Philharmonix auf cineastischem Ausflug quer durch den Gemüsegarten der Musikgenres

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 18. Februar 2018

Philharmonix
Noah Bendix-Balgley
, Violine
Sebastian Gürtler, Violine
Thilo Fechner, Viola
Stephan Koncz, Violoncello
Ödön Rácz, Kontrabass
Daniel Ottensamer, Klarinette
Christoph Traxler, Klavier

von Julian Dworak

Sieben klassisch ausgebildete Musiker, genannt Philharmonix, trafen sich im großen Saal des Wiener Konzerthauses zu einer durchkomponierten Jamsession. In der Strenge der klassischen Betrachtung würde man es auch als Septett bezeichnen, doch die Philharmonix wollen es ganz anders. Spaß und Freude an der Musik standen im Vordergrund. Viele allseits bekannte Melodien – meist mit Bezug zu mehr oder weniger bekannten Filmen – erklangen und wurden mit Dauerschmunzeln und zustimmendem Nicken des Publikums honoriert. Doch auch der musikalische Feinschmecker kam im Verlauf des Abends auf seine Kosten.

Christoph Traxler am Klavier und Daniel Ottensamer an der Klarinette bildeten den Gegenpart zur klassischen Streichergruppe. Alle musizierten in schwarzem Anzug, lediglich der Bratschist, Thilo Fechner, saß mit grellem, roten Anzug in der Mitte des Ensembles. Eine CD-Präsentation war Anlass des zweiten diesjährigen Konzerthaus-Gastspiels der Philharmonix.

Eröffnet wurde der Abend mit einer James Bond-Suite. Melodien aus Skyfall und Casino Royal wurden zum Besten gegeben und legten die Weichen für die Hörerwartung des restlichen Abends. Es sollte entspannt werden! Im Mittelpunkt standen dafür eine Vielfalt bekannter Melodien und Motiven der breiten Musikgeschichte. Doch dieser ersten Darbietung mangelte es ein wenig an Pep. Es fehlten wohl auch Blechbläser, die maßgeblich am bissigen James Bond-Sound beteiligt sind. Die Klarinette als Melodiestimme wirkte da zu verhalten.

Daniel Ottensamer – © Julia Stix

Klarinettist Daniel Ottensamer führte zwischen den kurzweiligen Stücken per Mikrofon durch den Abend. Gut gelaunt und immer mit einem Schmäh in Petto vermittelte er die Grundstimmung der Musik auch zwischen den Kompositionen.

Bei Camille-Saint Saen´s Aquarium aus dem Karneval der Tiere klang das Ensemble schon wesentlich harmonischer. Das Arrangement des Cellisten Stephan Koncz beinhaltete auch das berühmte Motiv aus dem Weißen Hai. Die melancholische Idylle des Aquariums wurde durch diese bedrohlichen Klänge gehörig ins Trudeln gebracht.

Was die sieben Musiker vereint, ist ihre Mitgliedschaft bei den Wiener beziehungsweise Berliner Philharmonikern, daher auch ihr einprägsamer Name: Philharmonix. Der Wunsch, „das zu spielen, worauf sie schon immer Lust hatten“, führte dann zur Gründung, denn ein sichere Stelle in einem führenden Orchester bringt auch einige musikalische Einschränkungen mit sich. Deshalb bedienen sich die Philharmonix umso mehr der verschiedensten Genres wie etwa Jazz, Bossa oder jüdischer Volksmusik.

Artie Shaws Streamline war ein Ausflug Richtung Swing. Ein Stück, welches durch virtuoses Klarinettenspiel glänzte. Doch das richtige Swing-Feeling vermisste man großteils bei den Musikern.

Im darauffolgenden Filmmusik-Block überzeugte „Dangerous Moonlight“ aus dem gleichnamigen, eher unbekannten Film. Romantische, beinahe schmalzige Klänge, im Stile Rachmaninows erregten Emotionen.  Die Musik aus „Zurück in Die Zukunft“ erfreute wiederum Cineasten und wahrscheinlich alle mit einem Hang zu den siebziger Jahren.

Klassisches beendete die erste Hälfte. Der ungarische Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms, ermöglichte Noah Bendix-Balgley sein virtuoses Geigenspiel einzubringen.

Ödön Rácz – © Lukas Beck

Nach Variationen über ein Thema von Erik Satie, im Stile des jüdischen Klezmers, kam es zu einem unerwarteten Höhepunkt. Der Kontrabassist wurde von seinen Kollegen nach vorne gebeten und bekam die Rolle des Solisten zugesprochen. Gar als Moses wurde Ödön Rácz spaßeshalber bezeichnet, spielte er doch eine Transkription der Moses-Variationen von Nicolò Paganini.  Rácz verkündete jedoch nicht die zwölf Gebote, sondern vielmehr die ungeahnten Möglichkeiten des Kontrabasses als Soloinstrument. Höchst musikalisch vermochte Rácz auch die schwierigsten Stellen zu meistern. Die kantablen Stellen spielte er mit Tiefe und die technisch anspruchsvollsten Passagen mit einer überragenden Leichtigkeit. Das war wirklich große Klasse und fand auch bei den Skeptikern jener Veranstaltung große Zustimmung.

Von dieser positiven Stimmung mitgerissen, gelang auch der zweite Satz von Mozarts Klarinettenquintett. Wunderschön spielte Klarinettist Daniel Ottensamer die lang gezogenen Töne dieser eingängigen Komposition. Das ganze Publikum schien in Trance zu fallen. Hier merkte man, wo die Instrumentalisten ihren musikalischen Ursprung haben.

Der zweite Satz aus Mozarts Klarinettenquintett gleicht, von der musikalischen Idee her, dem Adagio aus seinem Klarinettenkonzert. Jenes Adagio erlangte einen höheren Bekanntheitsgrad durch den mehrfach oscarprämierten Film „Jenseits von Afrika“. John Barry verwendete Mozarts Adagio und strich gleichermaßen den Oscar für die beste Filmmusik ein. Somit kam Mozart doch noch zu seinem verdienten Oscar, witzelte Ottensamer in der vorangegangenen Einleitung zu diesem Stück.

Nach einem klassischen Block der ernsteren Art, war es eine Hommage an Brasilien, die wieder zur schwungvollen Simplizität der Philharmonix zurückführte. Sebastian Gürtlers Eigenkomposition Barbarababa, nicht zu verwechseln mit den Barbapapas, bescherte ein unmittelbares Vergnügen. Der Violinist Gürtler sang auch gleich in versuchtem brasilianischen Dialekt in der Tradition des Bossa-Nova. Eine gekonnte Persiflage, die zu erfreuen wusste.

Mit dem Ende dieser Nummer waren die anfänglichen Muster wiederhergestellt.
Mancinis Baby Elephant Walk, Isaac Albeniz Asturias, oder Rachmaninows bekannte Paganini Variation Nr. 18, alles schöne Musik, aber für eine durchdachte Verarbeitung fehlte es ein wenig an innovativen Übergängen oder einer gewissen Dezenz.  Der ein oder andere Effekt schien an den Haaren herbeigezogen. Wenn zwischendurch der Beginn von Beethovens Für Elise anklingt, dann mag das einige erfreuen, jedoch wenn der Kontext nicht passt, dann mutet es schnell ziemlich plump an.

Als Zugabe spielten die sympathischen Musiker Mancinis „Rosaroten Panther“ und als Finale einen Brahms Walzer, gemischt mit Rodeo-Musik.

Ein entspanntes Publikum spendete nun reichlich Applaus sowie partielle Standing-Ovations.

Die Philharmonix kennen das Rezept, zu gefallen. Ein hoher Ohrwurmfaktor, eine angenehme Kurzlebigkeit und eine Freude an der Musik. Ein sichtlich hoher Zuspruch der Zuhörer ist auch absolut verständlich, denn wer möchte schon siebzehn Paganini Variationen abwarten, wenn er die wunderschöne achtzehnte auch sofort haben kann? Aber Spaß beiseite, es wurde maßgeschneiderte Sonntagabend-Musik geboten, die, für sich stehend, sehr gut funktionieren kann und manche Darbietungen versprühten auch eine gute Portion Genialität.

Julian Dworak, 19. Februar 2018
Für klassik-begeistert.de

Titelfoto: © Max Parovsky

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