Otto Wagner Areal Fotos © STADTpsychologie/Jasper Brockmann
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 17. JUNI 2026
Wien
GANYMED öffnet die Wunden des Spiegelgrunds
„Sie starb an einer Lungenentzündung.“ Wer die Geschichte hinter dem Otto-Wagner-Areal kennt, dem zieht es bei diesen Worten die Eingeweide zusammen. Es ist harter Tobak, den Schauspielerin Andrea Eckert in der ehemaligen Pathologie des Otto-Wagner-Spitals auf die Bühne bringt, begleitet von Orgelmusik. Genauer gesagt in der Prosektur, wo man einst die Leichenöffnungen vorgenommen hatte. An der Wand hängt ein riesiges Kreuz, sicherlich sechs Meter hoch, mit Jesus Christus darauf. An diesem Ort wurden bis in die 2000er-Jahre Gehirne aufbewahrt, die während der NS-Herrschaft den Opfern der sogenannten „Kindereuthanasie“ entnommen worden waren. Ein Mahnmal vor dem Jugendstiltheater erinnert an diese ermordeten Kinder und Jugendlichen vom Spiegelgrund, so hieß das Otto-Wagner-Spital von 1940 bis 1945. Es sind 772 Lichtstelen, die nachts dem Gelände eine eigene Mystik verleihen.
Von Jürgen Pathy
Klassik-begeistert.de