Hauters Hauspost (10): Mein Besuch im Impfzentrum

Symbolbild: © whitesession auf Pixabay

„Hier, vor der Behörde, waren wir endlich alle einmal wirklich gleich. Auch der Geschäftsmann, der in edlem Tuch gekleidet aus dem Taxi stieg, musste sich in unsere basisdemokratische Reihe stellen. Da nützte ihm sein aufgeregtes Telefonieren und Gestikulieren nichts. Nein, hier ist niemand wichtiger als der andere. Ein Gefühl des tiefen Vertrauens in unseren Staat machte sich in mir breit.“

von Barbara Hauter

Eigentlich bin ich ja dagegen, immer und in jeder Lebenssituation Musik zu hören. Mit dicken Kopfhörern bewehrt durch die Straßen zu stapfen, ist nicht meins. Die jungen Leute, die mir damit joggend und radfahrend im Englischen Garten begegnen, erscheinen mir aus der Welt gebeamt. Wahrscheinlich liegt genau darin der Sinn der dudelnden Ohrwärmer. Aber nun ist es mir doch tatsächlich passiert, dass ich mich nach so einem Ding gesehnt habe. Ich war auf Besuch in einem völlig neuen Habitat und ich fühlte mich so fremd, dass ich mich gerne mit heimatlichen Klängen getröstet hätte. Aber langsam und von vorn. „Hauters Hauspost (10): Mein Besuch im Impfzentrum“ weiterlesen

Hauters Hauspost 9: Corona macht kreativ

von Barbara Hauter

Foto: Dr. Petra Spelzhaus (Trompete) und Barbara Hauter (Kontrabass) ©

Corona macht kreativ. Heute morgen zum Beispiel kam meine Liebste mit dem Aufweckkaffee zu mir ans Bett, hielt mir die dampfende Tasse unter die Nase und schon strömte, angeregt von den Aromen, ein völlig neues Liedlein aus mir heraus. „Folge dem Duft der Liiieeebä,“ frohlockte ich noch mit geschlossenen Augen, bevor ich überhaupt den ersten Schluck genossen hatte. Text und Melodie – ich schwöre es – waren ganz eigenständig und spontan aus mir heraus entstanden. So viel kreativer Schwung musste gleich genutzt werden. Ich wühlte mich aus der Daunendecke, die Beste aller Lebensgefährtinnen setzte sich an die Bettkante – und schon ging es weiter mit den munteren Einfällen. In wenigen Sätzen konstruierten wir den Plot für unsere nächste Kurzgeschichte. Der geneigte Leser darf gespannt sein. Sie dreht sich – natürlich – um Musik. Beziehungsweise um die nicht gehörten Konzerte dieser Tage. „Hauters Hauspost 9, Corona macht kreativ
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Hauters Hauspost 4: Auf Wunsch meines Herausgebers - die Schlüsselbund-Story

Klassik vom Feinsten: Die 25 meistgelesenen Beiträge auf Klassik begeistert (15) 

3600 Beiträge haben wir als größter Klassik-Blog in Deutschland, Österreich und der Schweiz (google-Ranking) in den vergangenen viereinhalb Jahren veröffentlicht. Jetzt präsentieren wir die 25 meistgelesenen Opern- und Konzertberichte, Interviews, Klassikwelten und Rezensionen – jene Beiträge, die Sie seit Juni 2016 am häufigsten angeklickt haben. Wir wünschen viel Freude beim „Nachblättern“.

15 –Hauters Hauspost 4: die Schlüsselbund-Story

Liebe LeserInnen, bitte lesen Sie diese einfühlsame Geschichte über den Musikunterricht in den 1960er- und 1970er-Jahren in Deutschland. Mir kamen die Tränen, als ich diese Zeilen las. Aber zum Glück gibt Barbara Hauters Hauspost auch einen positiven und hoffnungsvollen Ausblick… AS

von Barbara Hauter (Text und Foto)

Als Corona-Pause diese Woche die Geschichte, wie ein Musiklehrer durch zielgenaue Wurftechnik mit einem halben Kilo Schlüssel zarte Laute aus kindlichen Kehlen locken wollte. Singen war vor einem halben Jahrhundert als Kulturtechnik unter Jugendlichen sehr viel weniger angesagt als heute. Deutschland suchte noch nicht den Superstar, Karaoke war in meinem heimischen Schwabenland als Freizeitbeschäftigung noch nicht angekommen und  Youtube zum Mitsingen gab es nicht.

Klar grölten wir zu der ausgeleierten Kassette eines Radio-Mitschnitts Pink Floyds „Another brick in the wall“ im Partykeller der Eltern mit. Aber das galt unserem gestrengen Musiklehrer nicht als Singen. Das hätte schon mindestens ein Schubert-Lied sein müssen. Doch auch er musste einsehen, dass die komplette Klasse an der „Forelle“ gescheitert wäre. „Klassik vom Feinsten: Die 25 meistgelesenen Beiträge auf Klassik begeistert (15) “ weiterlesen

Hauters Hauspost 8: Meine Liebe zur Musik

Foto: Dr. Petra Spelzhaus (Trompete) und Barbara Hauter (Kontrabass)

von Barbara Hauter

Meine Liebe zur Musik ist eine Tragikomödie.

Warum nur musste ich mir ausgerechnet den Kontrabass als Instrument aussuchen? Ich messe ganze ein Meter sechzig, mein Tieftöner überragt mich um glatte zwanzig Zentimeter. Wenn ich damit zweiwöchentlich quer durch München zu meinem Bassmeister reise, habe ich alle Lacher auf meiner Seite. Ich wuchte mir meinen Attila (so heißt der Gute) auf den Rücken, von hinten sieht man ein blau verpacktes Monstrum und zwei Füßchen – nämlich meine – herausragen. So wanke ich zur Tram.

Zwanzig Minuten dauert die Fahrt zum Hauptbahnhof, so lange kann ich mit Attila auf dem Rücken nicht stehen und die Bremsmanöver der Tramfahrer ausgleichen, der Beste ist keine Blockflöte. Also muss der Bass auf den Boden, blockiert damit eben mal drei Sitzreihen. Als zusätzliche Fitnessübung habe ich auch noch Drops dabei. Meine 13-jährige Havaneserdame. Sie bleibt nicht mehr allein, muss also mit zum Unterricht. Ihre rosa Hundeleine verwickelt sich regelmäßig in den Bass-Stachel und wir drei – Attila, der Hund und ich – drehen uns tanzend im Kreis, um wieder frei zu kommen. „Hauters Hauspost 8: Meine Liebe zur Musik“ weiterlesen

Hauters Hauspost (7): Ein Hochglanzstückchen – Jonas Kaufmann "ganz privat"

Foto: © Indi Herbst (obs/Amazon.de/INDI HERBST)

„Weniger Hochglanz, weniger Inszenierung, mehr Authentizität und es hätte eine tolle Doku werden können. So ist es ein Jonas-Kaufmann-Denkmal auf einem unerreichbar hohen Sockel. Eingefleischte Fans dürfte das aber nicht stören.“

„Jonas Kaufmann – Ein Weltstar ganz privat“: Dokumentarfilm über den preisgekrönten Opernsänger

von Barbara Hauter

Jonas Kaufmann für Gala-Leser: Was Amazon Prime als Dokumentarfilm über Jonas Kaufmann verkauft ist eine klassische Homestory im Hochglanzformat. Angekündigt als Einblick ins Privatleben erwarteten wir tiefgründige Gespräche mit einem der größten Tenöre unserer Zeit. Ein großer vielschichtiger Künstler, der Opernrollen nicht nur grandios singt, sondern sie auch schauspielerisch zum Leben erweckt, im Porträt: Das wäre Stoff für große, emotionale Geschichten. Doch leider, leider präsentiert uns Amazon nur eine glänzend polierte Oberfläche des Sängers. „Hauters Hauspost (7): Ein Hochglanzstückchen – Jonas Kaufmann „ganz privat““ weiterlesen

Hauters Hauspost 6: Der Jazz-Hund und das Gardinen-Design

Foto: Jazz-Hund Drops.

„Im Jazzclub hat Drops ihren Stammplatz, unterm Tisch hinter der ersten Säule rechts. Nur ein einziges Mal hat sie in ein Konzert eingegriffen: Da war ihr das Impro-Battle zwischen einem Trompeter und einem Saxophonisten zu aggressiv. Sie wollte gehen. Ein Wunsch, den wir ihr gerne erfüllt haben. Jazz muss cool klingen, findet der Hund.“

von Barbara Hauter

Drops ist ein musikalischer Hund. Unsere Havanerserdame ist schon 13 und wahrscheinlich hört und sieht sie nicht mehr vollständig. Das erklärt vielleicht, warum sie sich immer begeistert zu uns gesellt, sobald wir die Instrumente auspacken. Kaum kommt der Kontrabass aus seiner gepolsterten Hülle, kuschelt sie sich da hinein und dreht sich entspannt auf den Rücken. Sie erwartet so ihr persönliches Hauskonzert. Und das, obwohl das zweite Instrument eine Trompete ist, ein musikalisches Werkzeug, das Töne in einem Frequenzbereich produziert, das Hunde eigentlich mit Flucht und/oder heftigem Jaulen quittieren. Nicht aber unsere Drops. Ob Klassik, Latin, Jazz-Standards oder Weltmusik – sie bleibt cool und relaxt und vor allem dicht bei uns. Dabei könnte sie problemlos in einen anderen Raum wechseln. Vielleicht empfindet sie mit uns das fröhlich entspannte Zusammensein, wenn wir gemeinsam musizieren. „Hauters Hauspost 6: Der Jazz-Hund und das Gardinen-Design“ weiterlesen

Hauters Hauspost 5: Das Schlüsselbundtrauma und die Entdeckung meiner Stimme

von Barbara Hauter

In den sensiblen Jahren der Pubertät wurde ich musikalisch von fliegenden Schlüsselbunden geprägt. Unser Musiklehrer zielte gut, erreichte damit bei mir aber vor allem eins: Ich wollte nie wieder singen. Mein letzter Bericht darüber hat Menschen bewegt. Übers Internet und WhatsApp erzählten mir einige Leser, wie es ihnen ergangen ist, von einfühlsamen Pädagogen und viel Freude im Unterricht. Mein Glaube an die positive Macht der Erziehung ist wieder hergestellt. Danke dafür.

Besonders berührt hat mich die Reaktion einer professionellen Opernsängerin. Sie lud mich spontan ein, es doch mal bei ihr mit einer Unterrichtsstunde im Fach Singen zu probieren. Sofort wurde mein ganzer Körper steif und in meinem Magen baute sich eine Backstein-Pyramide auf. Doch die beste Lebensgefährtin von allen meinte: „Probier es, über Skype kann dir ja nicht viel passieren. Notfalls machst Du einfach den Computer aus.“ Ich schlief zwei Nächte darüber. Dann sagte ich zu. „Hauters Hauspost 5: Das Schlüsselbundtrauma und die Entdeckung meiner Stimme
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Hauters Hauspost 4: Auf Wunsch meines Herausgebers - die Schlüsselbund-Story

Liebe LeserInnen, bitte lesen Sie diese einfühlsame Geschichte über den Musikunterricht in den 1960er- und 1970er-Jahren in Deutschland. Mir kamen die Tränen, als ich diese Zeilen las. Aber zum Glück gibt Barbara Hauters Hauspost auch einen positiven und hoffnungsvollen Ausblick…  AS

von Barbara Hauter

Als Corona-Pause diese Woche die Geschichte, wie ein Musiklehrer durch zielgenaue Wurftechnik mit einem halben Kilo Schlüssel zarte Laute aus kindlichen Kehlen locken wollte. Singen war vor einem halben Jahrhundert als Kulturtechnik unter Jugendlichen sehr viel weniger angesagt als heute. Deutschland suchte noch nicht den Superstar, Karaoke war in meinem heimischen Schwabenland als Freizeitbeschäftigung noch nicht angekommen und  YouTube zum Mitsingen gab es nicht.

Klar grölten wir zu der ausgeleierten Kassette eines Radio-Mitschnitts Pink Floyds „Another brick in the wall“ im Partykeller der Eltern mit. Aber das galt unserem gestrengen Musiklehrer nicht als Singen. Das hätte schon mindestens ein Schubert-Lied sein müssen. Doch auch er musste einsehen, dass die komplette Klasse an der „Forelle“ gescheitert wäre. „Hauters Hauspost 4
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Hauters Hauspost 3: Erweckung –  wie ich die Welt der klassischen Musik entdeckte

von Barbara Hauter

Haben Sie Lust auf eine kleine Verschnaufpause vom Thema Corona? Prima. Ich auch. Beim täglichen „Raus-aus-der-Isolations-Spaziergang“ plauderte ich fröhlich mit der besten Lebensgefährtin von allen über unsere Kindheit. Sie ist Trompeterin und ist – damals noch auf dem Akkordeon –schon früh von ihren Eltern in den regelmäßigen Genuss von Übungstonleitern getrieben worden. Eine frühkindliche Erfahrung, die mir völlig fehlt. Pflichtbewusst haben mich meine Eltern zwar für den Blockflötenunterricht angemeldet. Meine über alles geliebte Mutter konnte aber das Übegeräusch nicht ertragen. Die zugegebenermaßen wirklich quietschenden ersten musikalischen Gehversuche endeten damit, dass ich statt Flöten- Ballettunterricht bekam. Das war deutlich geräuschloser. „Hauters Hauspost 3: Erweckung –  wie ich die Welt der klassischen Musik entdeckte
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Hauters Hauspost 2: Treffen Sie sich mit mir zu einem Tanzabend des Bayerischen Staatsballetts in München

von Barbara Hauter

Haben Sie Samstag schon was vor? Wie wäre es, wenn wir uns zur Watchparty treffen! Am 21. März um 19.30 Uhr schauen alle ballettinteressierten Klassik-begeistert-Leser gleichzeitig „Jewels“. Der Tanzabend des Bayerischen Staatsballetts in München wird auf Staatsoper.tv übertragen und garantiert vor allem eines: Er hebt das Gemüt. Und fröhliche Grundstimmung stärkt das Immunsystem. Das können wir alle gerade gut gebrauchen.

Warum gerade Jewels? Weil Jewels einfach wunderschön ist: Geschliffener Tanz, glitzernde Kostüme, abwechslungsreiche Musik. Der Choreograf George Balanchine schuf für seine Compagnie, das New York City Ballet, eine ganze Reihe neoklassischer, visionärer Choreographien, die als Meilensteine des Balletts gelten. „Hauters Hauspost 2
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