Benjamin Britten Quelle: LISTEN music + culture
Bereits knappe zweieinhalb Jahre nach der Uraufführung in Aldeburgh in der Grafschaft Suffolk kam Benjamin Brittens „Ein Sommernachtstraum“ im Herbst 1962, zwar noch in deutscher Übersetzung, auf den Spielplan der Wiener Staatsoper. Beweggrund eines Besuchs einer Aufführung war nicht das Interesse für den zeitgenössischen Komponisten, sondern für den Sänger des Oberon, Gerhard Stolze, den ich als Mime, David und als Orff’schen Ödipus schätzen gelernt hatte.
von Lothar und Sylvia Schweitzer
Dieser sang jedoch die Partie nicht wie in den Opernführern angegeben als Countertenor, sondern wie gewohnt als Charaktertenor. Noch nicht so lange Zeit nach seiner FSME-Erkrankung fehlte seiner Stimme noch etwas an Durchschlagskraft. Doch zwei Besetzungen wogen das auf. Die zunächst noch unglücklich in Demetrius verliebte Helena rührte durch die sehnsuchtsvolle Stimme einer damals noch nicht berühmten Gundula Janowitz. Außerdem fiel anlässlich der neuen Produktion der auffallend schöne Bass des ersten Quince an diesem Haus, Ludwig Welter, auf. In unsrer Studentenzeit war Britten bei operninteressierten Freunden nicht sonderlich populär. Man schwärmte für Wagner, Strauss und/oder fürs italienische Repertoire, sei es Belcanto oder Verismo.