Ein beschwingtes Spätwerk Meyerbeers

CD-Rezension:

Giacomo Meyerbeer
L’Étoile du Nord

Wexford Festival Chorus

National Symphony Orchestra of Ireland
Vladimir Jurowski

NAXOS 8.660498-500

 von Peter Sommeregger

Giacomo Meyerbeer beherrschte in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Opernszene von Paris, hatte speziell mit der von ihm mit erfundenen Gattung der Grand Opéra lang anhaltende Erfolge, die sich auch international niederschlugen.

Als drittletzte seiner Opern entstand 1854 „L’Étoile du Nord“, eine dreiaktige opéra comique. Der Komponist griff dabei auf die zehn Jahre zuvor für Berlin geschriebene Oper „Ein Feldlager in Schlesien“ zurück, und verwendete sechs Nummern daraus für das neue Werk.

Stilistisch findet Meyerbeer dafür zu einem unerwartet jugendlich heiteren Stil, der dem Werk eine beschwingte Heiterkeit verleiht. Die Handlung um den russischen Zaren Peter den Großen erinnert ein wenig an Lortzings „Zar und Zimmermann“. Im Rahmen einer turbulenten Komödie begegnen wir auch der weiblichen Hauptfigur Catherine, die im wirklichen Leben tatsächlich Peters zweite Ehefrau, und nach seinem Tod zur Zarin Katharina wurde. „CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, L’Étoile du Nord
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Goerne und Trifonov verschmelzen zum idealen Künstlerpaar

Die Aufnahmen für diese sehr besondere CD fanden bereits 2018 in Berlin statt. Das Resultat bewegt sich auf einsam hohem künstlerischen Niveau und ist eine der wichtigsten Lieder-CDs der letzten Jahre.

CD-Rezension:

Matthias Goerne – Daniil Trifonov
Lieder

Berg  Schumann  Wolf  Shostakovich  Brahms

DG 486 2452

 von Peter Sommeregger

Auch große Pianisten haben in der Vergangenheit als Liedbegleiter für bedeutende Sänger gespielt, Voraussetzung dafür war aber stets ein deutlicher künstlerischer Gleichklang, eine Seelenverwandtschaft, in der sich zwei Interpreten fanden.

Als jüngstes Beispiel für eine solche Partnerschaft auf Augenhöhe stellt die soeben veröffentlichte, außergewöhnliche Lied-CD Matthias Goernes dar, der keinen Geringeren als den Star-Pianisten Daniil Trifonov als Begleiter gewinnen konnte.

Was aus dieser ungewöhnlichen Partnerschaft entsteht, ist ein Programm von außergewöhnlicher Dichte und Intensität des Ausdrucks. Die Auswahl der Lieder von fünf sehr unterschiedlichen Komponisten ist an sich schon ungewöhnlich, so hören wir von Alban Berg die Vier Gesänge op.2, ein früher, teilweise noch tonal komponierter kleiner Zyklus, der aber bereits die Hinwendung des Komponisten zur Atonalität ahnen lässt.

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Boitos „Nerone“ als blutiges Gemetzel

Blu-ray Rezension:

Arrigo Boito
Nerone

Wiener Symphoniker
Dirk Kaftan, Dirigent

Unitel c major 761304

von Peter Sommeregger

Der italienische Komponist Arrigo Boito hat sich nicht zuletzt als Autor der Libretti zu Verdis letzten Opern „Otello“ und „Falstaff“ einen Namen gemacht. Aber auch als Komponist war er mit seiner Oper „Mefistofele“ erfolgreich, bis heute kann man das Werk auf den Spielplänen finden.

Problematischer ist es um seine nachgelassene Oper „Nerone“ bestellt, von der bei Boitos Tod 1918 nur das Libretto vollständig, im Notentext nur vier der fünf Akte vorlagen. Selbst der vierte Akt war noch nicht vollständig ausgeführt, so dass für die von Arturo Toscanini initiierte Uraufführung an der Mailänder Scala 1924 noch erhebliche Vorarbeit zu leisten war.

Die posthume Erstaufführung ging in prominenter Besetzung über die Bühne, aber mehr als ein Achtungserfolg wollte sich für das Werk bis heute nicht einstellen. Immer wieder gab und gibt es Versuche, das etwas spröde Werk im Repertoire zu etablieren, meist ohne Erfolg. „Blu-ray Rezension: Arrigo Boito, Nerone
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Dieser „Tristan“ kommt dem unerreichbaren Ideal sehr nahe

Blu-ray Rezension:

Richard Wagner
Tristan und Isolde

Staatsopernchor/Staatskapelle Berlin
Daniel Barenboim  Dirigent

Dmitri Tcherniakov,  Regie

BAC 465

 von Peter Sommeregger

Wagner selbst hat einmal vor perfekten Tristan-Aufführungen gewarnt, die Menschen würden sie wohl nicht ertragen und wahnsinnig werden. Eine Ahnung dessen, was Wagner damit gemeint haben könnte, bot die Aufführung in der Staatsoper Unter den Linden 2018, deren Aufzeichnung nun endlich auf DVD und Blu-ray erschienen ist.

Jeder Opernliebhaber, der schon etliche Aufführungen dieses Mammutwerkes erlebt hat, weiß um die Unvollkommenheit der meisten dieser Interpretationen. Oft genug fehlen den Sängern der Titelrollen die stimmlichen Mittel, um sie befriedigend ausführen zu können, manche retten sich in Schreien, oder auch dem Unterschlagen einzelner Töne oder gar Phrasen. „Blu-ray Rezension: Richard Wagner Tristan und Isolde
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Eine neue „Traviata“-Einspielung mit Lisette Oropesa: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

CD-Rezension:

Giuseppe Verdi
La Traviata

Lisette Oropesa
René Barbera
Lester Lynch

Dresdner Philharmonie
Daniel Oren

Pentatone PTC 5186 956

 von Peter Sommeregger

Giuseppe Verdis „La Traviata“ ist eine der am häufigsten gespielten Opern überhaupt. Auch der Katalog der existierenden Einspielungen auf Tonträgern ist umfangreich. So umfangreich, dass man schon gute Gründe braucht, um eine neue Aufnahme zu rechtfertigen. Im aktuellen Fall ist wohl die amerikanisch-kubanische Sopranistin Lisette Oropesa und ihre schnell an Fahrt aufnehmende Karriere ausschlaggebend gewesen.

Die Ära der großen, aufwändig produzierten Studioaufnahmen der 1970er und 80er-Jahre schien endgültig vorbei, aber gerade zeichnet sich eine Rückkehr dazu ab. Um es vorweg zu nehmen: Lisette Oropesa erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen und singt eine technisch perfekte, nuancenreiche Violetta. Ihr zartes, ausgesprochen schönes Timbre prädestiniert sie für die Gestaltung der Kameliendame. Lediglich an den exponierten Stellen klingt die Stimme etwas kehlig. „CD-Rezension: Giuseppe Verdi La Traviata
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Schöne Schwestern singen im Duett

CD-Rezension:

Die neue CD „Brahms, Duets and Romances“

Felicitas und Judith Erb, beide Sopran,
Magnus Dietrich, Tenor
Doriana Tchakarova, Klavier.

Erschienen bei Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, April 2022.

von Dr. Lorenz Kerscher

Die wohlhabenden Bürger des 19. Jahrhunderts sparten nicht an der Bildung ihrer Töchter. Das Ziel war jedoch nicht die finanzielle Unabhängigkeit durch Ausübung eines soliden Berufs, für den man die jungen Frauen von heute qualifizieren möchte. Arbeit war damals etwas für Dienstboten und Mägde, also wollte man den Töchtern den Weg in ein angenehmeres Leben an der Seite eines wohlhabenden Mannes ebnen. Diesen sollte die Frau in jeder Hinsicht zufriedenstellen und dabei nicht nur Geliebte und treusorgende Mutter, sondern auch geistvolle Gesprächspartnerin und charmante Gastgeberin sein. Und da es in dieser Zeit kein Radio gab, was es ideal, wenn sie darüber hinaus noch imstande war, das Haus mit schönen Klängen zu füllen.

Also standen auf dem Heiratsmarkt des Bürgertums die „klavierspielenden Töchter“ besonders hoch im Kurs und der absolute Luxus war, wenn sie dazu auch noch schön singen konnten. Sich mit Schumanns „Frauenliebe und -Leben“ den Gästen als ideale Gattin in spe zu präsentieren, war damals gewiss etliche Stunden intensiven Übens wert! Liedkompositionen, die auf das Amateurniveau der Bürgermädchen ausgerichtet waren, waren in dieser Zeit besonders beliebt und für aufstrebende Komponisten eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Und auch für den besonders glücklichen Fall, dass es in einer Familie gleich zwei singende Töchter gab, sorgte der Einfallsreichtum der Tonschöpfer für reichliches Notenmaterial. „CD-Rezension: „Brahms, Duets and Romances“
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Margarita Höhenrieder lädt ein zu einer Reise in Beethovens Wunderwelt

Diese Box ist ein wertvolles Geschenk an alle Liebhaber Beethovens und virtuosen Klavierspiels!

Foto: Margarita Höhenrieder, (c) Mat Hennek

DVD-Rezension:

Ludwig van Beethoven
The Piano Concertos

Margarita Höhenrieder

Accentus Music 70551

 von Peter Sommeregger

Auf den drei DVDs dieser Box lässt uns die Pianistin Margarita Höhenrieder an ihrer Beschäftigung mit den fünf Klavierkonzerten Beethovens teilnehmen. Diese künstlerische Reise, die in Aufnahmen von 2008 bis 2021 dokumentiert wurde, gibt tiefe Einblicke in das persönliche Credo dieser ausgezeichneten Pianistin, gleichzeitig erfährt man viel über die Werke und deren Entstehungsgeschichte. „DVD-Rezension: Ludwig van Beethoven, The Piano Concertos, Margarita Höhenrieder
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Am Ende siegt die Kunst über die Politik

CD-Rezension:

Tchaikovsky & Glasunov
Violin Concertos

Ivan Pochekin

Russian  National Orchestra
Mikhail Pletnev

Hänssler Profil PH 21052

 von Peter Sommeregger

Ein russischer Solist spielt mit einem russischen Orchester unter einem russischen Dirigenten Werke russischer Komponisten. Unter normalen Umständen könnte man das als Voraussetzung für eine authentische Einspielung ansehen. Die gegenwärtigen Umstände sind aber nicht normal, also hat man doch ein wenig Mühe, sich dieser Aufnahme unvoreingenommen zu widmen.

Am Ende siegt aber doch die Kunst über die Politik, und weder Tchaikovsky noch Glasunov sind in dieser Hinsicht verdächtig. Die beiden hier gekoppelten Konzerte blieben die einzigen Werke für Violine und Orchester beider Komponisten. Zeitlich liegt die Entstehung der Werke weit auseinander, auch in der äußeren Form unterscheiden sie sich deutlich.

Folgt Tschaikovsky, dem seine Landsleute nicht grundlos „Verwestlichung“ vorwarfen, der traditionellen dreisätzigen Form, so greift Glasunow zur ungewöhnlichen zweisätzigen Anlage des Werkes, wobei er die Sätze in sehr ungewöhnlicher Form miteinander verbindet. Sein Stil ist eher tänzerisch bis folkloristisch zu beschreiben und unterscheidet sich damit deutlich von dem Komponisten Tchaikovsky, der noch einer anderen Generation und Schule angehört. „Tchaikovsky & Glasunov, Violin Concertos
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Anspruchsvolle Liedeinspielungen haben heute Seltenheitswert

CD-Rezension:

VOLUPTÉ
Emma Moore
Klara Hornig

Decurio DEC-005

von Peter Sommeregger

Die Auswahl der auf dieser neuen Lieder-CD vertretenen Komponisten ist ungewöhnlich und macht neugierig. Neben Claude Debussys „Cinq Poèmes de Charles Baudelaire“ trifft man auf die selten zu hörenden „Acht Gesänge nach Rainer Maria Rilke“ von Clemens Krauss, dem berühmten Dirigenten. Viktor Ullmanns „Fünf Liebeslieder nach Ricarda Huch“ runden das ambitionierte Programm ab.

Volupté- das steht für Schwelgen, Wonne, Lust und findet sich nach Meinung der Interpretinnen in diesen Liedern. Der impressionistisch-sinnliche Duktus der Baudelaire-Lieder Debussys setzt sich in den Kompositionen von Krauss in etwas spröderer Form fort, Ullmanns Vertonungen der Lyrik Ricarda Huchs erscheinen hier als die am besten geglückte Verbindung von Text und Musik.

Die aus Australien stammende Sopranistin Emma Moore und die deutsche Pianistin Klara Hornig arbeiteten für dieses Album erstmal zusammen. Hornig, die den Zusammenklang von Lyrik und Musik in das Zentrum ihrer pianistischen Interpretation stellt, fand in der bereits mehrfach ausgezeichneten Sopranistin Emma Moore dafür eine kongeniale Partnerin. „CD-Rezension: VOLUPTÉ, Emma Moore, Klara Hornig
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CD-Sammel-Rezensionen

 

CD-Rezension:

The Clarinet Trio Anthology

Daniel Ottensamer, Klarinette
Stephan Koncz, Violoncello
Christoph Traxler, Klavier

DECCA/Universal Music Nr. 00028948573752

von Herbert Hiess

Die erste CD-Präsentation macht es einem sehr schwer, die Besprechung richtig zuzuordnen. Denn die großartige Box der Klarinettentrios mit dem Namen „Anthology“ wurde im kärntnerischen Taggenbrunn präsentiert.

Diese Location könnte man auch locker in einem Reisemagazin unterbringen, denn der Kärtner Unternehmer Alfred Riedl hat aus der Ruine nächst St. Veit an der Glan ein echtes Juwel mit einem prachtvollen Konzertsaal geschaffen. Dazu errichtete er ein wunderschönes Hotel unterhalb der Burg; umgeben von großartigen Weingärten mit einem ebensolchen Wein. Dazu muss man sagen, dass Kärnten absolut keine „typische“ Weinregion ist.

Also in dem wunderschönen Konzertsaal fand das Konzert mit CD-Präsentation statt. Daniel Ottensamer ist ein würdiger Nachfolger seines zu früh verstorbenen Vaters Ernst Ottensamer (Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker). Daniel selbst ist auch Soloklarinettist des Wiener Meisterorchesters, während sein Bruder Andreas die gleiche Rolle bei den Berliner Philharmonikern hat. „CD-Sammel-Rezensionen
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