Das Intermezzo an der Deutschen Oper ist formidables Regietheater

Intermezzo © Monika Rittershaus

Tobias Kratzers Regie von Richard Strauss’ Intermezzo zeigt, wie kurzweilig die selten gespielte Strauss-Oper sein kann. Sänger, Dirigent und Orchester veredeln den Abend.

Richard Strauss
Intermezzo (1924)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles

Inszenierung: Tobias Kratzer
Ausstattung: Rainer Sellmaier
Video: Jonas Dahl, Janic Bebi

Deutsche Oper Berlin, 13. März 2025

von Arthur Bertelsmann

Als Richard Strauss seine absolut mystische und kaum entschlüsselbare Frau ohne Schatten fertiggestellt hatte, schwebte ihm schon ein neues, völlig gegensätzliches Stück vor.

Eine „völlig realistische Charakterkomödie“ sollte es sein, doch Haus-Librettist Hofmannsthal lehnte ab und so schrieb Strauss das Seifenopern-Stück kurzerhand selbst. „Richard Strauss, Intermezzo (1924)
Deutsche Oper Berlin, 13. März 2025“
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Die Arabella an der Deutschen Oper Berlin ist eine absolute Zumutung

Arabella von Richard Strauss, Regie: Tobias Kratzer, Premiere am 18. März 2023 Deutsche Oper Berlin © Thomas Aurin       

Tobias Kratzers Arabella war der Auftakt seiner Strauss-Trilogie an der Deutschen Oper Berlin. Unterkomplexe Regie und GMD Donald Runnicles machen den Abend – trotz solider Sänger – zur vollkommenen Enttäuschung.

Richard Strauss
Arabella (1933)

Lyrische Komödie in drei Aufzügen
Dichtung von Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung am 1. Juli 1933 in Dresden

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Orchester der Deutschen Oper Berlin

Inszenierung: Tobias Kratzer

Bühnenbild: Rainer Sellmaier
Kostüm: Rainer Sellmaier, Clara Luise Hertel
Video: Manuel Braun, Jonas Dahl

Deutsche Oper Berlin, 7. März 2025

von Arthur Bertelsmann

Wer Fan von Tobias Kratzer ist, kommt in Berlin auf seine Kosten: Vier Inszenierungen des preisgekrönten Regisseurs hat die Deutsche Oper Berlin zu bieten, den nahezu unbekannten Zwerg von Alexander Zemlinsky sowie drei Richard-Strauss-Opern: Intermezzo, Die Frau ohne Schatten und Arabella. „Richard Strauss, Arabella (1933)
Deutsche Oper Berlin, 7. März 2025“
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Die Deutsche Oper Berlin verbannt eine Operette und erfindet sie neu

Ab in den Ring! von und mit tutti d*amore, Uraufführung: 28. Februar 2025 Tischlerei der Deutschen Oper Berlin © Eike Walkenhorst

Die Recken von Nibelungen müssen im verarmten Berlin für die Rettung ihres Opernhauses kämpfen.

Harte Elektro-Beats wildern in verträumter Walzerseligkeit.

Wer das alles locker nimmt, hat einen prima Abend!

AB IN DEN RING!

Ein Operetten-Festspiel
ausgedacht und aufgeführt von tutti d*amore
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper Berlin

Basierend auf der Operette

DIE LUSTIGEN NIBELUNGEN
von Oscar Straus (Musik) und Rideamus (Text)

Musikalische Bearbeitung: Felix Stachelhaus
Musikalische Leitung: Elda Laro
Fassung und Inszenierung: Anna Weber; Bühne, Kostüme: Stella Lennert

Deutsche Oper Berlin, Tischlerei, 28. Februar 2025, Premiere

von Ralf Krüger

Dieser Ring der Nibelungen beginnt nicht am Vorabend, sondern am Morgen. Das Publikum, das durch die Hinterpforte die Deutsche Oper betritt und im Treppenhaus fröstelnd zwischen Garderobe und Tischlerei auf Einlass wartet, wird kurzerhand zu Mitarbeitern des Hauses erklärt. Einer Flugblattaktion gleich werden ihm Noten und Text der Morgenandacht verteilt. „Ab in den Ring!
Deutsche Oper Berlin, Tischlerei, 28. Februar 2025, Premiere“
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„Frau ohne Schatten“ – aus bedrückender Finsternis geht strahlende Menschlichkeit hervor

„Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss, Regie: Tobias Kratzer, Premiere am 26. Januar 2025 Deutsche Oper Berlin © Thomas Aurin

„Sie sehen aus, als kämen Sie aus Teneriffa!“ sagt meine Pausennachbarin, als ich aufgewühlt aus dem Saal an den Tisch komme:

Bei Bedarf lässt sich also durch einen Opernbesuch auch ein Sonnenbrand simulieren. Dabei führt Richard Strauss’ „Frau ohne Schatten“ erst ganz am Ende aus bedrückender Finsternis in strahlende Menschlichkeit.

Richard Strauss
Die Frau ohne Schatten
Oper in drei Akten (1919)

Musik von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne, Kostüme: Rainer Sellmaier
Licht: Olaf Winter
Video: Jonas Dahl, Manuel Braun, Janis Bebi

Deutsche Oper Berlin, 30. Januar 2025

von Sandra Grohmann

Erst nachdem ihr Geist- und Menschsein in allen Widersprüchlichkeiten durchdekliniert worden ist, ringt sich die Titelheldin zu ihrem „Ich will nicht“ durch. Das ist die Absage an die Geisterwelt, in der kein Mitgefühl zu Hause ist. Die Frau ohne Schatten will nicht einer anderen Frau den Schatten wegnehmen, um selbst einen zu bekommen. „Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten
Deutsche Oper Berlin, 30. Januar 2025“
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„Die Frau ohne Schatten“ in Berlin: Tobias Kratzer erschlägt die Poesie mit der Brechstange

„Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss, Regie: Tobias Kratzer, Premiere am 26. Januar 2025 Deutsche Oper Berlin © Thomas Aurin

„Wahrlich, es ist angelegt aufs Zertreten des Zarten, und es siegt das Plumpe“ (Färberin, 2. Akt).

Dieses Zitat könnte als Motto über einer jeglicher Poesie und Empathie beraubten Deutung des Strauss-Hofmannsthalschen Meisterwerkes durch Tobias Kratzer stehen.

Richard Strauss
Die Frau ohne Schatten
Oper in drei Akten (1919)

Musik von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal

Regie   Tobias Kratzer
Ausstattung   Rainer Sellmaier
Dirigent   Sir Donald Runnicles

Deutsche Oper Berlin, 26. Januar 2025 Premiere 

von Peter Sommeregger

Bereits wenige Minuten nach dem Heben des Vorhanges ist klar, wohin die Reise geht: statt des Geisterboten erscheint ein Amazon-Zusteller, der Pakete in eine streng durchgestylte Wohnung liefert. Das übersinnliche Element des Stoffes versucht der Regisseur Tobias Kratzer konsequent auszublenden, entzieht damit aber dem Stück seine Glaubwürdigkeit und Poesie. „Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten
Deutsche Oper Berlin, 26. Januar 2025 Premiere “
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Der Spielzeit-Höhepunkt an der Deutschen Oper Berlin: Tobias Kratzer inszeniert „Die Frau ohne Schatten“

„Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss, Regie: Tobias Kratzer, Premiere am 26. Januar 2025 Deutsche Oper Berlin © Thomas Aurin

Mit der Frau ohne Schatten beendet der Regisseur Tobias Kratzer seine Strauss-Trilogie: 2023 Arabella, 2024 Intermezzo und nun, 2025, die so schwer fassbare Frau ohne Schatten. Erneut brilliert Kratzer mit cleveren und lustigen Einfällen. In Kombination mit starken Sängern, einem souveränen Runnicles und dem perfekt abgestimmten Orchester der Deutschen Oper wird der Abend unvergesslich.

Richard Strauss
Die Frau ohne Schatten
Oper in drei Akten (1919)

Musik von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne, Kostüme: Rainer Sellmaier
Licht: Olaf Winter
Video: Jonas Dahl, Manuel Braun, Janis Bebi

Deutsche Oper Berlin, 26. Januar 2025 PREMIERE

 von Arthur Bertelsmann

Die Frau ohne Schatten ist vermutlich die vertrackteste Strauss-Oper – ist dieses Werk doch mehr fantastisches Märchen als dramatisches Theater: sprechende Fische und ein Wahrheitsbrunnen tauchen auf, der Boden verschluckt Menschen, ein versteinerter Kaiser und, und, und… „Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten
Deutsche Oper Berlin, 26. Januar PREMIERE“
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Macbeth mäandert zwischen Machtgier und Hexenwahn

Macbeth/Burdenko, Moore © Eike Walkenhorst

In Zeiten wie den unseren zeigt sich zwanglos, wie zeitlos Oper ist. Weil sie die ganz großen Themen behandelt. Die Themen, die uns heute – leider wieder verstärkt – bewegen. Für fast alle Verdi-Opern lässt sich das so sagen, und ganz sicher für den Macbeth.

PREMIERE

Giuseppe Verdi, Macbeth

Libretto von Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach William Shakespeare

Pariser Fassung von 1865

Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Enrique Mazzola
Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines

Regie und Video: Marie-Ève Signeyrole
Bühne: Fabien Teigné
Kostüme: Yashi

Macbeth  Roman Burdenko
Lady Macbeth  Felicia Moore
Banquo  Marko Mimica
Kammerfrau der Lady  Nina Solodovnikova
Macduff  Attilio Glaser
Malcolm  Thomas Cilluffo

 Deutsche Oper Berlin, 23. November 2024, Premiere


von
Sandra Grohmann

Dietmar Schwarz bemerkt bei der Premierenfeier, sicher nicht zum ersten Mal, dass Buh-Rufe mittlerweile als Qualitätsmerkmal gelten können. Wenn das so ist, dann muss es nachdenklich stimmen, dass mein Sitznachbar und ich weder diese Buhrufe nachvollziehen können noch besonders begeistert sind von der neuen Inszenierung des Macbeth an der Deutschen Oper Berlin. Macht aber nichts, denn die musikalische Qualität ist vorzüglich.

„Giuseppe Verdi, Macbeth
 Deutsche Oper Berlin, 23. November 2024, Premiere“
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„Macbeth“ an der Deutschen Oper Berlin: Man kann nicht alle Fehler auf einmal machen – aber man kann es versuchen!

Macbeth/Burdenko, Mimica © Eike Walkenhorst

PREMIERE

Giuseppe Verdi
Macbeth

Roman Burdenko  Macbeth
Marko Mimica  Banquo
Felicia Moore  Lady Macbeth
Attilio Glaser  Macduff

Marie-Ève Signeyrole  Regie                        Enrique Mazzola  Musikalische Leitung

Deutsche Oper Berlin, Premiere am 23. November 2024

von Peter Sommeregger

Das Missvergnügen an diesem Abend beginnt bereits beim Lesen des Programmheftes. Die angekündigte Anastasia Bartoli als Lady Macbeth wurde kommentarlos durch Felicia Moore, offensichtlich die Cover-Besetzung, ersetzt. „Giuseppe Verdi, Macbeth
Deutsche Oper Berlin, 23. November 2024 Premiere“
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Die Deutsche Oper Berlin spart am Glamour, lässt die Stimmen glänzen und betont die Notwendigkeit zu helfen

Margot Friedländer © CHLietzmann

Den wärmsten Applaus an diesem Abend erhält Margot Friedländer, die kurz vor ihrem 103. Geburtstag steht, Ehrenbürgerin der Stadt Berlin ist und die Veranstaltung, die früher Aids-Gala hieß, mit ihrer Gegenwart beehrt hat. Es ist ein Zeichen der Zuwendung und der Hoffnung in dem sich abkühlenden gesellschaftlichen Klima: Es braucht nur der Name dieser wundervollen Frau genannt zu werden, damit warmherziger, langer Applaus aufbrandet. Das ist auch das, was die Aids-Hilfe benötigt: Solidarität und Mitgefühl mit den Erkrankten, davon fast die Hälfte Frauen und Kinder, von denen längst nicht alle den erforderlichen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Festliche Opernnacht
für die deutsche AIDS-Stiftung in der
Deutschen Oper Berlin,
2. November 2024

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Daniele Squeo
Chöre: Jeremy Bines

von Sandra Grohmann

Berlin, so hieß es Ende der Neunzigerjahre, habe keine „Gesellschaft“. Gemeint war die Gesellschaft der Arrivierten und Tonangebenden, die von den frechen Berlinern in deutscher Aussprache als „Haute Volaute“ verulkt wurde. „Opernnacht für die deutsche AIDS-Stiftung
Deutsche Oper Berlin, 2. November 2024“
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Respighis „La Fiamma“: An der Bismarckstraße wird gehext

La Fiamma, G. Vasiliev, O. Golovneva © Monika Rittershaus

Ottorino Respighi
La Fiamma

Silvana  Olesya Golovneva
Eudossia  Martina Serafin
Agnese  Doris Soffel
Basilio  Ivan Inverardi
Donello  Georgy Vasiliev

Regie  Christof Loy
Dirigent  Carlo Rizzi

Deutsche Oper Berlin, 29. September 2024, Premiere 

von Peter Sommeregger

Im Jahr 2009 erzielte die Deutsche Oper Berlin mit Ottorino Respighis erst posthum uraufgeführter Oper „Marie-Victoire“ einen respektablen Erfolg. Nun wagte man sich an das letzte vollendete Werk des 1936 verstorbenen Komponisten, „La Fiamma“.

Die Oper spielt im mittelalterlichen Ravenna, zu einer Zeit also, da Frauen oft schon aus nichtigem Anlass der Hexerei verdächtigt wurden, und nach kurzem Prozess auf dem Scheiterhaufen qualvoll endeten. „Ottorino Respighi, La Fiamma
Deutsche Oper Berlin, 29. September 2024, Premiere “
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