Das ist kein Belcanto, der vom Sitz reißt

Gaetano Donizetti Maria Stuarda  Hamburgische Staatsoper, 26. Februar 2026

Katja Danowski (Double Elisabetta), Chao Deng (Cecil), Barno Ismatullaeva (Elisabetta), Mariangela Sicilia (Maria Stuarda), Konu Kim (Roberto), Manuel Fuentes (Talbot), Mariana Poltorak (Anna), Sandra Gerling (Double Maria Stuarda) (Foto: RW)

Neben mir äußerte jemand seine Begeisterung mit lauten Uuuuu-Rufen, das hörte sich an wie Buh, war aber offenbar positiv gemeint. Demnächst wird man echte Buh-Rufe wohl nicht mehr als solche von anderen lautmalerischen Begeisterungsausbrüchen unterscheiden können.

Maria Stuarda, lyrische Tragödie in zwei Akten nach Friedrich Schiller
Musik von Gaetano Donizetti

Inszenierung: Karin Beier
Bühne: Amber Vandenhoeck
Kostüme: Eva Dessecker

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung Stefano Montanari

Hamburgische Staatsoper, 26. Februar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Donizettis Maria Stuarda in der Hamburgischen Staatsoper

Donizettis Oper erfordert für die Partie der Maria außerordentliche Fähigkeiten, vor allem eine schöne, weiche Stimme mit Koloraturfähigkeit und Höhenglanz, über die in der Premierenserie im März letzten Jahres die Sopranistin Ermonela Jaho verfügte.


Mariangela Sicilia hatte gestern eine solche nicht und ihr Sopran unterschied sich vom Timbre her leider auch nur wenig von jenem der Elisabetta. In der Höhe verschärfte sich Sicilias Stimmklang, ihr Sopran begann sich zu verengen und leicht zu flackern. In der Tiefe blieb der Klang weg, in der Mittellage, manchmal auch in der getragenen Höhe, vor allem wenn sie nicht laut singen musste, konnte man spüren, wie die Sopranistin in anderen Rollen klingen könnte. Dabei hat sie sehr viel zu singen, vor allem in den beiden letzten Bildern. Da muss die stimmliche Schönheit betroffen machen, wie bei Jaho. Die Stimme muss blühen, die Kantilenen zu Herzen gehen.

Das konnte auch von den anderen Sängerinnen und Sängern nicht ausgeglichen werden. Barno Ismatullaeva beherrscht ihre Rolle als Elisabetta, gestaltet sie eindringlich, setzt dynamische Kontraste und verfügt über eine noch klingende Tiefe. Die Mittellage vermag sie schön auszugestalten und darstellerisch einzusetzen. In der Höhe schleicht sich eine auch bei anderen ihrer Rollen auffallende leichte Schärfe ein, so dass der Klangeindruck nicht immer Ohrwurmcharakter hat. Das passt aber zu Rolle der Elisabetta, die durchaus etwas weniger schön singen darf, denn die Belcanto-Passagen hat Donizetti vor allem der Partie der Maria auf die Stimmbänder geschrieben. Wenn aber der Belcanto wegfällt, bleibt von Donizetti, im Gegensatz zu Verdi, nicht mehr viel nach, und das ist schade.

Der koreanische Tenor Konu Kim sang Roberto, Graf von Leicester. Im Kern verfügt er über ein schönes, farbreiches Material, mit dem er die Rolle gestalten könnte. Seine Stimme trägt auch und hat genügend Volumen. Allerdings macht sich bei ihm, wenn er etwas lauter singt oder auch forciert, ein leicht spröde wirkender Nebenklang bemerkbar, was die Begeisterung für diesen Tenor, zumindest an diesem Abend, deutlich einschränkte.

Die weiteren Mitwirkenden sangen den kleineren Partien entsprechend rollendeckend: Manuel Fuentes war als Talbot besetzt, Chao Deng als Lord Cecil und Mariana Poltorakals Anna Kennedy.

Das Haus war allenfalls zu Zweidrittel gefüllt und der Zwischenbeifall eher diskret. Am Ende wurden die Sängerinnen und Sänger aber reichlich mit Beifall bedacht. Neben mir äußerte jemand seine Begeisterung mit lauten Uuuuu-Rufen, das hörte sich an wie Buh, war aber offenbar positiv gemeint. Demnächst wird man echte Buh-Rufe wohl nicht mehr als solche von anderen lautmalerischen Begeisterungsausbrüchen unterscheiden können.

Die musikalische Leitung hatte Stefano Montanari. Optisch überzeugt das von Karin Beier inszenierte Königinnendrama nach wie vor, abgesehen von den wirklich überflüssigen, vor Marias Hinrichtung auftretenden Kameramännern.

Dr. Ralf Wegner, 27. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Staatsoper Hamburg, 16. März 2025 Erstaufführung

Interview: kb im Gespräch mit der Sopranistin Mariangela Sicilia, Teil 1 klassik-begeistert.de, 23. Februar 2026

Interview: kb im Gespräch mit der Sopranistin Mariangela Sicilia, Teil II klassik-begeistert.de, 24. Februar 2026

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