Jurowskis Weihnachtsgeschenk: Prokofjews „Aschenbrödel“ in der Philharmonie Berlin

Sergei Prokofjew, Aschenbrödel, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Vladimir Jurowski  Philharmonie Berlin, 23. Dezember 2021

Philharmonie Berlin, 23. Dezember 2021

Sergei Prokofjew, Aschenbrödel
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski  Dirigent

Foto: Vladimir Jurowski, © Wilfried Hösl

von Peter Sommeregger

Der Dirigent Vladimir Jurowski, Chef des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin versteht es, die Konzertprogramme mit seinem Orchester an das jeweilige Datum sinnvoll anzupassen. So sind es zu den Totengedenktagen im Spätherbst zumeist ernste oder gar sakrale Stücke. Nun, da Weihnachten vor der Tür stand, fällt seine Wahl auf den Märchenstoff Aschenbrödel. In der Komposition seines Landsmannes Sergei Prokofjew wird so die Märchenfigur zum Weihnachtsgeschenk für das Berliner Publikum.

Prokofjew schrieb diese Ballettmusik im Auftrag des Leningrader Kirow-Theaters während des zweiten Weltkrieges. Dessen dramatischer Verlauf führte zu mehreren Unterbrechungen der Kompositionstätigkeit, die Uraufführung des Balletts fand schließlich am 21. November 1945 am Moskauer Bolschoi-Theater statt und wurde für den Komponisten zu einem großen persönlichen Erfolg. Auch im westlichen Ausland wurde das Werk bald erfolgreich nachgespielt.

Für den Konzertgebrauch stellte Prokofjew eine Suite mit markanten Ausschnitten des Werkes zusammen, das im Original 50 Abschnitte umfasst. Vladimir Jurowski ging bei diesem vorweihnachtlichen Konzert aber das Wagnis, ein, die knapp zweistündige komplette Ballettmusik aufzuführen. Zwei Stunden ohne optische Umsetzung dieses Balletts können sehr lang sein, aber das blendend disponierte Orchester entfaltete unter seinem Chefdirigenten den ganzen Zauber dieser Märchenwelt so plastisch, dass sich die Bilder zur Musik im Kopf von selbst einstellten.

Das Werk ist für eine große Orchesterbesetzung geschrieben. Prokofjew ordnet jeder Figur der Handlung ein bestimmtes Thema, bestimmte Instrumente zu, daraus entstehen plastische Figuren. Der Komponist, im Umgang mit großem Orchester bereits sehr erfahren setzt gekonnte Akzente und gestaltet die Abläufe so kurzweilig, dass die Gefahr, Langeweile aufkommen zu lassen, zu keiner Zeit gegeben ist. Prokofjew erweist sich in dieser Musik als Meister der Charakterisierungskunst, es macht Freude seinen originellen Wendungen zu folgen. Dem Orchester ist die Lust am interpretieren dieser Musik durchaus anzumerken, im Einklang mit dem Dirigenten schaffen die Musiker eine abwechslungsreiche, sinnliche Atmosphäre, in der sich schließlich die Vorfreude auf das Fest wiederfindet.

Herzlicher, langer Beifall dankt dem Orchester und Vladimir Jurowski für dieses gelungene Weihnachtsgeschenk.

Peter Sommeregger, 25. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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