Ein um seine Leichtfüßigkeit beraubter Mozart klingt auch in C-Dur merkwürdig düster

Berliner Philharmoniker, Constantinos Carydis,  Philharmonie Berlin, 14. Juni 2019

Foto: © Thomas Brill

Philharmonie Berlin, 14. Juni 2019

Constantinos Carydis Dirigent
Berliner Philharmoniker

Werke von Mozart und Schostakowitsch

von Peter Sommeregger

Der griechische Dirigent Constantinos Carydis ist ein Neuling am Pult der Berliner Philharmoniker, sein Debüt in Berlin fällt ausgerechnet in die Tage einer frühsommerlichen Hitzewelle.

Das Programm aus zwei späten Mozartsymphonien und für Orchester arrangierte Kammermusikwerke von Dmitri Schostakowitsch versprach eine interessante Gegenüberstellung zweier Komponisten, die im Abstand von zweihundert Jahren komponierten. Dass der Abend aber einen insgesamt enttäuschenden Verlauf nahm, kann nicht nur der Gewitterschwüle innerhalb und außerhalb des Saales geschuldet sein.

Schon in der einleitenden Symphonie Nr. 34 von Mozart erlebt man einen ungewohnten Zugang zur Mozart’schen Symphonik. Carydis dirigiert ziemlich eckig, und so klingt es auch. Es will sich keine rechte Linie herstellen und ein um seine Leichtfüßigkeit beraubter Mozart klingt auch in C-Dur merkwürdig düster.

Gespannt war man auf die Kammersymphonie von Schostakowitsch, eine Orchesterfassung des berühmten 8. Streichquartetts, das der Komponist in tiefer Depression schrieb, und das die durchlittenen Seelenqualen in berührender Weise abbildet. Auch hier baut Carydis zu große Gegensätze in den einzelnen Sätzen auf: Während das Largo extrem gedehnt und in kaum hörbarer Lautstärke erklingt, jagt der Dirigent rekordverdächtig schnell durch das Allegro molto. So extrem waren die Kontraste von Schostakowitsch wohl nicht gedacht. Ähnlich ergeht es den zwei kurzen Stücken, die nach der Pause erklingen.

Krönender Abschluss des Konzerts hätte Mozarts Symphonie Nr. 38, die sogenannte „Prager“ sein können, aber in Carydis‘ Mozart steckt einfach zu viel Beethoven. Bei den stilistischen Unterschieden der beiden Komponisten kann das nicht funktionieren. Mozart klingt hier etwas rau, spröde und völlig uncharmant, die Pauken klingen hart und martialisch und auch die etwas breiten Tempi verleihen dem Werk streckenweise eine ungewohnte Schwere. Wann hat man jemals bei dieser Symphonie verstohlen auf die Uhr gesehen?

Am Ende freundlicher, aber extrem kurzer Applaus, nach fünf Minuten ist das Publikum aus der schwül-warmen Philharmonie geflohen.

Peter Sommeregger, 15. Juni 2019, für
klassik-begeistert.de

 

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