Glyndebourne trotzt der Covid-Krise mit englischem Humor und perfekter Organisation

Offenbachs witzige Mini-Oper „In the Market for Love” (Mesdames de La Halle)

Foto: Glyndebourne, Zuschauerraum socially distanced zu 1/4 besetzt vor Beginn der Oper

Glyndebourne, 24. Oktober 2020
Jacques Offenbach, „In the Market for Love” (Mesdames de La Halle) 

von Charles E. Ritterband (Text und Foto)

Es war nicht das magische, sommerliche Glyndebourne, das ich seit Jahrzehnten so sehr schätze: Über Nacht war in England der Winter eingekehrt, es war dunkel, schüttete herunter, was es nur konnte, orkanartige Herbststürme haben die Blätter von den Bäumen gefegt im herrlichen Park, wo jeweils in den Pausen der Opernaufführungen in „Black Tie“ und langen Abendkleidern auf der Wiese neben weidenden Schafen und Kühnen die eleganten Picnics zelebriert werden und Butler den Champagner kredenzen. Jetzt hingegen wachten ältere Damen mit Argusaugen und Gesichtsmasken alle paar Meter peinlich genau auf die Einhaltung der Covid-Regeln, selbst die Autos auf dem Besucherparkplatz parkten „socially distanced“; das großartige, 1994 eröffnete neue Glyndebourne-Opernhaus mit 1200 Sitzplätzen bot jetzt nur noch 350 Plätze mit gebührendem Abstand – und statt der zeremoniellen, langen Pausen, die ja jeweils eine der Hauptattraktionen eines Opernabends in Glyndebourne waren, wurde ohne Pause durchgespielt. „Jacques Offenbach, „In the Market for Love” (Mesdames de La Halle),
Glyndebourne, 24. Oktober 2020“
weiterlesen

Belcanto erster Güte: Ein phänomenaler Rossini in Glyndebourne

Foto: Dr Bartolo (Alessandro Corbelli), Rosina (Hera Hyesang Park) und Count Almaviva (Levy Sekgapane) © Robert Workman

Gioachino Rossini, Il Barbiere di Siviglia
Glyndebourne Festival Opera, 19. Mai 2019

Regie: Annabel Arden
Bühne: Joanna Parker
Musikalische Leitung: Rafael Payare

Figaro: Andrey Zhilikhovsky
Graf Almaviva: Levy Sekgapane
Rosina: Hera Hyesang Park
Dr Bartolo: Alessandro Corbelli
Basilio: Adam Palka

London Philharmonic Orchestra
The Glyndebourne Chorus

von Charles E. Ritterband

Wenn den Engländern – vor allem den vornehmen – nachgesagt wird, sie seien reserviert: Hier waren sie es nicht. Ganz im Gegenteil. Was nach dieser Premiere des „Barbiere“ in Glyndebourne losbrach, war kein Begeisterungssturm – es war ein wahrer Orkan.

Und dies war keineswegs übertrieben: Der junge Südafrikaner Levy Sekgapane ist schlicht der großartigste Rossini-Interpret, ja: der zweifellos großartigste Belcanto-Tenor, den ich je auf einer Bühne bewundern durfte in den vielen Jahrzehnten meiner Opernbesuche in aller Welt. „Gioachino Rossini, Il barbiere di Siviglia,
Glyndebourne Festival Opera, 19. Mai 2019“
weiterlesen

Verteufelt gute Sangeskunst und ein einzigartiges Opernfestival

Foto: © Richard Hubert Smith

Hector Berlioz, La damnation de Faust
Glyndebourne Festival, 18. Mai 2019

Inszenierung: Richard Jones
Bühne: Hyemi Shin
Musikalische Leitung: Robin Ticciati

Marguerite: Julie Boulianne
Faust: Allan Clayton
Méphistophéles: Christopher Purves
Brander: Ashley Riches

The Glyndebourne Chorus
Glyndebourne Youth Opera
Trinity Boys Choir

London Philharmonic Orchestra

von Charles E. Ritterband

Dutzende von kleinen, lustigen, bunt gehörnten Teufeln verfolgen das Schauspiel im Schauspiel von der hohen Tribüne einer rechteckigen Arena herab – unter dem Kommando des Oberteufels Méphistophéles. Die kleinen Teufel sind der Chor – und der Chor spielt ja in diesem spektakulären Werk gleichsam die Hauptrolle. Und sie singen teuflisch gut. „Hector Berlioz, La damnation de Faust,
Glyndebourne Festival, 18. Mai 2019“
weiterlesen