Regina Ströbl, Brigitte Fassbaender und Andreas Ströbl – Photo: Stefan Vladar
Portrait-Gespräch im Rahmen des Begleitprogramms zu Alban Bergs Oper „Wozzeck“
Regina und Andreas Ströbl im Gespräch mit Brigitte Fassbaender, Regisseurin
Theater Lübeck, 19. April 2026
von Heidelinde Hemann
Im ausverkauften Theaterrestaurant begrüßte am 19. April 2026 Michael Sangkuhl, betreuender Dramaturg der Oper „Wozzeck“, die am 25. April 2026 unter der Regie von Kammersängerin Brigitte Fassbaender Premiere feiern wird, die Anwesenden.
Der Titel der Veranstaltung, „Mir ist die Ehre widerfahren“, stammt aus dem Libretto von Richard Strauss’ „Rosenkavalier“. Sangkuhl dankte dem Ehepaar Dres. Regina und Andreas Ströbl, die sich kurzfristig bereit erklärt hatten, für den aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Jürgen Kesting das Gespräch mit der Regisseurin zu führen. Beide sind dem Theater Lübeck über Jahrzehnte verbunden und mit der klassischen Musik in allen ihren Facetten vertraut.
Es entwickelte sich ein sehr lebendiges Gespräch, das die Zuhörerinnen und Zuhörer an dem vielseitigen Leben der großen Sängerin und Regisseurin teilnehmen ließ. Der Bogen spannte sich zunächst vom Beginn ihrer Karriere als Sängerin ab 1961 an der Bayerischen Staatsoper in München über sehr erfolgreiche Auftritte an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt bis zum Rückzug von der Bühne – sie hatte ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Weiter ging es zu ihrer Meisterkurs-Lehrtätigkeit und dem Interesse am Inszenieren, die Übernahme der Herausforderungen als Intendantin an Theatern und Festivals, bis zur aktuellen Inszenierung des „Wozzeck“ am Theater Lübeck.
Neben der Oper war der Liedgesang für Brigitte Fassbaender eine bedeutende Größe ihres Schaffens. Waren in der Oper ihre Paraderolle der Octavian im „Rosenkavalier“ und ihre Lieblingsrolle die Charlotte in Massenets „Werther“, so stand Schuberts „Winterreise“ im Liedgesang für sie hier im Zentrum. Allerdings empfand sie jede Rolle, an der sie jeweils arbeitete, in dieser Zeit als persönlichen Favoriten. Sie hob hervor, dass man in der Oper in eine Rolle schlüpfe, beim Liedgesang aber viel stärker die eigene Persönlichkeit zeigen müsse. Ein Ausflug der Mezzosopranistin als Marie im „Wozzeck“ ins Sopranfach machte ihr übrigens deutlich, dass dies tatsächlich nicht ihre Welt sei.
Nach dreimaliger Absage an Herbert von Karajan gab es von dessen Seite keine Anfragen mehr. Es hatte ihrer Karriere nicht geschadet, dafür war sie damals schon zu bekannt. Das Hören auf die innere Stimme und die Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber nannte sie als unabdingbare Begleiter ihres Schaffens. „Vernunft, Geduld und die Erkenntnis der eigenen Grenzen“ empfindet die Ausnahme-Künstlerin als wichtige Voraussetzungen, um im mitunter riskanten und nervenaufreibenden Sängerleben bestehen zu können.
Viele weiteren Gesichtspunkte wurden in gut einer Stunde beleuchtet. Die Anwesenden erlebten eine Künstlerin, die trotz oder gerade wegen ihres Alters vor Lebendigkeit, Neugierde und Interesse sprühte. Grundsätzlich sei eine Inszenierung niemals zu Ende – die Anspannung in der Regiearbeit hielte bis zum Schluss an. Und dann könne auch immer noch weitergearbeitet werden.
Man darf sehr neugierig auf diesen „Wozzeck“ sein. Noch sind Karten erhältlich.
Heidelinde Hemann, 20. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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„Enoch Arden“ von Alfred Lord Tennyson Theater Lübeck, 24. Januar 2024