"Carmen" in der Staatsoper Hamburg: Man lehnt sich zurück und genießt

Georges Bizet, Carmen,  Staatsoper Hamburg, 11. April 2019

Foto: © Westermann
Staatsoper Hamburg
, 11. April 2019
Georges Bizet (1838 – 1875), Carmen

Oper in vier Bildern
Text von Henri Meilhac und Ludovic Halévy

von Teresa Grodzinska

Selten hat sich das Sujet eines Werks so desaktualisiert wie im Fall der „Carmen”. Stierkampf gilt in der heutigen Welt als mindestens so antiquiert wie Zigarettenrauchen. Das Frauenbild – unmöglich. Die Zigeuner-Romantik ebenso. Und der von Micaela an Don José überbrachte Mutterkuss mutet schon psychoanalytisch an …

Was bleibt? Das Wichtigste. Die Musik. In der Blütezeit des Richard Wagner findet Bizet in seiner Seele so vieles, was uns noch heute Freude macht. Die Berühmtheit der meisten Arien-Gassenhauer ist fast gleich und bewirkt nur eines: Man lehnt sich zurück und genießt. Ich habe auch die weniger bekannten, fast Opera-buffa-ähnlichen Szenen sehr genossen: das Duett von Frasquita (Katharina Konradi) und Mercedes (Maria Swiderska) sowie die Auftritte der Ganoven Dancairo (Viktor Rud) und Remendado (Ziad Nehme) – herrlich überzeichnet und tadellos gesungen.

Zutiefst berührt hat mich der Sopran von Ruzan Mantashyan als Micaela. In ein denkbar unvorteilhaftes Kostüm gesteckt, füllte sie den Raum mit sehr, sehr viel Musik ohne unsere Ohren zu strapazieren.

Der Kontrast zur Titelfigur, besetzt mit der Mezzosopranistin Nadezhda Karyazina, könnte nicht größer sein. Sie berührte mich etwas weniger. Ihre riesengroße Stimme hat mich jedes Mal etwas erschlagen. Für sie ist der Raum schlicht zu klein gewesen. Sie zog aber den anfänglich etwas blassen Don José (Martin Muehle) stimmlich dermaßen in ihren Bann, dass man ihm seine Besessenheit für die Dame gerne glaubte.

Alles in allem natürlich ein gelungener Abend, aber hören Sie bitte die Habanera von Elina Garanca aus der Metropolitan Opera New York von 2010:

https://www.youtube.com/watch?v=K2snTkaD64U

Teresa Grodzinska, 12. April 2019, für
klassik-begeistert.de

4 Gedanken zu „Georges Bizet, Carmen,
Staatsoper Hamburg, 11. April 2019“

    1. Sehr geehrter Herr Liebherr,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Wir sind immer an Kritik interessiert.
      Darf ich Sie fragen, warum der Beitrag
      „traurig“ und „Pseudo“ ist? Was genau
      gefällt Ihnen nicht? Und gab es eventuell
      irgend etwas, was ein wenig ansprechend war?

      Und waren Sie auch in der Aufführung?

      Ihnen ein schönes Wochenende…
      und bleiben sie uns gewogen

      Andreas Schmidt M.A.
      Herausgeber
      klassik-begeistert.de

  1. Sehr geehrte Frau Grodzinska,

    wer gibt Ihnen das recht, ultimativ zu bestimmen und festzulegen, was antiquiert ist und was nicht?!
    „Selten hat sich das Sujet eines Werks so desaktualisiert wie im Fall der ‚Carmen‘. Stierkampf gilt in der heutigen Welt als mindestens so antiquiert wie Zigarettenrauchen. Das Frauenbild – unmöglich. Die Zigeuner-Romantik ebenso. Und der von Micaela an Don José überbrachte Mutterkuss mutet schon psychoanalytisch an …“ Formulieren Sie das als Ihre Meinung, aber nicht als allgemein gültig. Ich teile beispielsweise Ihre Meinung in keinster Weise, nehme mir aber nicht das Recht heraus, meine Meinung als einzig wahrhaftig hinzustellen. Und dann der Satz: „Man lehnt sich zurück und geniesst.“ Von da ab ist Ihre Kritik einfach nur noch ohne jegliche Substanz in der musikdramaturgischen Bewertung der Aufführung. Es freut mich, dass Sie einen genussreichen Opernabend hatten.
    Frank Kantereit

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