CD/DVD-Besprechung:
Das Ergebnis ist eine vokal glanzvolle, und szenisch zumindest ansprechende Aufführung.
Gaetano Donizetti
Lucia di Lammermoor
Lucia Lisette Oropesa
Edgardo Juan Diego Flórez
Enrico Boris Pinkhasovich
Dirigent Riccardo Chailly
Orchestra and Chorus of Teatro alla Scala
C-major 772504
von Peter Sommeregger
Donizettis beliebteste Oper ist das perfekte Vehikel für eine Koloratursopranistin mit sicherer Höhe und Virtuosität im Vortrag. Mit der Besetzung der Titelrolle steht und fällt eine Aufführung dieser Oper.
Lisette Oropesa entspricht diesen Anforderungen, was ihr vielleicht noch an Rafinesse fehlt, macht sie mit dem Liebreiz ihrer Erscheinung, der Schönheit ihres Timbres, und ihrem engagierten Spiel wett. Man leidet förmlich mit dieser jungen Frau, die zum Opfer einer familiären Intrige, und dadurch zur Mörderin wird und dem Wahnsinn verfällt. Der Erfolg dieses Werkes hatte zahllose weitere Wahnsinnsarien anderer Komponisten zur Folge.
Einen adäquaten Partner hat Oropesa in Juan Diego Flórez als ihrem Liebhaber Edgardo. Der Tenor hat seinem lyrischen Repertoire inzwischen auch Rollen des Spinto-Faches hinzugefügt, seine Stimme ist kerniger und größer geworden, und er harmoniert mit Oropesa perfekt. Das große Duett des ersten Aktes ist eigentlich schon der Höhepunkt der Aufführung.
Boris Pinkhasovich verleiht Lucias intrigantem Bruder Enrico die geforderte Verschlagenheit, sein warm timbrierter Bariton klingt fast zu schön für einen Bösewicht. Als Lucias Vertrauter Raimondo kann Michele Pertusi mit sonorem Bass überzeugen. Ein wenig blass bleibt der Arturo von Tenor Leonardo Cortelazzi in der Opferrolle.
Die Regie von Yannis Kokkos, der auch für die Bühnenbilder und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist unaufdringlich und funktioniert hervorragend. Geschickt wird der Chor bewegt, der eine wichtige dramaturgische Funktion vor allem in der Wahnsinnsszene hat. Kokkos führt die Sänger, seine Personenregie ist überzeugend. Für die großen Soloszenen setzt er eine Treppe ein, das gibt den Protagonisten das ideale Setting. Die Kostüme sind zeitlos, sogar eher zeitgenössisch. Es dominieren die dunklen Farben, was wohl auch dem düsteren Stoff geschuldet ist. Im Bühnenbild ist mehrfach die Skulptur eines mächtigen Hirsches zu sehen, er wird wohl von Jagdhunden gehetzt, hier einen Bezug zum Schicksal Lucias herzustellen, fällt nicht schwer.
Altmeister Riccardo Chailly hält die musikalischen Fäden der Aufführung souverän in der Hand. Den Sängern ist er ein umsichtiger Begleiter, seine Vertrautheit mit dem Chor und Orchester der Mailänder Scala ist in jedem Moment zu spüren.
Das Ergebnis ist eine vokal glanzvolle, und szenisch zumindest ansprechende Aufführung.
Peter Sommeregger, 29. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
CD/DVD-Besprechung: Mozart, L’Enlèvement du Sérail klassik-begeistert.de, 3. Oktober 2025