Vom Grammophon zum Stream: Herbert Haffners Geschichte der Schallplatte

Buchbesprechung: Herbert Haffner, His Master’s Voice, Wolke Verlag,  Klassik-begeistert.de

Buchbesprechung: Herbert Haffner, His Master’s Voice

Wolke Verlag

von Peter Sommeregger

Der alte Menschheitstraum, Töne, Sprache, Geräusche aufzeichnen zu können, erfüllte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Beginnend mit dem genialen amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison konkurrierten zahlreiche Wissenschaftler, auch Tüftler und Sonderlinge um den besten gangbaren Weg für die Tonaufzeichnung und Wiedergabe zu finden. Auch vor Edison hatte es schon entsprechende Versuche gegeben, die aber letztlich nicht zielführend waren.

Herbert Haffners Buch, das nun in zweiter, stark erweiterter Ausgabe vorliegt, kommt zur rechten Zeit. Für eine heranwachsende Generation von Musikhörern, die Musik heute schon oftmals als Stream körperlos erlebt, ist der in  über hundert Jahren zurückgelegte Weg der technischen Innovationen sicher interessant. Aber auch und gerade als Sammler von Tonträgern der verschiedenen Generationen erfährt man ungemein viel Wissenswertes über den dornigen Weg bis zum perfekten Hörgenuss von Tonaufzeichnungen.Der Deutsche Emil Berliner war es, der 1887 ein Patent für ein Grammophon anmeldete, so gilt der 26. September dieses Jahres als die Geburtsstunde des Grammophons und der Schallplatte. Die Frühzeit dieses neuen Mediums war aber von Rechtsstreitigkeiten um Patente und teilweise harte Konkurrenzkämpfe der konkurrierenden Unternehmen gekennzeichnet. Haffner gelingt es, diese unübersichtliche Phase anschaulich zu schildern.

Ab den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts tritt die Schellackplatte ihren Siegeszug an, die von Edison lange favorisierte Walze bzw. Zylinder unterliegt in diesem Kampf der unterschiedlichen Systeme. Ausführlich geht der Autor auf die Entwicklungsstufen der Tonträger ein, referiert kenntnisreich über Details wie das Material der Tonträger und ihren Vertrieb. Schon mit der Erfindung der Vinyl-Schallplatte Ende der 1940er Jahre beginnt eine neue Ära, mit der Einführung der Stereophonie um 1963 erfolgt ein weiterer Schritt zur Perfektionierung der Tonträger.

Das Tempo neuer Entwicklungen beschleunigt sich, mit der ab 1983 eingeführten Compact Disc, kurz CD genannt, verändert sich der Markt erneut grundlegend. Bis hin zu den komprimierten mp3-Dateien und Streams nimmt uns der Autor mit zu den neuesten, aktuellen Entwicklungen. Sein mit großer Sachkenntnis und spürbarer Liebe zur Materie geschriebenes Buch gibt allen Interessierten einen umfassenden Überblick über die etwa 150-jährige Geschichte der Tonträger.

Was heute beliebig abrufbar ist, wurde erst durch den Erfindergeist eines Edison und Berliner, neben vielen anderen, möglich. Der Blick zurück lohnt in jedem Fall, auch als langjähriger Sammler erfährt man in Haffners Buch interessante Details über die Geschichte der Schallplatte. Jedem Musikfreund sehr zu empfehlen!

Peter Sommeregger, 20. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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