US-Amerikaner Alan Gilbert ab 2019/20 neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters

Alan Gilbert ab 2019/20 neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters,  Elbphilharmonie Hamburg

Foto: Andreas Schmidt (c)
Presse aktuell

Alan Gilbert ab 2019/20 neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters

Der US-Amerikaner Alan Gilbert wird im Sommer 2019 neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Er tritt diese Position in der Spielzeit 2019/20 an und folgt dann Thomas Hengelbrock an der Spitze des Residenzorchesters der Elbphilharmonie nach.

NDR Intendant Lutz Marmor: „Alan Gilbert steht für höchste musikalische Qualität, gepaart mit großem Innovations- und Gestaltungswillen. Wir freuen uns über die Verpflichtung eines Dirigenten mit großem internationalem Renommee. Das NDR Elbphilharmonie Orchester kennt und schätzt Alan Gilbert aus der früheren Zusammenarbeit. Alan Gilbert und Elbphilharmonie – das passt!“

Alan Gilbert: „As I wrap up my time at the New York Philharmonic, very little would have tempted me to take on the challenge of a new position so soon. But the perfect confluence of circumstances seems to have come together with the Elbphilharmonie Orchestra. First of all, this is a group of musicians that I already know so well and love dearly. The musicians and I have shared a very special rapport and musical chemistry for many years. Furthermore, the environment surrounding the orchestra is uniquely exciting: The Elbphilharmonie is the perfect and already iconic physical space in which to play and present music, and the management team, headed by the future management team Achim Dobschall and Sonja Epping of the orchestra and Christoph Lieben-Seutter at the Elbphilharmonie, are the most inspired, ambitious, and forward-looking in the world of music. How rare it is to find a situation in which it is not only possible to imagine pushing the paradigm of orchestras in the 21st century forward, but one in which all constituent groups are demanding that this progress happens. I’m thrilled to have found such a place.” (*deutsche Übersetzung am Textende)

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg: „Mit Alan Gilbert ist es dem NDR gelungen, nicht nur einen großartigen Dirigenten, sondern auch einen hervorragenden Kenner des NDR Elbphilharmonie Orchesters zu verpflichten. Alan Gilbert ist ein Gewinn für die Musikstadt. Ich bin mir sicher, dass er mithelfen wird, Hamburg und die Elbphilharmonie auch international weiter kulturell fest zu verankern.“

Joachim Knuth, NDR Programmdirektor Hörfunk: „Alan Gilbert ist ein genialer Musiker und akribischer Chefdirigent. In seiner erfolgreichen Zeit in New York hat er bewiesen, dass er sich bei allergrößter Konkurrenz mit seinen künstlerischen und programmatischen Impulsen und Ideen durchsetzen kann. Wir haben sehr darum geworben, dass sein Weg nach elf Jahren als Erster Gastdirigent jetzt dauerhafter nach Hamburg führt und freuen uns darüber, dass die Strecke Hamburg – New York für einen Künstler dieser Klasse auch umgekehrt befahrbar ist. Wir als Norddeutscher Rundfunk haben uns diese Besetzung gewünscht, weil sie Großes verspricht – für den NDR und für dieses Konzerthaus.“

Achim Dobschall, Manager des NDR Elbphilharmonie Orchesters: „Wie kaum ein anderer Dirigent unserer Zeit verfügt Alan Gilbert über ein Repertoire, das an Umfang und stilistischer Bandbreite seinesgleichen sucht. Er ist ein großartiger Interpret des sinfonischen Kernrepertoires, hat sich aber genau so durch herausragende Projekte innerhalb der Musik des 20. Jahrhunderts profiliert. Im Rahmen der künftigen Zusammenarbeit werden wir von seiner großen Erfahrung mit internationalen Spitzenorchestern enorm profitieren. Wir sind sehr stolz darauf, Alan Gilbert als Chefdirigent für unser Orchester gewonnen zu haben. Er war nicht nur unser Wunschkandidat, sondern auch der Wunschkandidat des Orchesters für die Nachfolge von Thomas Hengelbrock.“

Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant Elbphilharmonie und Laeiszhalle: „Mit Alan Gilbert als künftigem Chefdirigenten des NDR Elbphilharmonie Orchesters hat der NDR eine ausgezeichnete Wahl getroffen. In seiner Ära beim New York Philharmonic hat er spannende Programme konzipiert und viele tolle Projekte realisiert. Seine Visionen für ein Orchester des 21. Jahrhunderts passen hervorragend zur Elbphilharmonie und ich freue mich darauf mitzuerleben, wie das NDR Elbphilharmonie Orchester unter seiner Ägide das Profil des Hauses mitprägen wird.“

Der NDR hat mit Alan Gilbert, geboren 1967 in New York, einen Vertrag über eine Laufzeit von fünf Jahren vereinbart. Dem NDR Elbphilharmonie Orchester ist Gilbert seit langem eng verbunden: Von 2004 bis 2015 wirkte er dort als Erster Gastdirigent. Von 2009 bis Juni 2017 war er Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra. Mit einem breiten Repertoire vom Barock bis zur Gegenwartsmusik hat sich Gilbert einen Ruf als Interpret von Weltrang erarbeitet. Als Gast ist er bei international führenden Orchestern gefragt, darunter die Berliner Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Gewandhausorchester Leipzig, Cleveland Orchestra, Boston Symphony oder London Symphony Orchestra.

Alan Gilbert ist außerdem der Begründer von „Musicians for Unity“ (https://www.musiciansforunity.org/). Diese Organisation, die von den Vereinten Nationen unterstützt und begleitet wird, vereint Musiker aus aller Welt. „Musicians for Unity“ tritt mit Konzerten ein für Frieden, Menschenrechte und Entwicklung. Mit der Kraft der Musik möchte „Musicians for Unity“ in schwierigen Zeiten Brücken bauen und einen Beitrag leisten zur Verständigung von Menschen und Völkern über alle Grenzen hinweg.

* Alan Gilbert (deutsche Übersetzung): „Gegen Ende meiner Amtszeit bei den New Yorker Philharmonikern gab es nur wenig, was mich gereizt hätte, schon so bald die Herausforderung einer neuen Chefposition anzunehmen. Aber beim NDR Elbphilharmonie Orchester passt alles perfekt zusammen. Zu allererst sind es die Musiker, die ich bereits gut kenne und sehr schätze. Mit ihnen verbindet mich seit Jahren eine enge Beziehung, die musikalische Chemie stimmt einfach. Darüber hinaus sind die Rahmenbedingungen des Ensembles einfach einzigartig: Die Elbphilharmonie ist der perfekte Konzertsaal und bereits jetzt eine Ikone. Und das künftige Management-Team mit Achim Dobschall und Sonja Epping für das Orchester und Christoph Lieben-Seutter für die Elbphilharmonie ist äußerst inspirierend, ambitioniert und zukunftsweisend. Wie selten findet man eine Situation vor, in der es nicht nur möglich ist, die Vision eines Orchesters im 21. Jahrhundert voranzutreiben, sondern in der auch alle Beteiligten gemeinsam diese Entwicklung wollen. Ich bin wirklich begeistert, diesen Platz gefunden zu haben.”

Biografie Alan Gilbert

Im Juni 2017 geht Alan Gilberts international viel beachtete Amtszeit als Music Director des New York Philharmonic Orchestra zu Ende. Neben diesem Engagement in New York ist er ebenso gefragter Gastdirigent der weltweit renommiertesten Orchester. Seit seinem überwältigenden Debüt 2006 kehrt er regelmäßig zu den Berliner Philharmonikern zurück. Mit dem Gewandhausorchester Leipzig sorgte er vor allem 2014/15 – u. a. bei Gastspielen beim Berliner Musikfest, Lucerne Festival und bei den BBC Proms – mit Mahler- und Beethoven-Interpretationen für ein herausragendes Presse-Echo.

Allein in der aktuellen Spielzeit 2016/17 gastierte Gilbert bei den Berliner Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Gewandhausorchester Leipzig, dem Orchester der Lucerne Academy sowie dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. In der jüngeren Vergangenheit stand er zudem am Pult etwa des Cleveland Orchestra, Boston Symphony Orchestra, Philadelphia Orchestra, London Symphony Orchestra, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der Staatskapelle Dresden, Münchner Philharmoniker und des Orchestre Philharmonique de Radio France.

Als Ehrendirigent ist Gilbert bis heute dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra verbunden, dessen Chef er acht Jahre lang war. Auch als Operndirigent tritt Alan Gilbert regelmäßig in Erscheinung. So debütierte er in dieser Saison etwa mit einer neuen Produktion von Gershwins „Porgy and Bess“ an der Mailänder Scala, wohin er 2019 zurückkehren wird. Daneben gastierte er an der Metropolitan Opera New York, Wiener Staatsoper, am Opernhaus Zürich, an der Los Angeles Opera und an der Santa Fe Opera, wo er 2003 erster musikalischer Leiter wurde. 2018 kehrt er an die Königliche Oper Stockholm zurück und debütiert an der Semperoper Dresden mit Schönbergs „Moses und Aron“. Den gelernten Geiger verbindet darüber hinaus eine enge künstlerische Partnerschaft mit Interpreten wie Frank Peter Zimmermann, Lisa Batiashvili, Leonidas Kavakos, Yo-Yo Ma, Emanuel Ax, Renée Fleming und Komponisten wie John Adams, Magnus Lindberg und Esa-Pekka Salonen.

Amtszeit als Chefdirigent des New York Philharmonie

Geboren 1967 als Sohn zweier Musiker, war Alan Gilbert der erste gebürtige New Yorker, der Chefdirigent des New York Philharmonic wurde. In den sieben Jahren seiner Ägide ist es ihm gelungen, den Ruf des Orchesters nochmals auszubauen und dessen führende Bedeutung in der kulturellen Landschaft der USA zu unterstreichen. Gilbert initiierte etwa die Ernennungen eines Composer-in-Residence, Artist-in-Residence und Artist-in-Association. Außerdem leitete er das Orchester in Aufsehen erregenden Bühnenproduktionen von Ligetis „Le Grand Macabre“ oder Janáčeks „Das schlaue Füchslein“. Sein großes Engagement für die Kunst unserer Zeit manifestierte sich in der Errichtung zweier Konzertreihen mit der Schwerpunktsetzung auf zeitgenössischen Werken: „CONTACT!“ etablierte Neue Musik in den regelmäßigen Konzertablauf des Orchesters, und die bislang 2014 und 2016 stattfindende NY Phil Biennal ließ New York während des Festival-Zeitraums zu einer „Hauptstadt der internationalen Szene für zeitgenössische Musik“ (The New York Times) werden.

In einer groß angelegten Abschieds-Tournee durch Europa gastierte Gilbert mit seinem Orchester im vergangenen Frühjahr u. a. in Luxemburg, Düsseldorf, Essen, Budapest, Wien, Kopenhagen und London. Bei seinem umjubelten Debüt in der Elbphilharmonie Hamburg unterstrich er mit Mahlers Vierter jüngst erneut seinen Ruf als einer der herausragenden Mahler-Interpreten unserer Zeit.

Engagement für Völkerverständigung

Seine Amtszeit in New York beschloss Gilbert mit einem von ihm konzipierten „Concert for Unity“: Für eine Interpretation von Mahlers Siebter Sinfonie lud er 25 Musiker aus internationalen Orchestern in die Reihen des New York Philharmonic ein, um die verbindende Kraft der Musik zu feiern. Nach seinem Abschied als Chefdirigent engagiert sich Alan Gilbert weiterhin für Möglichkeiten der Musik als Mittel der Diplomatie – in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen erarbeitet er derzeit das Projekt „Musicians for Unity“.

Ausbildung und Ehrungen

An der Juilliard School in New York, wo Alan Gilbert neben der Harvard University und dem Curtis Institute of Music selbst studierte, hat Alan Gilbert den William Schumann Lehrstuhl inne; er leitet außerdem den Studiengang „Dirigieren und Orchesterstudien“. Zu seinen Auszeichnungen und Ehrungen gehören die Berufung in die American Academy of Arts and Sciences 2014, die Verleihung der Foreign Policy Association Medal sowie die Ernennung zum Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres 2015. Die DVD-Aufzeichnung seines Debüts an der Metropolitan Opera, „Doctor Atomic“ von John Adams, wurde ebenso mit dem Grammy ausgezeichnet wie eine Einspielung mit Renée Fleming und dem Orchestre Philharmonique de Radio France 2013.

Er ist ebenfalls der Begründer der Organisation „Musicians for Unity“ (www.musiciansforunity.org), die mit Unterstützung und Führung der Vereinten Nationen, Musiker aus aller Welt vereint. Und dies zu einer schwierigen Zeit: Mit dem Ziel der Förderung von Frieden, Entwicklung und Menschenrechten sowie die Kraft  der Musik für den Bau von Brücken und die Vereinigung von Völkern / Menschen über alle Grenzen hinweg hochleben zu lassen.

klassik-begeistert.de, 23. Juni 2017

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