Live vom Festival Verdi in Parma: "I Due Foscari" auf DVD

Giuseppe Verdi, I Due Foscari,  DVD-Rezension

„Paolo Arrivabeni leitet den Chor des Teatro Regio di Parma und die Filarmonica Arturo Toscanini souverän, aber vielleicht ein wenig behäbig. Was der Oper fehlt, sind starke musikalische Einfälle Verdis, am Ende bleibt eigentlich keine markante Melodie im Gedächtnis. Von der Brillanz der späteren Meisteropern ist dieses Werk noch weit entfernt.“

DVD-Rezension:
Giuseppe Verdi, I Due Foscari (DYNAMIC 37865)

Teatro Regio di Parma

Filarmonia Arturo Toscanini
Paolo Arrivabeni: Dirigent

von Peter Sommeregger

Giuseppe Verdis insgesamt sechste Oper I due Foscari begegnet man an Opernhäusern nördlich der Alpen so gut wie nie, auch in Verdis italienischer Heimat wird dieses frühe Werk selten aufgeführt. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass das Werk mit knapp zwei Stunden Aufführungsdauer ein wenig kurz für einen Opernabend geraten ist. Zusätzlich zeigt es auch deutliche dramaturgische Schwächen, die für die frühen Opern Verdis leider nicht untypisch sind. Der ursprünglich auf Lord Byron zurückgehende Stoff erschöpft sich letztlich in fortgesetzten Klagen aller Beteiligter, was eine gewisse Monotonie zur Folge hat.

Die vorliegende DVD ist der Mitschnitt einer Aufführung des Teatro Regio di Parma im Rahmen des Festival Verdi vom Oktober 2019. Das Drama um den alten Dogen Venedigs, Francesco Foscari und seinen Sohn Jacopo spielt im 15. Jahrhundert und schildert den Gewissenskonflikt des alten Mannes, der seinem zu Unrecht verurteilten Sohn nicht helfen kann und will, weil das die Neutralität seines Amtes verletzen würde. Ein wenig wirr stellen sich die Handlungsabläufe dar, permanent wird von Ereignissen gesungen, die nicht auf der Bühne stattfinden und auch nur unzureichend erklärt werden.

Die Regie Leo Muscatos beschränkt sich im Wesentlichen darauf, die undurchsichtige Handlung der drei Akte dezent zu illustrieren, dass er auf aktualisierenden Schnickschnack verzichtet, spricht für ihn. Bescheiden fielen die Bühnenbilder Andrea Bellis und die Kostüme Silvia Aymoninos aus, übermäßig kleidsam sind letztere allerdings nicht.

Die beiden Foscari und des Jüngeren Gattin Lucrezia tragen die Handlung und sind sängerisch durchaus gefordert. Stefan Pop singt den Jacopo mit warmem, farbenreichen Timbre und zeigt sich den nicht kleinen Anforderungen dieser Spinto-Partie mehr als nur gewachsen. Seine Gattin Lucrezia, praktisch die einzig weibliche Partie der Oper, wird von Maria Katzarava verkörpert. Ihre leider unvorteilhafte Kostümierung macht sie aber mit ihrem vollen, farbenreichen, etwas dunkel timbrierten Sopran wett. Die Duette mit ihrem Gatten und die große Szene mit ihrem Schwiegervater geraten zum musikalischen Höhepunkt des Abends.

Den alten Foscari gibt Vladimir Stoyanov mit altersmildem Bariton. In den Szenen mit Sohn und Schwiegertochter bleibt er ein wenig blass, erst in der finalen Szene des dritten Aktes gewinnt er an stimmlichem und darstellerischem Format. Auffällig ist, dass es kaum zu Interaktionen zwischen den Beteiligten kommt, jeder jammert sozusagen für sich allein. Da wirkt eine kurze Chor-und Ballettszene zu Beginn des dritten Aktes, die wohl den venezianischen Karneval zum Inhalt hat, als erfrischendes Element, das leider reichlich kurz ausfällt.

Paolo Arrivabeni leitet den Chor des Teatro Regio di Parma und die Filarmonica Arturo Toscanini souverän, aber vielleicht ein wenig behäbig. Was der Oper fehlt, sind starke musikalische Einfälle Verdis, am Ende bleibt eigentlich keine markante Melodie im Gedächtnis. Von der Brillanz der späteren Meisteropern ist dieses Werk noch weit entfernt.

Trotzdem ist es verdienstvoll, diese sängerisch doch sehr ansprechende Aufführung auf DVD allgemein zugänglich zu machen.

Peter Sommeregger, 26. Juli 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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