Zwei starke Stimmen stellen sich vor:
Bongiwe Nakani und Peter Kellner im Mahler-Saal

Ensemblematinee im Mahler-Saal 2, Wiener Staatsoper, 18. November 2018

Foto: © Michael Pöhn
Ensemblematinee im Mahler-Saal 2, Wiener Staatsoper
18. November 2018

Bongiwe Nakani, Mezzosopran
Peter Kellner, Bass
Eric Melear, Klavier

von Gabriel Pech

Es ist der erste Sonntag, an dem der Winter wirklich Einzug hält an der Donau. Gut, dass es in der Wiener Staatsoper ein abwechslungsreiches Programm zum Warmhalten gibt. Zwei junge Stimmen stellen sich vor, von denen die eine erst seit zwei Monaten am Haus erklingt.

Bildquelle: Wiener Staatsoper

Bongiwe Nakani ist seit 2016 Ensemblemitglied in der Wiener Staatsoper. Sie stammt aus Kapstadt und studierte am South African College of Music. 2015 errang sie einen Preis beim „Neue Stimmen Wettbewerb“. Außerdem schmücken bereits zwei zweite Plätze ihre Karriere, beim Shock Foundation Gesangswettbewerb und beim Amazwi Omzantsi Gesangswettbewerb. Ihr bisheriges Engagement konzentrierte sich auf die Cape Town Opera, bevor ihr 2015 der internationale Durchbruch gelang.

Nakani präsentiert sich an diesem Sonntag als eine große Stimme mit einem Gespür für Zärtlichkeit. Den Anfang macht sie mit der berühmten Verdi Arie „Stride la vampa“ (aus „Il trovatore“). Hier kann sie vor allem ihre Varietät in der Dynamik hervorheben, Verdis Dramatik gestaltet sie durch den Einsatz verschiedener Stimmfarben. Diese Effekte dienen ihr zur Ausdeutung der Textpassagen, unter anderem durch bewusst vibratoarme Linien. Besonders bestechen die wohligen Tiefen ihres vollen Mezzosoprans; in dem kleinen Mahler-Saal ist ihre fulminante Höhe fast schon zu gewaltig.

Auch mit ihrer weichen Seite kann sie das Publikum für sich gewinnen. Mit „Connais-tu le pays“ (aus „Mignon“ von A. Thomas) gibt sie uns eine wundervoll zarte, verträumte Mignon. Ebenso verfährt sie mit dem zweiten Franzosen ihres Programms, „Mon coeur s‘ouvre à ta voix“ (aus „Samson et Dalila“ von C. Saint-Saëns). Diese leisen, gefühlvollen Passagen gewinnen dadurch an Spannung, dass immer die Idee der wuchtigen Größe in allen Tönen steckt.

Besonderes Highlight des Abends stellt ihr letzter offizieller Programmpunkt dar: Eine Arie aus „Prinzessin Magogo“ von M. Khumalo. Dies ist die erste Oper, die komplett auf Zulu, einer der verbreitetsten Muttersprachen Südafrikas, geschrieben ist. Man merkt Nakani an, dass sie zu dieser Arie eine besondere Beziehung hat. Auf einmal wirkt sie ganz gelöst, die fantastische Wärme dieser wundervollen Arie füllt sie mit Natürlichkeit.

Einzig bei ihrer Zugabe überzeugt sie nicht restlos. Mit Carmens Habanera wählt sie ein Stück, welches unendliche Vergleichsmöglichkeiten bietet. Das macht es natürlich von vornherein schwieriger, leider wirkt sie währenddessen auch etwas außer Atem. Glücklicherweise ist dies der einzige „Ausfall“ ihrer Performance, ansonsten glänzt sie das ganze Konzert hindurch.

Bildquelle: Salzburger Festspiele

Peter Kellner ist seit September Teil des Ensembles der Wiener Staatsoper. Der gebürtige Slowake genoss eine künstlerische Ausbildung in Košice (Slowakei) und am Mozarteum Salzburg. Bisher sang der Bass als Ensemblemitglied an der Oper Graz und gastierte an verschiedenen Häusern in Österreich, der Slowakei und Deutschland. Auftritte führten ihn unter anderem zu den Salzburger Festspielen.

Zu dem Matineekonzert bringt auch er hauptsächlich Arien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit. Mit „Tutto è disposto“ (aus „Le nozze di Figaro“ von W. A. Mozart) beginnt er allerdings etwas früher. Hier kann er neben seinem charakterstarken Bass bereits sein schauspielerisches Talent präsentieren, was er vor allem als Faust mit C. Gounods „Vous qui faites l‘endormie“ auf die Spitze treibt. Die dämonischen Lacher in dieser Arie wirken gut eingegliedert und überzeugend.

Eine gefühlvollere Seite kann er unter anderem in der russischen Arie „Vyes‘ tabor spit“ (aus „Aleko“ von S. Rachmaninow) zum Besten geben. Dieses spätromantische Meisterwerk füllt Kellner mit wahrer Leidenschaft. Sein Bass besticht durch eine gute Stabilität und einen leicht kehligen Charakter.

Unter Umständen wird es ihn in Zukunft behindern, dass er beim Singen gerne den Kopf nach unten neigt. Dies spiegelt häufig eine Verkrampfung im Hals wider, welche unter anderem einen solch kehligen Klang hervorruft. Leider wünscht die Öffentlichkeit diese Klangfarbe heutzutage von Bässen immer mehr, gut und gesund ist sie deswegen nicht. Man kann nur hoffen, dass diese Sänger einen gesunden und nachhaltigen Weg zu diesem Stimmcharakter finden und sich nicht die Bänder ruiniert.

Dem charismatischen Kellner und der dynamischen Nakani sei solch eine lange Karriere auf jeden Fall gewünscht. Sowohl Sängerin als auch Sänger sorgten für einen kurzweiligen Aufenthalt im gemütlichen Mahler-Saal.

Gabriel Pech für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
20. November 2018

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