Kirill Petrenko und sein hervorragendes Orchester begeistern mit dem Europakonzert 2026

Das Europakonzert der Berliner Philharmoniker  Schloss Esterházy, Eisenstadt (Burgenland), Österreich, 1. Mai 2026

Europakonzert im Haydnsaal © Lena Line


Das Europakonzert der Berliner Philharmoniker
Schloss Esterházy, Eisenstadt (Burgenland), Österreich,
1. Mai 2026

Im Rahmen des Europakonzertes der Berliner Philharmoniker spielten die Damen und Herren Orchestermusiker, ein singulärer Instrumentalsolist und ein ebensolcher Dirigent mit aller Selbstverständlichkeit viele ihrer Kollegen mühelos an die Wand. Man wird noch lange davon zehren können, was hier an dem geschichtsträchtigen Ort zu hören war.

Joseph Haydn: Ouvertüre in D-Dur

Igor Strawinski: Suite aus dem Ballett „Pulcinella“ nach Musik von Giovanni Battista Pergolesi (u.a.)

Piotr Iljitsch Tschaikowski: Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester op. 33

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 2 in D-Dur op. 36

Gautier Capuçon, Violoncello
Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko, Dirigent

von Herbert Hiess

Von den Berliner Philharmonikern zu schwärmen, heißt eigentlich „Eulen nach Athen“ tragen; nur was an diesem Vormittag passierte, ist singulär.

Wenn also dieses Weltklasse-Orchester, ein Weltklasse-Dirigent und ein ebensolcher Solist zusammenkommen, ist das schon ein besonderer Glücksfall für sich. Und das dann noch an einem solchen geschichtsträchtigen Ort aufzuführen, macht das Ereignis absolut singulär.

Zirka eine Autostunde südlich von Wien liegt die geschichtsträchtige Stadt Eisenstadt. Diese Stadt ist eng mit dem Namen des Fürsten-Geschlechts verbunden; da liegt auch das Schloss Esterházy. Nicht aus Zufall hat der Haydn-Saal in dem Schloss diesen Namen; benannt eben nach dem unglaublichen Komponisten, der manchmal als „Papa Haydn“ (angeblich eine liebevolle Bezeichnung von Mozart) bezeichnet wird.

Joseph Haydn stand über 30 Jahre lang im Dienste der Esterhazys; als Komponist und Hofkapellmeister.

Joseph Haydn hat zu Recht bei diesem prachtvollen Konzert das „Hausrecht“; eröffnet wurde diese Sternstunde mit seiner Ouvertüre in D-Dur, die eigentlich ein symphonischer Satz ist, und – typisch Haydn – mit vielen harmonischen Überraschungen gespickt ist.

Schon bei diesem Werk hat sich abgezeichnet, wie grandios dieses Konzert wird. Das jährlich am 1. Mai stattfindende Konzert an spektakulären Orten wurde endlich wieder nach Österreich gelotst. Und der Chefdirigent des Orchesters Kirill Petrenko hat mit den spielfreudigen Musikern bei diesem Stück bewiesen, dass das Orchester beinahe unschlagbar ist. So eine Klangpracht und Virtuosität ist nur selten zu hören.

Kirill Petrenko mit den Berliner Philharmonikern © Lena Line

Nach diesem Haydn wandelte man von Österreich nach Russland. Strawinskis Suite aus „Pulcinella“ war – abgesehen von der einzigartigen Musikalität von Petrenko und dem Orchester – eine Leistungsschau der Musiker schlechthin. Ähnlich wie in Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ setzte der Komponist das Orchester auf kammermusikalische Größe. Was bedeutet, dass es auf jede Stimme ankommt. Von Streichersoli, Bläsereinlagen und vieles mehr. So wie die Musiker unter Petrenko diese Musik gespielt haben,  kann man nur ins Schwärmen kommen.

Stellvertretend seien das Vivo und die Gavotta erwähnt. Gänsehaut erzeugten in diesem Vivo die Posaunenglissandi und die jazzigen Phrasen der Kontrabässe. Und wenn der Solooboist Albrecht Mayer mit einer traumhaften Phrasierung die Gavotta anstimmte, blieb einem die Luft weg.

Kirill Petrenko © Chris Christodoulou

Faszinierend, wie Maestro Petrenko mit diesem Werk mitlebte. Ohne mit billigen Effekten und wildem Getrampel zu agieren, konnte er mit minimalsten Bewegungen allein mit dieser Suite reüssieren.

Danach bei Tschaikowskis „Rokoko-Variationen“ konnte man den heute weltbesten Cellisten Gautier Capuçon bewundern, der sich an diesem Vormittag wieder selbst übertroffen hat. Unglaublich, welche Töne, Doppelgriffe, Flageoletts er hören ließ – es war unbeschreiblich.

Gautier Capuçon © Lena Line

Die  Zugabe „Song of the Birds – A song for freedom and peace” sollte europaweit zum Nachdenken anregen. Dieses Stück für das Solocello und den Cellisten der Berliner Philharmoniker war bei aller Grandezza ein nachdenklich machender Schluss vor der Pause.

Danach ging es wieder zurück nach Österreich und Joseph Haydn. Dieser war zeitweise Lehrer von Ludwig van Beethoven; so nebenbei gesagt bewunderte Beethoven auch nicht unkritisch den burgenländischen Musiker.

Berliner Philharmoniker im Schloss Esterházy © Lena Line

Also wurde die eher selten aufgeführte zweite Symphonie gegeben, wo das Orchester und der Dirigent wieder bewiesen, welch führende Rolle sie im Musikgeschehen haben. Nicht zuletzt haben sie aufgrund der Tradition unter Herbert von Karajan sich einen unschlagbaren Status als führendes Beethoven-Orchester erarbeitet, was hier deutlich zu hören war.

Und Gott sei Dank hörte man das Werk „normal“ und nicht mit einem historisch informierten Geschabe und Gekratze. Das Larghetto war einer der vielen Höhepunkte des Konzertes; so verträumt und melancholisch hat man diesen Satz selten erlebt.

Zusammengefasst war dieses EU-Konzert an diesem Ort und durch das Zusammentreffen des genialen Petrenkos mit Capuçon und dem Orchester ein Ereignis, das man sich noch lange merken wird.

Herbert Hiess, 3. Mai 2026. für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Gustav Mahler, Symphonie Nr. 8, Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko Philharmonie Berlin, 16. Januar 2026

CD-Besprechung: Brahms 1, Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko klassik-begeistert.de, 18. November 2025

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