Ain Anger (Hunding), Joachim Bäckström (Siegmund), Irene Roberts (Sieglinde), Miina-Liisa Värelä (Brünnhilde), Nicholas Brownlee (Wotan) & Ekaterina Gubanova (Fricka) (Foto: RW)
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MITTWOCH-PRESSE – 1. JULI 2026
München/Bayerische Staatsoper
Hätten doch alle wie Wotan gesungen
Was man sonst nie erlebt, es gab zu Beginn des dritten Aufzugs Zwischenbeifall. Die Ursache: Eine herabgezogene Leinwand zeigte die prächtig kostümierten Walküren, wie sie zu Pferde die Münchner Residenz verlassen und in der Stadt verunfallte, ertrunkene oder getötete Mitbürger aufsammeln und, später, real auf der Bühne, in das als Leichenhalle dienende Nationaltheater verfrachten. Dort liegen sie zunächst entblößt auf Bahren, werden gewaschen, durch Zauber wiederbelebt und als Krieger ohne eigenen Willen eingekleidet. Doch dazu und weiteren Einfällen des Regisseurs Tobias Kratzer später. Denn zu meinem großen Leidwesen geriet der erste Aufzug zu den gesanglich schwächsten, die ich je erlebt habe. Joachim Bäckströms (Siegmund) Tenor klang eng mit leicht blechigem Timbre, ohne die nötige Farbmodulation. Alles hörte sich an wie gesungenes e oder ä. Die lyrischen Passagen blieben flach, ohne tiefere emotionale Gestaltung und am Ende des ersten Aufzugs beim so blühe denn, Wälsungen-Blut verrutschte noch die Stimme.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de