Deutsche Oper am Rhein: ein Wälsungenpaar zum Verlieben

Richard Wagner, Die Walküre,  Deutsche Oper am Rhein

Foto: Hans Jörg Michel (c)
Deutsche Oper am Rhein (Duisburg)
, 17. Juni 2018
Richard Wagner, Die Walküre

Deutsche Oper am Rhein: Ein Wälsungenpaar zum Verlieben

von Phillip Schober

Die Deutsche Oper am Rhein inszeniert über drei Spielzeiten Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ neu. Zuerst bringt sie jede der Opern separat in Düsseldorf zur Premiere, um sie anschließend in geänderter Besetzung in Duisburg zu spielen. Die musikalische Leitung übernimmt an beiden Spielorten der Bayreuth-erfahrene Generalmusikdirektor Axel Kober. Dietrich Hilsdorf sorgte schon für so manchen Skandal in der Opernwelt. An der Rheinoper verantwortet er nun erstmalig einen vollständigen Ringzyklus.

Besonders spannend wurde es am Spielort Duisburg: Zahlreiche Rollendebüts und viele junge Sänger, die ihre große Karriere erst noch vor sich haben. Ein absoluter Höhepunkt der Spielzeit 2017/18, nur selten haben mittelgroße Opernhäuser ein derart glänzendes Ensemble. Alle sechs Solisten der „Walküre“ boten spektakuläres Musikdrama.

Daniel Frank debütierte als Siegmund! Weltweit dürfte es nur etwa eine Handvoll Tenöre geben, die diese anspruchsvolle Wagnerrolle zur höchsten Glückseligkeit des Publikums darstellen können. Nach Daniel Franks ersten, in beeindruckender Schönheit gesungenen Worten, „Wess‘ Herd dies auch sei, hier muss ich rasten“, wurde deutlich, dass dieser Siegmund zur Königsklasse zählt. Die Stimme trug im mühelosen Legato hinweg über das stark besetzte Orchester bis ins Foyer des Opernhauses.

In Duisburg verkörperte James Rutherford den Wotan. Er ist wohl der erfahrenste Wagnersänger dieses Abends, als Hans Sachs in den „Meistersingern“ feierte er sein Bayreuthdebüt. Die Rolle des Göttervaters Wotan ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Rutherford überzeugte durch eine sehr menschliche Rollengestaltung und eine vorbildliche Gesangstechnik in Kombination mit exzellenter Aussprache. Optisch wirkte der 46-jährige natürlich etwas zu jung für den Kriegsgott Wotan – dieser Makel sei ihm jedoch herzlich verziehen.

In den Rollen der Venus, Kundry oder Sieglinde begeistert Heike Wessels als Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim seit fast zehn Jahren die gesamte Rhein-Neckar Region. Ihre extrem voluminöse Stimme mit perfekter Diktion in der Mittellage ist geradezu prädestiniert für die dramatischen Wagnerrollen. In Duisburg stand sie erstmalig als Brünnhilde auf der Bühne. Sie sang nicht nur eindrucksvoll, auch im Schauspiel verkörperte sie ganz die neugierige Wotanstochter.

Sarah Ferede war der weibliche Part des Wälsungenpaars: die Sieglinde. Die junge Sängerin war die größte Überraschung des Abends. Selbst die sonst eiskalte Kriegerin Brünnhilde schwebte in höchstem Mitgefühl, als Ferede „O hehrstes Wunder! Herrlichste Maid“ rührend preisgab. Überaus lyrisch, mit vorbildlicher Gesangstechnik und klarer, deutlicher Aussprache war sie die technisch versierteste Sängerin der Aufführung.

Axel Kober dirigierte erstaunlich schnell. Der Vorhang schloss sich zwanzig Minuten eher als im Spielplan angegeben. Das Orchester konnte bei dem flotten Tempo sehr gut mithalten, die Sänger verpassten in der Hektik leider mehrmals ihre Einsätze. Die Blechbläser übertönten dazu häufig den für Wagnerverhältnisse eher kleinen Streicherapparat. Bei Wagners Musikdramen braucht es keine dröhnenden Posaunen, die Musik ließe sich durch ein präzises Mezzoforte viel angenehmer gestalten.

Den „Ring“ gilt es nicht vor dem letzten Abend zu loben, denn „Die Götterdämmerung“ wird erst in der nächsten Spielzeit aufgeführt. Der Regisseur Dietrich Hilsdorf zeigte weitestgehend solides Regiehandwerk. Er erzählte „Die Walküre“ stringent, ohne das Werk auf eine neue Deutungsebene zu verlagern. Wie in Wagners Libretto vorgeschrieben, bekam das Publikum ein Schwert, eine Esche, eine Küche und zum Schluss natürlich den Feuerzauber zu sehen. Lediglich Raum und Zeit der Handlung verlegte der Regisseur in ein Kriegsgebiet der 1960er-Jahre, von Skandal jedoch keine Spur.

Es ist ein Genuss, nach einem getanzten Ring (Leipzig), einem trashig-unterhaltsamen Ring (Nürnberg) und einem überaus abstrakten Ring (Mannheim) nun an der Rheinoper einen konservativen Ring erleben zu dürfen.

Phillip Schober, 19. Juni 2018, für
klassik-begeistert.de

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