möglicherweise zu verstärkter Aufmerksamkeit, was dieser Oper zu wünschen wäre.
Umberto Giordano, Fedora
Vida Miknevičiūte
Jonathan Tetelman
Christof Loy Regie
John Fiore Dirigent
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
EuroArts 2049173
von Peter Sommeregger
Vorlage für diese Oper war das gleichnamige Drama von Victorien Sardou, das den Komponisten inspiriert hatte. Es ist kein Zufall, dass Sardou auch der Autor des erfolgreichen Bühnenwerkes „Tosca“ war, das Giacomo Puccini beinahe zeitgleich vertonte. Die reißerischen Dramen Sardous waren ideale Vorlagen für Komponisten des neuen Verismo-Stiles.
Umberto Giordano ist hierzulande hauptsächlich mit seinem „Andrea Chenier“ bekannt, die Revolutionsoper ist als einziges seiner Stücke weltweit auf den Spielplänen zu finden. Seine „Fedora“ wurde in Berlin seit 1930 nicht mehr gespielt, aber die Premiere an der Deutschen Oper Berlin im November 2025 war beim Publikum ein großer Erfolg. Nun ist sie auf DVD/Blu-ray erschienen, und man kann den positiven Eindruck der Aufführung vertiefen.
Ähnlich wie bei Tosca ist die zentrale Figur eine leidenschaftlich liebende Frau. Die Fürstin Fedora verliert am Tag vor der Hochzeit ihren Bräutigam durch einen Mordanschlag, verliebt sich im weiteren Verlauf der Handlung in dessen Mörder, wird selbst moralisch schuldig, und begeht schließlich Selbstmord.
Giordanos Partitur besticht durch Sinnlichkeit und kunstvolle Instrumentierung. Dass er den unterschiedlichen Schauplätzen der drei Akte jeweils russisches, französisches und rustikal schweizerisches Flair beimengt, gibt dem Werk einen eigenen Reiz.
Dies alles komprimiert auf weniger als zwei Stunden erzeugt eine spannungsvolle Dichte, die der Regisseur Christof Loy klug zu nutzen weiß. In ein Einheitsbühnenbild setzt ihm der Ausstatter Herbert Murauer einen überdimensionalen Bilderrahmen, in dem Videosequenzen zu sehen sind. Die Inszenierung war bereits erfolgreich in Stockholm und in Frankfurt/Main zu sehen. Loys Stärke ist die Personenführung, es gelingt ihm, die plakative Handlung in sensible Körpersprache umzusetzen, und sie dadurch in jedem Moment glaubhaft zu machen.
John Fiore dirigiert das Orchester der Deutschen Oper souverän und gibt dem Verismo, was er braucht: starke dramatische Akzente. Die Sängerbesetzung erweist sich als gut kalkulierter Glücksfall: in der Titelrolle zeichnet Vida Miknevičiūtė ein facettenreiches Bild der Fürstin im emotionalen Ausnahmezustand. Technisch souverän gestaltet sie die anspruchsvolle Partie, obwohl man sich vom Stimmtypus her eine etwas wärmere, vollere Stimme gewünscht hätte, was die Leistung aber keineswegs mindert.
Jonathan Tetelman als Loris, einer Partie, die einst Enrico Caruso kreierte, ist optisch wie vokal der Idealtyp des Latin Lovers, das Volumen seines Spinto-Tenors ist eindrucksvoll, seine Lautstärke ist beinahe des Guten zu viel. Die beiden Stimmen verbinden sich aber optimal. Daran hat auch das gesamte Ensemble seinen Anteil, von dem Julia Muzychenko als Olga und Navasard Hakobyan als de Siriex besonders gefallen.
Die Aufzeichnung dieser ansprechenden Produktion verhilft dem Werk möglicherweise zu verstärkter Aufmerksamkeit, was dieser Oper zu wünschen wäre.
Peter Sommeregger, 1. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Umberto Giordano (1867 – 1948), Fedora Deutschen Oper Berlin am 27. November 2025 PREMIERE
Umberto Giordano (1867–1948), Fedora Deutsche Oper Berlin, Aufführung am 2. Dezember 2025
Umberto Giordano, Fedora MET-Übertragung in der Lübecker Stadthalle am 14. Januar 2023