Georg Nigl und Alexander Gergelyfi  gelingt eine sensationelle „Schöne Müllerin“

Franz Schubert Die schöne Müllerin  Georg Nigl  Bariton  klassik-begeistert.de, 6. August 2026

 

Der Katalog der Einspielungen von Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ ist kaum mehr überschaubar. Nun legt der Bariton Georg Nigl eine neue Aufnahme vor, bei der ihn Alexander Gergelyfi auf einem Tafelklavier begleitet. Nigl wäre nicht Nigl, wenn er dies in traditioneller Interpretation getan hätte, gemeinsam mit dem Pianisten gelingt ihm eine alle Konventionen sprengende Version, die dem Hörer eine Zeitreise in die Entstehungszeit des Zyklus ermöglicht.

Franz Schubert
Die schöne Müllerin

Georg Nigl  Bariton
Alexander Gergelyfi  Tafelklavier

Alpha 1252

von Peter Sommeregger

Das hier verwendete Tafelklavier stammt aus Schuberts Lebenszeit, den modernen Konzertflügel hat der Komponist nicht gekannt, was mit Sicherheit den Stil der Interpretationen beeinflusst hat.

Nigl und Gergelyfi rekonstruieren das Klangbild der Entstehungszeit, in dem die Singstimme dominierte, was hier durch kluge Aufnahmetechnik nachgestellt wird. Dem Tafelklavier fehlt das Volumen der modernen Flügel, dafür verfügt es über ein interessantes Klangfarbenspektrum. Was man hier erlebt, ist eine intime, kammermusikalische Aufführung, die auch feinste Details hören lässt, was hauptsächlich Nigls deutlicher Diktion und dem Farbenreichtum seines Baritons geschuldet ist.

In Alexander Gergelyfi steht ihm allerdings ein kongenialer Mitgestalter zur Verfügung, das Wort „Begleiter“ würde hier zu kurz greifen.

Gerechtigkeit wiederfährt endlich auch dem Textdichter Wilhelm Müller, von dem auch der Text zur „Winterreise“ stammt. Georg Nigl rezitiert Müllers, von Schubert nicht komponierten Prolog und Epilog, sowie drei von Schubert ebenfalls verschmähte Gedichte. Auf einmal gewinnt seine Lyrik an Präsenz und Eigenständigkeit.

Die in der Aufnahme gegebene Dominanz der Singstimme ermöglicht Nigl eine Vertiefung und Farbigkeit der Textgestaltung, die beispielhaft ist. So hat man ein gänzlich neues, nie gehörtes Hörerlebnis, eine „Müllerin“, wie man sie noch nie erlebt hat, und an der sich zukünftige Interpretationen werden messen müssen.

Peter Sommeregger, 6. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Interview: Bariton Georg Nigl klassik-begeistert.de, 14. September 2023

CD-Rezension: ECHO, Georg Nigl, Olga Pashchenko klassik-begeistert.de, 1. September 2023

CD Rezension: VANITAS. Beethoven Schubert Rihm, Georg Nigl, Olga Pashchenko

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