Harnoncourts krönender Abschluss Teil 3: "Così fan tutte" – Reines Mozartglück

DVD-Rezension: W.A. Mozart, „Così fan tutte“, Nikolaus Harnoncourt

DVD-Rezension: W.A. Mozart, „Così fan tutte“

Concentus Musicus Wien
Arnold Schönberg Chor
Nikolaus Harnoncourt

Unitel 804 108

von Peter Sommeregger

Mit einem Da Ponte-Zyklus wollte Nikolaus Harnoncourt 2014 noch einmal die Quintessenz seiner Mozart-Interpretationen dem Publikum im Theater an der Wien präsentieren. Mit „Così fan tutte“ liegt nun auch der dritte und letzte Teil dieses Zyklus auf DVD vor. Auch in diesem Fall ist eine fast einstündige Dokumentation über die Probenarbeit enthalten, die viel über die akribische Arbeit Harnoncourts mit seinen Interpreten verrät. Bei aller Strenge im Detail besticht die kollegiale Atmosphäre, die der Maestro in seinem eigenen Haus erzeugt. Es entsteht der Eindruck, hier würde mit Freunden musiziert. Harnoncourts Detailwissen ist nicht nur für die Sänger interessant, auch als Zuschauer erfährt man viel über die Hintergründe des jeweiligen Werkes.

„Così fan tutte“ ist die letzte der drei Opern Mozarts nach Libretti von Lorenzo Da Ponte. Diese scheinbar leichtfüßige Komödie sieht den Komponisten am Höhepunkt seines Könnens, vor allem seiner Fähigkeit, Charaktere musikalisch zu charakterisieren. Das Verwirrspiel um die Erprobung der Treue gerät zu einem Lehrstück über Liebe, Eifersucht, Betrug- und Verzeihen. Wieder hat Harnoncourt eine stimmige Besetzung aufgeboten, auffällig ist vor allem der harmonische Zusammenklang der Stimmen, bei den Ensembleszenen Mozarts ungemein wichtig.

Als Spielmacher Don Alfonso erleben wir den sarkastisch agierenden Markus Werba, den Harnoncourt über weite Strecken im Sprechgesang singen lässt, ein ungewöhnliches, aber stimmiges Stilmittel. Sein Pendant ist die durchtriebene Despina von Elisabeth Kulman, meilenweit entfernt vom Klischee eines jungen Kammerkätzchens. Brillant, wie sie als Doktor und Notar ihre Stimme abdunkelt, aber auch in ihren Arien zeigt sie, wie richtig es ist, diese Partie mit einem Mezzosopran zu besetzen.

Für die Rollen der Liebhaber verpflichtete Harnoncourt zwei noch sehr junge Sänger, Mauro Peter als Ferrando und Andrè Schuen als Guillelmo. Beide haben seit diesem Mozart-Zyklus große Karrieren gemacht, was Harnoncourts Instinkt für junge Talente beweist. Mauro Peters Tenor hat genau den richtigen Klang für Mozart, kräftig, viril, dabei aber immer geschmeidig und sehr beweglich. Andrè Schuen bietet einen guten Kontrast, sein kerniger Bariton weist ihn als den raueren Gesellen der beiden Männer aus.

Perfekt gewählt in ihrer Gegensätzlichkeit sind Mari Eriksmoen als Fiordiligi und Katija Dragojevic als Dorabella. Eriksmoen, deren Rolle über die umfangreichere Tessitura der beiden Rollen verfügt, zeigt sich allen stimmlichen Anforderungen der Rolle souverän gewachsen. Sei es die gefürchtete „Felsenarie“, oder die sehr tief liegende Arie „Per pieta“, die Sopranistin scheint mühelos zwischen den Registern zu wechseln. Ihr gelingt die reifste Leistung der Aufführung.

Dragojevic als Dorabella ist ihr in Geläufigkeit der Stimme und souveräner Beherrschung ihrer Partie ebenbürtig. Die beiden Stimmen harmonieren in den Duetten optimal und lassen so reines Mozartglück entstehen.

Harncourts Wunsch, diesen Zyklus 2014 zu realisieren bedeutete für den Dirigenten die letzte Gelegenheit dazu. Nur zwei Jahre später verstarb er, was man angesichts seiner wachen Präsenz während der Proben und Aufnahmen gar nicht glauben will. Man muss sich glücklich schätzen, mit diesen Mitschnitten authentische Dokumente von Harnoncourts Können und Arbeitsweise zu besitzen!

Peter Sommeregger, 20. Juni 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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