Thielemann mit Strauss und Beethoven: Manchmal schmeckt das beste Menü nicht

Symphoniekonzert VI, Christian Thielemann, Strauss und Beethoven  Staatsoper Unter den Linden, 13. April 2026

Christian Thielemann, Staatskapelle Berlin I Staatsoper Unter den Linden © Stephan Rabold

Hier warf Thielemann alle Rosse in die Schlacht, die Überwältigungstaktik ging auf, und am Ende gab es fast schon hysterische Bravo-Rufe, als hätte man einer Offenbarung beigewohnt. Man kann das, muss es aber nicht so sehen.

Symphoniekonzert VI

Richard Strauss
Ausgewählte Orchesterlieder

Verführung op. 33/1
Nächtlicher Gang op. 44/2
Muttertändelei op. 43/2
Ruhe meine Seele op. 27/1
Pilgers Morgenlied op. 33/4
Morgen op. 27/4
Hymnus op. 33/3
Waldseligkeit op. 49/1

Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 Pastorale
Ouvertüre zu Egmont op. 84

Staatskapelle Berlin
Christian Thielemann

Julia Kleiter
Konstantin Krimmel

Staatsoper Unter den Linden, 13. April 2026

von Peter Sommeregger

Das aktuelle, 6. Symphoniekonzert der Berliner Staatskapelle wird traditionell auch noch in der Philharmonie aufgeführt. Diesmal folgt noch ein Abstecher in die Münchner Isarphilharmonie und für zwei Konzerte in den Wiener Musikvereinssaal.

GMD Christian Thielemann hat dafür Orchesterlieder von Richard Strauss, von Beethoven die 6. Symphonie und die Egmont-Ouvertüre auf das Programm gesetzt. Durch die Verpflichtung von zwei Spitzensängern konnte eigentlich nichts schiefgehen. Eigentlich.

Schon beim ersten Lied „Verführung“ hatte die lyrische Stimme von Julia Kleiter keine Chance gegen die in voller Besetzung mächtig auftrumpfende Staatskapelle. Gerade dieses selten aufgeführte Lied hätte man gerne nicht nur vom Orchester gehört.

Julia Kleiter, Konstantin Krimmel, Staatskapelle Berlin I Staatsoper Unter den Linden © Stephan Rabold

Laut ging es weiter, der kernige, virile Bariton von Konstantin Krimmel konnte sich besser gegen die Dominanz des Orchesters behaupten, aber auch er ertrank stellenweise in den Klangwogen des Orchesters.
Der erfahrene Strauss-Dirigent Thielemann hätte hier regulierend eingreifen müssen. Trotz aller Beeinträchtigung konnten sich Kleiter und Krimmel aber als hervorragende Interpreten profilieren.

Julia Kleiter, Konstantin Krimmel, Staatskapelle Berlin I Staatsoper Unter den Linden © Stephan Rabold

Beethoven gilt nicht unbedingt als Domäne Thielemanns, seine bisherigen Aufführungen der Symphonien wurden eher kontrovers beurteilt.

Die 6. Symphonie, auch Pastorale genannt, unterscheidet sich in ihrer Struktur von den anderen Symphonien. Die Naturschilderungen sind eigentlich Programm-Musik, bei den Übergangen vermisste man die Verbindung der Einzelteile zu einem Ganzen, ein verbindender Bogen wollte sich nicht herstellen. Die Musiker der Staatskapelle bewiesen mit ihren Soli ihre Qualität als Klangkörper, wenn sie auch hier etwas zu laut waren.

Julia Kleiter, Christian Thielemann, Konstantin Krimmel, Staatskapelle Berlin I Staatsoper Unter den Linden © Stephan Rabold

Ein idealer Konzertschluss und „Rausschmeißer“ ist die Egmont-Ouvertüre. Hier warf Thielemann alle Rosse in die Schlacht, die Überwältigungstaktik ging auf, und am Ende gab es fast schon hysterische Bravo-Rufe, als hätte man einer Offenbarung beigewohnt.
Man kann das, muss es aber nicht so sehen.

Peter Sommeregger, 14. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Ladas Klassikwelt (62): „Beethoven spült uns die Ohren” – Bemerkungen zu Christian Thielemanns Buch „Meine Reise zu Beethoven“

Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem op. 45, Leitung Christian Thielemann Philharmonie Berlin, 3. April 2026

Richard Strauss, Der Rosenkavalier, Christian Thielemann, André Heller Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 31. März 2026

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