DIE MONTAG-PRESSE – 20. APRIL 2026

DIE MONTAG-PRESSE – 20. APRIL 2026

Anna Netrebko ©  Wiener Staatsoper/Michael Pöhn 

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 20. APRIL 2026

Wien/Staatsoper
Ein traumhafter Wienbesuch geht mit Anna Netrebko als Schlagobershäubchen zu Ende
Die Besetzung der Tosca mit Anna Netrebko deutete natürlich schon darauf hin, dass es ein spektakulärer Abend werden würde. Für meinen Geschmack wurde dieses Gefühl noch übertroffen! Schon im ersten Akt konnte Ivan Gyngazov in der Rolle des Cavaradossi stimmlich alles überstrahlen. Herrlich, wie er seinen tenoralen Glanz makellos schon in seiner ersten Arie einsetzt. Dafür gibt es schon die ersten Bravos. Mit dem Bühnenbild der Kirche Sant’Andrea della Valle kann ich nach intensivem Wien-Kirchen-sightseeing gut leben. Mit der Inszenierung, wenn es denn eine gab, weniger. Insgesamt wurde gern „an der Rampe“ gesungen, was den Sängern natürlich zuträglich war.
Von Iris Röckrath
Klassik-begeistert.de 

Leipzig/Gewandhaus
Der feine Unterschied zwischen „Dienst“ und Musizieren
Es soll ja Leute geben, die Leipzig für wesentlich aufregender halten als Berlin. Die Hauptstadt der Bundesrepublik ist natürlich in puncto Einwohnerzahl und Fläche weit größer als die bevölkerungsreichste Stadt Sachsens. Beide Städte verbindet jedoch ein riesiges, schier unüberschaubares Kulturangebot, selbst wenn man sich nur auf die sogenannte „klassische“ Musik beschränkt.
Von Brian Cooper
Klassik-begeistert.de

Wien
Thielemann im Musikverein: Das Wandern ist des Komponisten Lust
Zu Beginn des Musik-Festivals „Beethovens Spazierstock“ machten sich Christian Thielemann und die Staatskapelle Berlin auf zu einer Landpartie. Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern offensichtlich auch die des Komponisten. Wenn Ludwig van Beethoven nicht gerade Gefühle in Töne setzte, Wein trank oder jemandem zürnte, machte der Künstler auch gern „stundenlange Spaziergänge, besonders durch wilde und romantische Gegenden“, wie ein Zeitgenosse festhielt.
DerStandard.at

Thielemann im Musikverein: Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten (Bezahlartikel)
Die Staatskapelle Berlin unter Christian Thielemann gastierte mit Beethoven und Strauss, vollendet gesungen von Julia Kleiter und Konstantin Krimmel.
Die Presse.com

Julian Prégardien mit dem RSO: Edle Liedkunst und spannende Orchesterkultur
Julian Prégardien begeisterte im Konzerthaus mit Mahler, Cornelius Meister beeindruckte am Pult des ORF-RSO Wien auch mit Kaariaho und Mussorgski/Ravel.
Kurier.at

Das RSO unter Meister im Konzerthaus: Feine Häppchen bei einer Ausstellung (Bezahlartikel)
Zwei Erstaufführungen in Österreich machen Appetit auf mehr, auch dank eines gut aufgelegten Radio-Symphonieorchesters Wien.
DiePresse.com

Festival im Musikverein: So kommt man gratis in den Goldenen Saal (Bezahlartikel)
Der Wiener Musikverein veranstaltet ein veritables Festival. Den Auftakt machte am Samstag „Eine Brise“, eine Musikperformance rund ums Haus für 111 klingelnde Radfahrer.
DiePresse.com

Wien
Das Kulturamt: 11 Monate keine szenische Oper – ist das noch ein Opernhaus? (Bezahlartikel)
Ein Antrag an das (fiktive) Kulturamt plädiert angesichts des reduzierten Programms gleich für eine Umwidmung des Theaters an der Wien.
Kurier.at

Berlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Vladimir Jurowski: Winterstürme und Wonnemond (Bezahlartikel)
Aufforderung zum Nachhorchen: Brahms’ heiteres 2. Klavierkonzert und der erste Akt von Wagners „Walküre“, konzertant im Berliner Konzerthaus.
Tagesspiegel.de

München
Kritik Jonas Kaufmann in München: Operettenabend mit Nebenwirkungen
Jonas Kaufmann liebt die Operette, das war am Mittwoch in der Isarphilharmonie in jedem Moment spürbar. Auf dem Programm standen unter anderem Auszüge aus „Das Land des Lächelns“, „Die Csárdásfürstin“, „Gräfin Mariza“, „Der Teufelsreiter“ und ein Evergreen aus der Oper „Die Königin von Saba“. Mit dabei: die Sopranistin Malin Byström und die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder.
BR-Klassik.de

Hamburg
Puccini trifft auf Pizza: „Tosca“ im Hamburger Opernloft
Auf der Bühne bei Puccinis „Tosca“ im Hamburger Opernloft steht die titelgebende Tosca-Sopranistin Aline Lettow. Wobei singen ist heute nicht ihr einziger Job. Parallel dazu muss sie auch Pizza zubereiten und servieren – und die kommt nicht einfach vom Lieferdienst. Aline Lettow hat den Teig am Nachmittag höchstpersönlich zubereitet und kümmert sich nun um die insgesamt acht großen Pizzen, die am Abend serviert werden sollen. „Ist schon Arbeit vorher. Das ist anders als bei anderen Stücken“, erzählt die Sängerin und lacht. „Wir haben viele Requisiten und Schritte, an die man denken muss, nicht nur singen.“ So schnell wird man von einer Sopranistin zur Pizzabäckerin.
ndr.de

Frankfurt
„Armenian Soul“ mit dem hr-Sinfonieorchester und dem virtuosen Geiger Sergey Khachatryan unter der Leitung von Alain Altinoglu in der Alten Oper
Die Familie von Alain Altinoglu, dem 1975 in Paris geborenen Chefdirigenten des hr-Sinfonieorchesters, stammt aus dem vielgestaltigen Armenien, was ihn mit dem 10 Jahre jüngeren, in Frankfurt aufgewachsenen und aus Eriwan stammenden virtuosen Geiger Sergey Khachatryan verbindet, so dass aus dem Dialog der beiden der Programmakzent „Armenian Soul“ entstand. 
feuilletonfrankfurt.de

Besser kann man nicht zusammenspielen (Bezahlartikel)
Ideal abgestimmte Interpretation: Igor Levit und das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Leitung von Daniel Harding begeistern in der Frankfurter Alten Oper.
FrankfurterAllgemeine.net

Wuppertal
Mörderdrama mit Stil
„The Lodger“ von Phyllis Tate feiert an der Oper Wuppertal in einer Inszenierung von Greg Eldridge Premiere. Ein Abend voller spannungsgeladener Musik, der vor allem durch sein Ensemble zu glänzen weiß.
DieDeutscheBuehne.de

„The Lodger“: Packende Umsetzung einer mehr als fragwürdigen Geschichte
omm.de

Graz/Musikverein
Bariton Andrè Schuen im Interview: Gesang als Erfüllung
Interview. Der Südtiroler Bariton Andrè Schuen hat von Graz aus eine Weltkarriere gestartet. Am 22. April gastiert er im Grazer Stefaniensaal.
kleinezeitung.at

Rudis Klassikwelt 8: Konrad Paul Liessmann spricht über Wagners “Tristan und Isolde”
In der Reihe “Apropos Oper” des ORF-Senders Ö1 gestaltet Konrad Paul Liessmann vier Sendungen unter dem Motto “Oper und Philosophie”, jeweils am ersten Sonntag des Monats. Liessmann, Philosoph und Opernliebhaber, bringt den philosophischen Kern der großen Opern zur Sprache, untersucht aber auch den Einfluss der Kunstgattung Oper auf das Denken so mancher großen Philosophen. Was wäre Kierkegaard ohne Mozart, Nietzsche ohne Wagner, Adorno ohne Alban Berg? In der Sendung, die am Ostersonntag ausgestrahlt wurde, erforscht Liessmann die philosophische Basis und Aussage von Wagners “Tristan und Isolde” und spürt der Wirkung nach, die Schopenhauer auf Wagner und dieser wiederum auf Nietzsche ausübte.
Von Dr. Rudi Frühwirth
Klassik-begeistert.de

Lübeck/Musik- und Kongresshalle
Saraste und Dalene überraschen in Lübeck
Interessante Kombinationen von sehr unterschiedlichen Musikstücken können, wie man in der Chemie sagen würde, zu spannungsreichen Reaktionen der Werke miteinander führen. Oder jedes wirkt aus sich heraus, was bei Ausführenden und Publikum eine gewisse Flexibilität voraussetzt. Das Ergebnis kann schlichtweg überraschen, wie beim NDR-Konzert mit Jukka-Pekka Saraste und Johan Dalene am 17. April 2026 in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Leider war die „MuK“ nur zu zwei Dritteln besucht, aber diejenigen, die dort waren, erlebten einen sehr besonderen Abend.
Von Dr. Andreas Ströbl
Klassik-begeistert.de

Giessen/Kongresshalle
Christof Prick zwingt das Schicksal in die Knie
Manche Abende in einem Konzert fühlen sich an wie eine Expedition ins Hochgebirge: Schon am Basislager ahnt man, dass der Sauerstoff knapp werden könnte. Wenn Gustav Mahlers sechste Sinfonie – die „Tragische“ in a-Moll – auf dem Programm steht, rüstet sich das Publikum nicht für ein Konzert, sondern für eine existenzielle Erschütterung.
Von Dirk Schauß
Klassik-begeistert.de

„Sag’s Multi“: Kärntnerin gewinnt Redewettbewerb
Die für Kärnten startende Oleksandra Bratko vom Ingeborg-Bachmann-Gymnasium ist die Siegerin beim „SAG’S MULTI!“-Redewettbewerb 2026. Sie überzeugte im Finale im Wiener Rathaus mit ihrer Rede „Ein Rucksack zwischen zwei Welten“. Die weiteren Plätze gingen an die Finalistin aus Salzburg und den Sieger aus Niederösterreich.
kaernten.orf.at

Links zu englischsprachigen Artikeln

Frankfurt
„Turandot“ – The Masked Singer
concertonet.com

Brescia
Teatro Grande di Brescia Announces 2026 Season
operawire.com

London
English National Opera Names New Chief Executive Officer
operawire.com

Distinguished and thought-provoking Wigmore Hall recital by Pavel Kolesnikov
seenandheard-international.com

Manchester
From autumnal introspection to oceanic majesty: Tarmo Peltokoski
conducts the Hallé

bachtrack.com/de

New York
The Metropolitan Opera Announces Events Leading Up to the Premiere of Gabriela Lena Frank & Nilo Cruz’s ‘El Último Sueño de Frida y Diego’
operawire.com

Boston
Aimard presents a marathon of sturdy, stoic Bach in Boston recital debut
bostonclassicalreview.com

Mälkki and the Jussens Generated Great BSO Excitement
classical-scene.com

Chicago
After a long absence, Kissin returns to CSO with compelling Scriabin rarity
chicagoclassicalreview.com

Ballett / Tanz

Aalto-Ballett Essen
Präzise gesetzte Beziehungen
Mit „Relations“ setzt das Aalto Ballett Essen unter der Doppelspitze Marek Tůma und Armen Hakobyan auf einen abgestimmten dreiteiligen Tanzabend.
DieDeutscheBuehne.de

Augsburg
Rituale im Wandel
Zwei Schlüsselwerke der Moderne als Spiegel der Gegenwart: Das Staatstheater Augsburg verbindet „Les Noces“ und „Le Sacre du printemps“ zu einem Abend über Gemeinschaft und Ritual.
BR-Klassik.de

Sprechtheater

Wien/Burgtheater
Vestibül: Da die Manderln, dort die Weiberln  (Bezahlartikel)
„Zwischenton“ im Burgtheater Vestibül: Vom Ordnen der Gegenstände zum Ordnen der Menschen. Eine Herausforderung.
Kurier.at

Politik

Straße von Hormuz
Iranische Kanonenboote schießen auf Tankschiff
Neue Eskalation im Nahen Osten: Angaben aus Teheran zufolge haben die Mullahs die Straße von Hormuz am Samstagvormittag wieder geschlossen, weil die USA weiterhin iranische Häfen blockieren. Nur wenige Stunden später berichtete die britische Seefahrtbehörde von Schüssen, die von iranischen Kanonenbooten aus auf einen Tanker abgefeuert wurden.
krone.at

Österreich
Stocker kritisiert Trump: „Neutralität kein Sicherheitskonzept“
Wegen der US-Politik müsse sich Österreich auch im Verteidigungsbereich „breiter aufstellen und zusätzliche Kooperationen suchen“, so Stocker.
Kurier.at

Nach Wahl-Sieg – Magyar fordert jetzt EU-Milliarden
Showdown in Budapest: Ungarn verhandelte unter neuer Führung mit der EU über eingefrorene EU-Mittel. Nun meldete sich Magyar zu Wort. Nach dem Wahl-Sieg seiner Tisza-Partei übernimmt Péter Magyar die Führung in Ungarn. Auf seiner Agenda steht die Freigabe von EU-Geldern, die zuvor von Europäischen Kommission wegen Bedenken hinsichtlich Korruption und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn zurückgehalten wurden.
heute.at

Frauen als Spione: „Sie hielten uns für dumm“
An der FH Wien berichteten ehemalige Spioninnen über ihre Zeit im Nachrichtendienst. „Agentin Angelika“ lebt heute als Lilli Pöttrich in Wien und war eine Quelle des DDR-Auslandsnachrichtendienstes in Bonn.
Kurier.at

Sport

Dopingtest verweigert! Aufregung um Tennis-Ass
Die frühere Wimbledonsiegerin Marketa Vondrousova hat einen versäumten Dopingtest mit einer Angststörung begründet. Der Vorfall im vergangenen Dezember habe sich ereignet, „weil ich nach Monaten körperlicher und seelischer Belastung an meine Grenzen gestoßen bin“, schrieb die 26-jährige Tennisspielerin auf Instagram. Die Tschechin, der eine Sperre droht, gibt an, dass ein Doping-Kontrolleur am späten Abend an ihrer Tür geläutet habe, ohne sich ordnungsgemäß auszuweisen.
krone.at

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Unter’m Strich

Österreich
Gusenbauer, Riess & Co: Was die Signa-Aufsichtsräte alles übersehen haben
Altkanzler Alfred Gusenbauer, Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess-Hahn und weitere prominente Aufsichtsräte wie Ex-Raiffeisen-Bank-International-Boss Karl Sevelda hatten die gesetzliche Verpflichtung, die Vorstände im Benko-Reich penibel zu überwachen. Dennoch kam es zu systematischen Gesetzesverstößen.
krone.at

Österreich
Wegen Epstein auf der Flucht. Fergie in Österreich! In diesem Hotel tauchte sie unter
Fergie zog sich in Österreich zurück. Im Luxusresort suchte sie Ruhe, während rund um sie der Druck weiter wächst und Fragen offen bleiben. Sarah „Fergie“ Ferguson ist zurück – und zwar ganz leise. Die 66-Jährige wurde nach vier Monaten erstmals wieder gesichtet, fernab von royalen Terminen ausgerechnet in Österreich.
heute.at

Wien
Polizist rettet Wiener das Leben, dann verklagt er ihn
Kuriose Forderung: Weil sich ein Polizist bei einem Einsatz in Wien-Ottakting die Schulter verletzt hat, soll ein 30-Jähriger nun 10.000 Euro zahlen.
heute.at

Österreich
Rattengift in Babybrei: Weiteres Bundesland betroffen
Nach Burgenland wird auch in Oberösterreich nach vergifteten HiPP-Gläsern gesucht. Laut der bayrischen Polizei wird neben Burgenland nun auch in Oberösterreich nach vergifteter Babynahrung gesucht. Wie der „Spiegel“ berichtet, soll es neue Hinweise geben. Dadurch wird nun die Fahndung in Österreich gleichzeitig in zwei Bundesländer stattfinden.
oe24.at

INFOS DES TAGES (MONTAG, 20. APRIL 2026)

INFOS DES TAGES (MONTAG, 20. APRIL 2026)

Quelle: onlinemerker.com

Staatsoper Unter den Linden Berlin: Der Vorverkauf für die nächste Saison läuft!

Am Samstag, den 18. April 2026, begann der reguläre Vorverkauf für die Saison 2026/27*! Tickets erhalten Sie online auf staatsoper-berlin.de, per Mail unter sowie telefonisch unter 030 – 20 35 45 55 von Mo bis Fr von 10.00 bis 18.00 Uhr und Sa, So, Feiertag von 12.00 bis 16.00 Uhr.

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ZUM VIDEO 

Entdecken Sie ein abwechslungsreiches Programm mit zahlreichen Höhepunkten: Sechs Opernpremieren, Meisterwerke aus vier Jahrhunderten Operngeschichte, eindrucksvolle symphonische und kammermusikalische Konzerte sowie ein buntes Angebot für unser junges Publikum.

Saison 2026/27 entdecken
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Bariton Andrè Schuen im Interview: Gesang als Erfüllung

Interview. Der Südtiroler Bariton Andrè Schuen hat von Graz aus eine Weltkarriere gestartet. Am 22. April gastiert er im Grazer Stefaniensaal.

kleinezeitung.at

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Wien/Staatsoper: TOSCA

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Foto: Klaus Billand

Wien/Staatsoper
Ein traumhafter Wienbesuch geht mit Anna Netrebko als Schlagobershäubchen zu Ende
Die Besetzung der Tosca mit Anna Netrebko deutete natürlich schon darauf hin, dass es ein spektakulärer Abend werden würde. Für meinen Geschmack wurde dieses Gefühl noch übertroffen! Schon im ersten Akt konnte Ivan Gyngazov in der Rolle des Cavaradossi stimmlich alles überstrahlen. Herrlich, wie er seinen tenoralen Glanz makellos schon in seiner ersten Arie einsetzt. Dafür gibt es schon die ersten Bravos. Mit dem Bühnenbild der Kirche Sant’Andrea della Valle kann ich nach intensivem Wien-Kirchen-sightseeing gut leben. Mit der Inszenierung, wenn es denn eine gab, weniger. Insgesamt wurde gern „an der Rampe“ gesungen, was den Sängern natürlich zuträglich war.
Von Iris Röckrath

Klassik-begeistert.de 

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Wiener Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA (19.4.2026). Fotos von Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Foto: Dr. Klaus Billand

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Große Jubiläen werfen ihre Schatten voraus. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans Werner Henze werden Opernhäuser, Orchester und Ensembles auf der ganzen Welt seine Musik spielen. An viele Orten haben sich schwerpunkthaft Aufführungsreihen gebildet. Zudem erscheint neue Literatur über den Komponisten und sein Werk, und sogar ein Podcast wird produziert.

Grund genug also, Sie als Musikliebende und Freunde der Hans Werner Henze-Stiftung auf dem Laufenden zu halten, Ihnen einen Überblick zu verschaffen und das eine oder andere Geheimnis zu lüften.

Henze-Schwerpunkt in Berlin

Bis zu den Sommerferien feiern die Berliner Musikschaffenden den Jubilar mit 8 Konzerten; unter anderem wirken die Berliner Philharmoniker, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das UnitedBerlin Ensemble und das renommierte Klavierduo Grau/Schumacher mit, und internationale Pultstars wie Danier Harding und Vladimir Jurowski werden dirigieren. weiterlesen…

Henze-Schwerpunkt in Köln

Hans Werner Henze pflegte seit dem Ende der 1960er Jahre einer enge Beziehung zu Köln und zum Westdeutschen Rundfunk, So zollt der WDR dem Jubilar am 2. Mai seinen Tribut mit einem Konzert des WDR Sinfonieorchesters. Im Folgemonat wird das Konzert dann auf WDR 3 ausgestrahlt. Bas Wiegers dirgiert außerdem ein Kammerkonzert. weiterlesen…

Dokumentation

Derzeit ist ein Dokumentarfilm über unseren Stifter in Arbeit: Für den WDR und ARTE produziert die Firma Berlin Producers mit dem Regie- und Drehbuchteam Holger Preuße und Philipp Quiring diese Hommage, für die sie Original-Schauplätze wie Gütersloh, Rom oder Montepulciano aufsuchten und Weggefährt:innen und Musizierende in ganz Europa interviewten. Sendedatum: Erstes Halbjahr 2026 weiterlesen…

Einen umfassenden Überblick über die Schwerpunkt-Veranstaltungen im In- und Auslad bekommen Sie hier auf unserer Website.

18.4.2026 / Opéra Royal de Wallonie-Liège: LUCREZIA BORGIA

Viel Feuer in Ferrara

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© ORW-Liège/J. Berger.  Jessica Pratt (Lucrezia), Dmitry Korchak (Gennaro)

1833 wurde Donizettis in österreichischen Breiten nicht allzu häufig gespieltes Melodramma nach Victor Hugos Lucrèce Borgia in Mailand uraufgeführt. Die Zurückhaltung, dieses Meisterwerk des Belcanto auf die Spielpläne zu setzen, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass es für die Besetzung der Titelrolle einer wahren Großmeisterin vokaler Ausdrucksfähigkeit bedarf, die neben präzisester Koloraturfertigkeit auch Attacke und eine große darstellerische Präsenz mitzubringen hat. In Erinnerung geblieben ist aus den letzten Jahren eine konzertante Aufführungsserie mit Edita Gruberova 2010 an der Wiener Staatsoper und eine ebenso konzertante Vorstellung 2017 anlässlich der Salzburger Festspiele mit Krassimira Stoyanova und Juan Diego Flórez unter der Leitung von Marco Armiliato.

Hugos Geschichte geht sehr frei mit der Lebensgeschichte der wirklichen Lucrezia (1480 – 1519) um, die als uneheliche Tochter des späteren Papstes Alexander VI. quasi als „Schachermaterie“ zur Absicherung von Macht und Einfluss in der europäischen Hocharistokratie als Gattin herumgereicht wurde.

Hugo und nach ihm Felice Romani und Donizetti schildern sie als berechnende Giftmischerin und eiskalte Intrigantin, die nur dort weich wird, wo es um ihren Sohn geht, und trotzdem gefangen in den patriachalischen Machtstrukturen nur begrenzt ihren Willen durchzusetzen vermag. Die von ihnen geschilderte Geschichte weist ungewöhnliche Rollenverteilungen auf, geht es um keine tragisch endende klassische Love-Story, sondern um die Liebe der Lucrezia zu ihrem Sohn Gennaro, der sich mit seinen Kumpanen in Hass gegen die Borgia wendet, ohne zu wissen, dass er selbst einer von ihnen und Lucrezia seine Mutter ist. Dies alles unter den eifersüchtigen Augen des Gatten der Lucrezia, Alfonso d’Este, der Gennaro für den jungen Liebhaber seiner Gemahlin hält und für dessen Entfernung er zu sorgen trachtet. Die italienischen Kleinstaaten sind einander in Abneigung und Intrigen verbunden und entfremdet, allerorts wird gekämpft, gemordet, paktiert, aber auch gefeiert: Vor diesem Hintergrund entspinnt sich die tragische Mutter-Sohn-Geschichte: Diese beiden können und dürfen ihre Beziehung nie leben, und das Werk endet mit dem Tod des Sohnes.

Jean-Louis Grinda hat mit seinem Lichtdesigner und Bühnenbilder Laurent Castaingt, seiner Kostümbildnerin Françoise Raybaud und seinem Videokünstler Arnaud Pottier eine italienische Renaissance-Zauberwelt an die Maas gestellt, die wunderschöne Prospekte von Venedig, Ferrara, Madonnenbildnissen und Intriganten zur Schau stellt. In feudaler Ästhetik – das einzige Manko sind die wenig eleganten Zottelperücken von Gennaro und seiner Entourage, die mehr an Shampooengpässe im Italien des 16. Jahrhunderts als an höfische Grandezza gemahnen – setzt Grinda sämtliche Protagonisten zueinander in Beziehung, sodass Leidenschaft, Eifersucht, Freundschaft, Liebe, Ausgelassenheit, aber auch Intrigen ihren Platz bekommen. Es dominieren die Farben schwarz und rot, einzig die Lichtregie hätte ein wenig mehr Scheinwerfer einsetzen können. Im letzten Bild löst sich die Düsternis auf, die Sicht wird klarer, am Bühnenhintergrund wird bei Gennaros Tod eine Pietà sichtbar.

Giampaolo Bisanti, Musikdirektor des Lütticher Opernhauses und auch an der Wiener Staatsoper gern gesehener Gast, fegt mit viel Feuer und Temperament durch die farbenreiche Partitur, nicht ohne in den intimeren Momenten zwischen Mutter und Sohn die Lautstärke zu drosseln und zarten mütterlichen Gefühlen Raum zu geben. Ansonsten erfreut er das Publikum mit viel Dezibel und spannungsgeladenen Momenten. Chor und Orchester des Opernhauses agieren tadellos.

Mit der 46-jährigen Australierin Jessica Pratt hat Liège eine der weltweit erfolgreichsten Belcanto-Sängerinnen engagiert. An der Wiener Staatsoper wird sie demnächst ihre Königin der Nacht präsentieren. Sie verfügt über eine ausgefeilte Technik, feine Koloraturen, dynamische Modulationsfähigkeit aber auch genügend Dramatik, um der Rolle der eiskalten Fürstin stimmlich kongenial gerecht zu werden, die sie insbesondere in den Konfrontationen mit Gatten und Sohn benötigt. Die Stimme ist klar und gläsern, weist keine Honigfacetten auf, prädestiniert, um ihrem berechnenden Begehren Laut zu verleihen. Eine Idealbesetzung, vom Publikum zu Recht heftig akklamiert, auch darstellerisch bleiben keine Wünsche offen.

Ihr Bühnensohn Gennaro, der österreichisch-russische Tenor Dmitry Korchak, steht ihr an Attacke um nichts nach, zündet seinen Stimmband-Ferrari-Turbo und gestaltet somit keinen zart verschüchterten, sondern einen ungestümen jungen Mann, einen Kämpfer für sich und seine Freunde, dessen Temperament den Verstand todesmutig in den Hintergrund rücken lässt, der aber in der ersten Begegnungsszene mit Lucrezia andere als bloß familiäre Gefühle der unbekannten Schönen gegenüber walten lässt. In der Todesstunde lässt er auch filigrane Töne hören.

Der Kroate Marko Mimica, zuletzt als Wurm in der szenisch verunglückten Luisa-Miller-Produktion an der Wiener Staatsoper im Einsatz, vermag als Alfonso mit starkem Bass und unerbittlicher Darstellung zu vermitteln, wer der Chef im Kastell der Este ist. Stimmlich nicht ganz in diesem Phon-Bereich die Kanadierin Julie Boulianne als Gennaros „Bestie“ Maffio Orsini, die einen weichen, aber doch etwas farbenarmen Mezzo zu Gehör bringt. Durchaus geglückt allerdings ihr Trinklied im zweiten Akt. Von der Comprimari ragt der junge Tenor Lorenzo Martelli als Rustighello heraus.

Starke Bilder – starke Stimmen. Eine – nahezu – kongeniale Umsetzung einer wahrhaftigen „Raubersg’schicht“ des italienischen Cinquecento.

Sabine Längle
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Ein Nachruf an Manfred Schmid (von Renate Wagner

 

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Manfred Schmid (4. April 1940 – 6. April 2026)

Mein Freund Dino

Von Renate Wagner

Zuerst kannte ich ihn als Schauspieler. Ein gedrungener kleiner Mann, der auf der Bühne unübersehbar präsent war und unsagbar komisch sein konnte, dies aber nie geradeaus war – Manfred Schmid war herrlich hintergründig. Privat kam er erst in mein Leben, als er nach zahlreichen Hopp On, Hopp Offs in ihrer beider Leben zu meiner Freundin, der Schauspielerin Inge Maux, zurück kehrte. Als die beiden 1996 am Semmering heirateten, durfte ich Trauzeugin sein.

Und wir – Inge und Manfred, mein Mann Heiner und ich – sind viele Male plaudernd zusammen gesessen. Dass wir keine ihrer Premieren versäumt haben, war Ehrensache. Für uns alle war er „Dino“ – Inge hatte den Namen erfunden, sie meinte, er sähe aus wie ein dicker Italiener und müsse eigentlich „Manfredino“ heißen. Dino ist er für uns alle geblieben.

Und weil Manfred immer so wunderbar aus seinem Leben erzählt hat, sagte ich, was Journalisten immer tun: „Aber das musst Du doch aufschreiben!“ Dass es dann mein Job war, seine herrlichen, grenzenlos ausufernden Suaden und Tiraden in Buchform zu bringen, ahnte ich nicht, bis es ernst wurde. Dann aber kam das Buch zustande, das mir nicht nur Manfreds wegen wichtig war, sondern weil es auch Jahrzehnte des Wiener Theaters beleuchtete, die neben „Burg und Oper“ leicht vergessen werden. Doch was sich zu seinen Zeiten im so genannten Keller abgespielt hat –  und Manfred war (bis auf ein paar späte Jahre in der Josefstadt) sozusagen immer „im Keller“, das war großes Theater unter Stella Kadmon, Hans Gratzer, Conny Hannes Meyer, Dieter Haspel. Wenige erinnern sich daran, dabei gehört es unabdingbar zu den Hohen Zeiten des Wiener Theaters.

Manfred, am 4.4.40 geboren, war ein aufgewecktes Kind, das den Zweiten Weltkrieg sehr bewusst erlebt hat. Vielleicht hat er damals schon unbewusst die Kunst der Beobachtung erworben, die für einen Schauspieler so wichtig ist. Ins Reinhardt-Seminar kam er durch Zufall – und in einen legendären Jahrgang hinein. Der spätere  Frauenheld (Erfolg beim weiblichen Geschlecht hat bekanntlich nicht nur mit Schönheit zu tun) bewunderte mit großen Augen Mitschülerin Erika Pluhar, ging in die Knie, als er Marisa Mell in einer Schulaufführung küssen durfte („Zeigen Sie Herrn Schmid, wie man eine Frau anfasst“, wies sein bewunderter Lehrer Hans Jaray einen Assistenten an) und war (leider hoffnungslos) in Heidelinde Weis verliebt…

Zweifellos besonders in seinem Leben waren die beiden Epochen (insgesamt drei Jahre), die er bei den Augustiner Chorherren in Klosterneuburg verbracht hat. So sehr es ihm dort gefiel, der Ruf des Theaters war stärker. Er vazierte durch alle „Kleinbühnen“, die künstlerisch alles andere als klein waren, wurde der „Star“ der Kleinen Komödie in der Walfischgasse, und man setzte ihn immer wieder in prägnanten Nebenrollen im Fernsehen und in Filmen ein.

Seine Spezialität – wie auch die seiner Frau Inge Maux – war das Jüdische. Obwohl beider Eltern „tadellose“ Ahnenpässe aufweisen konnten, waren Manfred und Inge optisch und mentalitätsmäßig den Juden so nahe, wie man es nur sein konnte – keine sang jüdische Lieder schöner als sie, keiner erzählte jüdische Witze besser als er. Und beide verkörperten tragische Judenschicksale, die durch die Haut gingen.
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Manfred in dem Haus in Artstetten, das sein Vater, ein Architekt, gebaut hat. Seinen letzten Geburtstag, den 86., feierte er im Kreis seiner Familie. Zwei Tage später ist er im Spital gestorben. „Er sah erleichtert aus“, sagt Inge Maux, als sie ihn noch einmal sah. Nun wird seine Urne in seinem Garten in Artstetten in vertrauter Umgebung ihren Platz finden.

Details zu dem Leben von Manfred Schmid gibt es in dem Interview, das vor fünf Jahren anlässlich des Erscheinen seines Buches im Online Merker veröffentlicht wurde:

https://onlinemerker.com/manfred-schmid-schauspieler-moench-und-jude-vom-dienst/

Manfred Schmid:
SCHAUSPIELER,
MÖNCH
und JUDE VOM DIENST 

Der Wiener Schauspieler Manfred Schmid hat seine Memoiren veröffentlicht und dabei gleich zwei Titel gebraucht: „Nichts ist heilig“ und „Gebt dem Affen Zucker“. Er blickt auf ein reiches, mehr als 80jähriges Leben zurück. Nicht nur, dass er ein Stück Wiener Theatergeschichte mit erfahren, darin „mitgespielt“ hat, er hat vieles zu berichten – von einer Kindheit, die den Zweiten Weltkrieg noch bewusst erlebt hat, von dem damals noch legendären Reinhardt-Seminar, von seinen Jahren als Augustiner Chorherr im Stift Klosterneuburg. Im übrigen liest man über Theater aller Art, große und kleine Bühnen, über die einst legendäre Wiener „Szene“, Tourneen an der Seite von Stars wie O. W. Fischer, Film und Fernsehen. Und da ist noch seine Spezialität, nämlich viele Jahre lang „der Jude vom Dienst“ gewesen zu sein.

Mit Manfred Schmid sprach Renate Wagner

Lieber Manfred, ich sage es gleich, wir wollen niemandem etwas vormachen: Ich bin zum Teil schuld daran, dass Du Deine Memoiren geschrieben hast – beziehungsweise erzählt, auf meine leichtsinnige Aufforderung „Mach doch ein Buch daraus!“ Und in der Folge kam die Arbeit, Deine stunden-, tage- und wochenlangen Erzählungen niederzuschreiben und in Buchform zu bringen, auf mich. Macht nichts, ist habe es gerne getan, ich bin froh, dass das Buch da ist, vor allem, weil es ein Stück Wiener Theatergeschichte festhält, mit vielen Namen, die heute schon vergessen sind.

Das war mir auch ein Anliegen. Natürlich habe ich auch über das Theater hinaus viel erlebt und viel zu erzählen. Aber wenn man einmal so alt ist wie ich, sind nicht nur viele weggestorben, sondern auch einfach vergessen. Und waren doch einst so wichtig und lebendig – wie viele, außer denen, die mit ihm gespielt haben, wissen noch, wer der großartige Toni Böhm war? Und da ich mir das Motto von Stéphane Mallarmé zu eigen gemacht habe, „Der Endzweck der Welt ist ein Buch“, halte ich auch im digitalen Zeitalter ein Buch für den geeigneten Ort, Erinnerungen zu bewahren.

Erinnerungen auch an etwas, was heute kaum noch ein Mensch weiß: Wie es beispielsweise war, im Zweiten Weltkrieg ein Kind zu sein.

Ich bin am 4.4.1940 geboren, ein originelles Datum, das bedeutet allerdings, dass meine Eltern noch im Frieden beschlossen, sich zu vermehren, und dass Krieg war, als ich geboren wurde. Ich war schon seit meinen frühesten Jahren ein wacher Beobachter – das muss man übrigens sein, wenn man Schauspieler sein will –, und habe gemerkt, an wie viel aus dieser Zeit ich mich noch erinnere. Dass nach einem Bombenangriff plötzlich ein Haus entzwei gerissen war – und da stand wie ein Puppenhaus, in das man hineinblicken kann. Wie die amerikanischen Bomber über uns flogen und ich sie in kindlicher Naivität lieber ansah, statt mich zu fürchten und zu verstecken. Und später, als die Amerikaner dann da waren, mit welcher Windeseile die Nazis in Bauerngewänder schlüpften und schlechtweg verschwanden, während ihre Uniformen unter den diversen Misthaufen vergraben wurden…

Du warst mit Mutter, Vater und Großmutter jahrelang auf der Flucht aus Wien, später seid ihr zurück gekommen, und Du hast den „ideologischen“ Umbruch in den fünfziger Jahren sehr genau beobachtet.

Ja, natürlich, die Nazis waren dann noch überall, in der Volksschule, im Gymnasium Stubenbastei und auch im Reinhardt-Seminar, vor allem als Lehrer. Meine Mutter hatte für einen jüdischen Korbwarenhändler, den Herr Schwarz, bis zur letzten Minute treu gearbeitet, sie hat die Nazi-Pest von uns fern gehalten, während mein Vater ein wenig ein Wendehals war – ob rot, ob braun, ob schwarz galt ihm gleich, wie vielen Österreichern übrigens, er wollte gewissermaßen ideologiefrei seine Arbeit als Architekt  tun, und wenn er sich dafür mit Parteien einlassen musste, tat er es. Ich habe später für sehr „linke“ Theater gearbeitet, die Komödianten des Conny Hannes Meyer, das Jura Soyfer-Theater von Georg Mittendrein, aber das war für mich kein Problem, das war eine Form des Theatermachens und keine persönliche Überzeugung. Begleitet hat mich mein Leben lang nur die Affinität zum Judentum.

Dein in vielen Dingen so geschickter Vater verdient aber doch noch eine ausführlichere Erinnerung.

Ja, der Architekt Anton Schmid hat mich sehr geprägt, hatte mich lange Jahre fest im Griff, so dass ich heute glaube, dass ich vielleicht zum Teil auch Mönch geworden bin, um ihm zu entfliehen… Aber ich verdanke ihm natürlich auch viel. Er war ein bedeutender Kunstsammler, Fachmann für Aquarelle und Handzeichnungen, zu uns kam nicht nur Rudolf Leopold, um zu kaufen, sondern da stand eines Tages auch der „Lederer Bub“ bei uns im Wohnzimmer, den Egon Schiele einst gemalt hat – er war ein erwachsener Mann, ich ein Bub, aber ich erinnere mich genau. Die Haupttätigkeit meines Vaters war die eines Ausstatters beim Film, da war vor und nach dem Krieg viel zu tun. Ich kam früh in Ateliers und sah mir die Schauspieler aus der Nähe an. Oskar Sima blickte auf mich Buben herab und sagte: „Du könntest mein Nachfolger werden.“ Später hat man mich zum Nachfolger von Fritz Muliar oder Otto Schenk erklärt, weil die Presse mit solchen Zuschreibungen ja immer schnell bei der Hand ist, aber um eine medial „große“ Karriere zu machen, fehlten mir entscheidende Fähigkeiten: Ellbogen  und Netzwerken.

Wieso bist Du eigentlich Schauspieler geworden?

Das war nie mein Plan. Ich war zwar immer das, was man einen „Pausenclown“ nennt, und im Gymnasium trat ich in der Schülervorstellung mit meinem damals besten Freund Karlheinz Roschitz – heute der Kronen Zeitung-Kritiker –  im „Zerbrochenen Krug“ auf, ich als Adam, er als Walter, aber ich hatte keine Zukunftsvorstellungen als Schauspieler. Es klingt wie eine dieser erfundenen Drehbuch-Episoden, aber tatsächlich war es so, dass ich einen Freund zur Aufnahmsprüfung ins Reinhardt-Seminar begleitet hatte, und weil ich mit ihm alle Rollen studiert hatte, machte ich halt auch mit. Und wurde genommen. Mein Schicksal war besiegelt. Und Jahre des Glücks folgten – ich durfte Marisa Mell küssen, ich war in Heidelinde Weis verliebt, so schöne Mädchen wie Erika Pluhar waren da… was wünscht man sich als Achtzehnjähriger mehr! Und Lehrer wie Helene Thimig, Vilma Degischer oder vor allem der verehrte Hans Jaray, das war schon großartig.

Nun, immerhin bist Du ins Kloster gegangen…

Ja, tatsächlich ging ich nach dem Seminar-Abschluß zu den Augustiner Chorherren in Klosterneuburg, die damals so dringend Nachwuchs suchten, dass sie auch mich nahmen. Ich war zweimal für einige Zeit dort (zusammen vielleicht drei Jahre), hatte durchaus meine spirituelle Phase, und es lebte sich dort vorzüglich, das Essen war sehr gut (immer wichtig in meinem Leben), ich durfte studieren und es gab eine herrliche Bibliothek… aber draußen lockte das Theater. und da waren die Freunde, die mich immer wieder auf den „rechten Weg“ zurück bringen wollten, und so landete ich eben doch dort, wo ich hin gehörte, im Theater.

Und das war ein bunter Weg durch eine „Szene“, die damals weit wichtiger und auch beachteter war für das Wiener Theaterleben als heute, wie mir scheint.

Ja, es waren einfach so viele große Persönlichkeiten in den „Kellern“, die neben Burgtheater, Josefstadt und Volkstheater das Wiener Theaterleben prägten, unser aller „Mutter“ Stella Kadmon, Hans Gratzer, Conny Hannes Meyer, Dieter Haspel, Georg Mittendrein, tolle Kollegen – man ahnt ja nicht mehr, was sich damals in den „Kellern“ tummelte – , irre Erfahrungen. Und ich denke auch sehr gerne an meine  „Komödien“-Jahre bei Helmut Siderits in der Kleinen Komödie in der Walfischgasse zurück. Komödie spielen ist genußvolle Schwerarbeit, wie jeder Schauspieler weiß.

Es fällt auf, dass Du in Deinem Buch nicht, wie man es immer wieder bemerkt, alles beschönigst, sondern mit erfrischender Ehrlichkeit offen sagst, wenn etwas für Dich schief lief…

Man muss verstehen, dass Schauspieler, die noch im Beruf stehen, lieber nichts Böses sagen, das könnte ihnen für die Zukunft schaden. Ich bin über 80, lebe in dem schönen Haus, das mein Vater sich in Artstetten gebaut hat, bin also persönlich weit vom Schuß und brauche von niemandem mehr etwas – warum soll ich nicht die Wahrheit sagen? Etwa, wie schwierig es für mich mit Hans Gratzer war, weil ich seine Entscheidungen nicht kritiklos hinnahm? Oder soll ich leugnen, dass Fritz Muliar mich noch um einige Jahre an der Josefstadt gebracht hat, auf die ich gehofft hatte? Das Theaterleben ist nicht nur eitel Freude, man ist von Anfang an mit Konkurrenz, Neid, Intrigen und Leuten konfrontiert, die einen nicht mögen. Ich war immer froh, wenn ich da durchkommen konnte, ohne mich selbst daran zu beteiligen. Und man hatte ja auch seine glücklichen Momente, privat, meine ich – endlose Gespräche mit dem ungemein klugen Helmut Qualtinger, lange Diskussionen mit Axel Corti über die Habsburger… unvergeßliche Eindrücke eines Lebens.

Du warst zu einer Zeit unterwegs, als viele echte Stars auf Tournee gingen – es muss interessant gewesen sein, Legenden wie O. W. Fischer persönlich zu begegnen.

Ja, O.W. war etwas Besonderes –  er ist übrigens in Klosterneuburg aufgewachsen, wir hatten unter den Chorherren viele gemeinsame Bekannte, das ergab schon eine Gesprächsbasis. Als Schauspieler – wir waren mit Hofmannsthals „Schwierigem“ unterwegs – war er allerdings gewöhnt, mit einigen Manierismen die Bühne total zu dominieren. Ich hatte in einer zweiten Serie die Rolle des Stani übernommen und merkte, dass er sich immer so postierte, dass ich mit dem Rücken zum Publikum stehen musste und meine Pointen verpufften. Was soll ich sagen – das habe ich geändert. Stillschweigend. Und O.W. zog ebenso stillschweigend seine darstellerischen Konsequenzen daraus, nicht mehr der alleinige Herr der Szene zu sein. Und wir haben uns gut verstanden. Ganz wunderbar war die Tournee-Erfahrung mit Rudolf Platte – ein so großer Schauspieler, der so kollegial und großzügig ist, dass er den anderen ihre Pointen nicht nur gönnt, sondern sie darin noch unterstützt, das erlebt man auch nicht alle Tage in diesem Beruf.

Irgendwann muss man zum „Juden vom Dienst“ kommen – wobei vor allem Film- und Fernseh-Caster Dich so besetzt haben?

Ich habe immer jüdisch ausgesehen, meine Mutter auch, obwohl ihre aus Lemberg stammende Mutter keine nachweislichen jüdischen Ahnen hatte, aber wer weiß das schließlich? „So jüdisch wie Sie möcht’ ich einmal ausschauen“, hat Fritz Muliar gesagt, als er in den Kammerspielen den Papst spielte und ich den Rabbi. Aber im Grunde ist es eine Sache der Mentalität und der Affinität. Wenn man nun Juden spielt, wie ich es oft getan habe, stellt sich natürlich die Frage, wie klischiert ein gewisser Singsang der Sprache und eher exzessives Mitspielen der Hände sein mag. Aber das sind Dinge, die auf Beobachtungen beruhen, in keiner Weise diskriminierend verstanden werden sollen, sondern als Eigenart – dass das Publikum dergleichen gerne sieht und darüber lacht, habe ich nie für einen Fehler erachtet. Ich habe viele Rollen „als Jude“ bekommen, viele aber auch nicht. Als man zu Beginn der Serie „Kommissar Rex“ einen Schauspieler suchte, der gewissermaßen dazu da war, die Schönheit des Hauptdarstellers Tobias Moretti durch Kontrast zu unterstreichen, hörte ich, wie die Caster sagten: „Nein, den nehmen wir nicht, der schaut so jüdisch aus.“ Die Rolle ging dann an Karl Markovics. Ich war immer froh und dankbar, wenn ich Juden spielen durfte – oder jüdische Witze erzählen. Weil diese auch so viel über die Mentalität des Volkes aussagen. Wenn die Sintflut in drei Tagen kommt, was tun Katholiken oder Protestanten? Sie beten oder blättern in der Bibel. Der Rabbi gibt den Befehl aus: Wir haben genau drei Tage Zeit, um uns auf das Leben unter Wasser vorzubereiten… Ist das nicht ein geniales Beispiel für die geplagte und blitzgscheite  jüdische Mentalität?

Zum Abschluss müssen wir noch Deinen Lebensmenschen erwähnen, Deine Frau Inge Maux, die an dem Buch auch so eifrig mitgearbeitet hat.

Ich kenne Inge, seit sie als 18jähriges ganz schmales, androgynes Mädchen im Theater der Jugend auftauchte, wo ich damals gespielt habe. „Ingeborg Wöchtl“ hieß sie, und ich habe ihr gesagt, mit dem Namen macht man keine Karriere. Als Inge Maux ist ihr das mühelos gelungen. Sie ist wahrscheinlich so „arisch“ wie ich und auf der Bühne so perfekt jüdisch, wie man es sich nur wünschen kann, niemand singt die jiddischen  „Liederlachs“ schöner… Sie hat nicht nur viele Jahre Theater gespielt, sondern war vor allem in der letzten Zeit viel im Fernsehen gefragt und auch immer wieder in Filmen von Ulrich Seidl dabei  – ich muss die ja nicht mögen, für sie sind sie ein Riesenerfolg. Wenn sie daheim ist – gar nicht so oft, weil sie immer wieder zu Dreharbeiten ausschwärmt – , leben wir mit ihren Hunden in unserem Haus in Artstetten, ich freue mich an ihren Erfolgen, und jetzt, wo das Schreiben meines eigenen Buches geschafft ist, widme ich mich wieder meiner großen Leidenschaft, dem Lesen.

Manfred, ad multos annos, und möge Dein Buch nicht nur in Wiener Theaterkreisen Erfolg haben!

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KÖLN: Feierliche Segnung des Helena-Fensters im Kölner Dom

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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Das Helena-Fenster. Foto: Andrea Matzker

Der Obergaden, oder auch Lichtgau oder Lichtgaden genannt, des Kölner Doms ist die oberste, fensterreiche Wandzone des Mittelschiffs und des Chores, die direkt unter dem Gewölbe liegt. Er dient primär der Belichtung des Innenraums und beherbergt bedeutende gotische Glasmalereien, die das Licht mystisch einfärben. Er bildet den oberen Abschluss der Wände im Hochchor und im Langhaus. Durch diese großen Fensterflächen, die im gotischen Stil gehalten sind, wird das Tageslicht in die Kathedrale geleitet. Sie sind essenziell für die Wirkung des gotischen Raumes, da sie den Dom „im Himmelslicht der Himmelsstadt“ erstrahlen lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Obergaden schwer beschädigt und in den Nachkriegsjahren aufwendig restauriert. So auch das Helena-Fenster, dessen sich die 200 Jahre alte Kölner Firma Klosterfrau angenommen hat und somit zur Patin desselben geworden ist.

Am 14. April 2026 segnete Domprobst Monsignore Guido Assmann das Helena-Fenster feierlich ein. Mit dieser Segnung findet ein Projekt seinen festlichen Abschluss, das gleichermaßen die kulturelle Bedeutung des Kölner Domes, die herausragende Expertise der Dombauhütte und das bürgerschaftliche Engagement eines traditionsreichen Kölner Unternehmens sichtbar macht. Domprobst Monsignore Guido Assmann: „Die heilige Helena, Mutter Konstantins des Großen, soll der Legende nach die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Orient aufgefunden und nach Konstantinopel gebracht haben. Über Mailand gelangten sie nach Köln, wo sie bis heute im Dreikönigenschrein unseres Domes ruhen. Die heilige Helena ist von enormer Bedeutung für unsere Domkirche – und es ist eine große Freude, dass sie gemeinsam mit der heiligen Monika, der heiligen Elisabeth und der heiligen Mathilde nun wieder das rekonstruierte und nach ihr benannte Helena-Fenster im Südquerhaus ziert. Der Dank des Domkapitels gilt vor allem den Glasmalern und Kunstglasern unserer Dombauhütte, die diese Rekonstruktion durch die Kombination traditioneller Handwerkskunst und den Einsatz neuer Technologien in beeindruckender Weise realisiert haben. Schließlich danken wir der Klosterfrau Group für deren großzügige finanzielle Unterstützung und dem Zentral-Dombau-Verein für das Begleiten dieser dankenswerten Verbindung.“

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Die Heilige Helena mit Sankt Gereon. Foto: Andrea Matzker

Flavia Iulia Helena lebte vermutlich von ca. 250 bis ca. 330 und war die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, der sie zur Augusta ernannte.  In der katholischen und orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt. Sie führte eine Beziehung mit dem römischen Offizier Constantius Chlorus und brachte zwischen 272 und 280 den gemeinsamen Sohn Konstantin zur Welt. Constantius verließ sie im Jahr 289. Helenas Sohn Konstantin wurde im Jahr 306 zum Augustus bzw. Caesar ernannt. Nach seinem Regierungsantritt holte er seine Mutter im Alter von ungefähr 57 Jahren nach Trier, die bisher ihren Lebensmittelpunkt hauptsächlich in der Nähe von Konstantinopel gehabt hatte. Helena ließ sich taufen. 309 folgte sie ihrem Sohn nach Rom. Nach dem Zeugnis des Bischofs Ambrosius von Mailand reiste Helena um 326 im Alter von vermutlich 76 Jahren nach Palästina. Angeblich spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Suche nach dem Kreuz Christi. Daher wird sie auch im Petersdom mit diesem Attribut dargestellt. Dank ihr wurden Reste des Kreuzes Christi sowie der Ort des Heiligen Grabes gefunden, wie die Legende besagt. Noch heute ruht ein Teil dieses Kreuzes im Petersdom, wo es in der Reliquienkapelle des Heiligen Kreuzes in einem der vier Pfeiler der mächtigen Kuppel über der 1639 vollendeten Helena-Statue des Andrea Bolgi aufbewahrt wird. Helena war Stifterin vieler Kirchenbauten, unter anderem auch des Bonner Münsters. Die Auffindung und Mitnahme der Reliquien der Heiligen Drei Könige werden ihr zugeschrieben. Sie kamen nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Kölner Dom verbracht wurden. Helena wurde beigesetzt im Helena-Mausoleum im Südosten von Rom. Der Sarkophag aus rotem Porphyr, um 340, befindet sich heute im Museo Pio-Clementino der Vatikanischen Museen. Die römisch-katholische Kirche erinnert am 18. August an sie, die evangelische am 21. Mai, und die koptische am 4. Mai. Heute ruhen ihre Reliquien in einer großen Porphyr-Wanne unter einem achteckigen Altaraufbau im linken Querhaus der Kirche Santa Maria in Aracoeli von Rom. Ihr Haupt wird im Trierer Dom als Reliquie verehrt. Sie gilt als Schutzpatronin der Nagelschmiede wegen der Kreuznägel Christi, die sich in Bamberg, Wien und Rom befinden. Außerdem wird ihre Fürbitte gegen Unwetter und Feuersgefahr erfleht. Noch zu ihren Lebzeiten ließ Konstantin die Geburtsstadt seiner Mutter, Drepanon nahe Konstantinopel, in Helenopolis umbenennen. Nach ihr benannt ist auch, neben mehreren weiteren Städten, die im Südatlantik gelegene Insel Sankt Helena.

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Das Klosterfrau-Emblem als Andenken an die Segnung. Dombaumeister Peter Füssenich, Domprobst Monsignore Guido Assmann, Dr. Stefan Koch von Klosterfrau, Professor Dr. Barbara Schock-Werner Präsidentin Zentral-Dombau-Verein. Foto: Andrea Matzker

Neben den bedeutenden Reliquien der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar, die aus Köln eine der bedeutendsten Pilgerstätten machten, hat die heilige Helena noch einen weiteren Meilenstein der Kölner Geschichte ins Leben gerufen und gesetzt. Ihr wird zugeschrieben, an dem Ort des Martyriums des heiligen Gereon (ca. 270 bis 304) und der thebäischen Legion eine erste Gedenkstätte, die Kirche Ad Martyres (volkssprachlich St. Mechtern), errichtet zu haben. Diese befand sich im heutigen Ehrenfeld. Sie wurden dort als frühe Christen hingerichtet, und Helena wollte ihre Verehrung fördern. Der zehneckige Kuppelbau von Sankt Gereon in der Stadt entstand als Ort der Beisetzung der Märtyrer auf einem spätantiken Ovalbau, der in der rheinischen Tradition eng mit dem Wirken der heiligen Helena verbunden wird, weshalb sie auch auf dem nun rekonstruierten Fenster ein Modell der gleichnamigen, berühmten Kölner Kirche Sankt Gereon trägt. In der Kirche selbst steht die heilige Helena als Statue aus Alabaster mit einem Kreuz als Attribut in ihrer Funktion als Förderin des christlichen Glaubens und Finderin des Kreuzes Christi. Die Figur bekrönte ursprünglich den von Jeremias Geisselbrunn entworfenen und 1635 errichteten Hochaltar. Sie dürfte ein eigenhändiges Werk von ihm sein und ist das einzige Teil, das noch von dem Altar übriggeblieben ist.

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Die vier Heiligen mit Baldachinen und Wappenzeile. Foto: Andrea Matzker

Das rund 17 m hohe und 6,5 m breite Helena-Fenster zeigt im unteren Drittel die vier überlebensgroßen Heiligen Helena, Monika, Elisabeth und Mathilde. Benannt ist es nach der heiligen Helena, die links den Reigen als erste anführt. Die Figuren stehen auf Sockeln und sind von Architekturbaldachinen gekrönt. Den unteren Abschluss bildet die Wappenzeile. Deren Neugestaltung greift neben dem bekannten Emblem von Klosterfrau (direkt unter der heiligen Helena) einige Heilpflanzen der Stifterin auf: Alant, Angelika und Pomeranze sind dargestellt. Zudem trägt sie die Inschrift „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ und verweist damit auf Maria Clementine Martin, die Gründerin des Kölner Unternehmens. Neben Ornamenten und Maßwerk mussten auch die Figurendarstellungen völlig neu erarbeitet werden. Grundlagen dazu bildeten die historischen Entwürfe aus dem Dombauarchiv, die von den Glasmalerinnen der Dombauhütte in aufwendiger Detailarbeit in maßstabsgerechte Kartons übertragen wurden. Dabei stellten die Auswahl und die Bearbeitung der Gläser sowie die Entwicklung einer harmonischen Farbwirkung eine besondere Herausforderung dar. Umfangreiche Versuchsreihen mussten durchgeführt werden, um die gewünschte Lichtwirkung zu erzielen, sodass sich das neue Fenster nahtlos in den historischen Bestand des 19. Jahrhunderts einfügt. Das Helena-Fenster ist sehr leicht zu finden, da es sich direkt im Anschluss in einem 90°-Winkel links neben dem Fenster von Gerhard Richter befindet.

Von Andrea Matzker/ Dr. Egon Schlesinger

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