Sommereggers Klassikwelt 74: Alban Berg – musikalischer Traditionalist und Neuerer

Sommereggers Klassikwelt 74: Alban Berg – musikalischer Traditionalist und Neuerer

Am 9. Februar 1885 wurde Alban Berg in Wien geboren. Auch außerhalb von Jahren mit runden Geburts-oder Sterbetagen verdient dieser Komponist eine Würdigung, seine Kompositionen sind jedenfalls längst im Kernrepertoire internationaler Orchester und Opernhäuser angekommen.

von Peter Sommeregger

Der musikalisch und literarisch interessierte Schüler erhielt zusammen mit seiner Schwester Smaragda Klavierunterricht und begann bereits mit 16 Jahren Lieder zu komponieren. Mit 19 Jahren begann er bei dem bereits berühmten Arnold Schönberg Komposition zu studieren. Schönberg war vom Talent Alban Bergs so überzeugt, dass er seinen Unterricht ohne Bezahlung fortsetzte, als Berg nicht über die nötigen Mittel verfügte.

Bereits 1906 lernte Berg seine spätere Frau Helene kennen, angeblich eine illegitime Tochter Kaiser Franz Josephs, die er wegen Protesten ihres offiziellen Vaters erst 1911 heiraten konnte. Bis 1914 entstanden weitere Kompositionen, darunter die später populär gewordenen Lieder nach Ansichtskarten-Texten Peter Altenbergs. Während des ersten Weltkrieges diente Berg beim Militär, wegen seiner schlechten körperlichen Konstitution allerdings nur als Schreiber im Kriegsministerium.

Bereits seit 1915 arbeitete Berg an einer Textfassung von Georg Büchners „Wozzeck“, den er als sein erstes Opernprojekt plante. Die Komposition schloss er 1921 ab, zunächst wurden einzelne Bruchstücke daraus aufgeführt, aber es dauerte bis 1925, dass der Dirigent Erich Kleiber die komplette Oper an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufführte. Trotz seiner Modernität und Kühnheit machte die Oper schnell Furore, zahlreiche Opernhäuser spielten sie nach.

1925/26 entstand die Lyrische Suite für Streichquartett, 1929 die Konzertarie „Der Wein“ nach einem Text von Baudelaire in der Nachdichtung Stefan Georges. Neben Werken in Kammermusikbesetzung komponierte Berg ab 1929 an seiner zweiten Oper „Lulu“, deren Text er nach Frank Wedekinds Theaterstücken „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ wieder selbst schrieb. Erich Kleiber führte in Berlin bereits 1934 eine Suite aus der noch nicht vollendeten Oper auf, wobei er heftigen Gegenwind von Seiten der nationalsozialistischen Machthaber zu spüren bekam.

Im Herbst 1934 bestellte der amerikanische Geiger Louis Krasner bei Berg ein Violinkonzert, mit dessen Komposition er im Februar 1935 begann. Erschüttert vom Tod der jungen Manon Gropius, der Tochter Alma Mahlers aus ihrer Ehe mit Walter Gropius, widmete er das Konzert „Dem Andenken eines Engels“. Dadurch geriet er in Verzug mit der Vollendung der „Lulu“. Als Alban Berg am 24. Dezember 1935 an einer Blutvergiftung starb, war die Oper noch unvollendet, das Violinkonzert noch nicht aufgeführt. Beim Musikfest in Barcelona spielte Louis Krasner es am 19. April 1936 zum ersten Mal.

Die Oper „Lulu“ wurde in der zweiaktigen Fassung 1937 in Zürich uraufgeführt, Helene Berg hatte vergeblich versucht, Arnold Schönberg und Anton von Webern zur Vollendung des in Skizzen vorliegenden dritten Aktes zu bewegen. Erst in den 1960er Jahren komplettierte der Komponist Friedrich Cerha das Werk, das in dieser Form 1979 seine Uraufführung in Paris erlebte.

„Wozzeck“, „Lulu“ und das Violinkonzert zählen heutzutage zu den häufig aufgeführten Werken, aber auch Kammermusik und Lieder von Berg stehen regelmäßig auf internationalen Konzertprogrammen. Das Geheimnis seines Erfolges auch bei einem breiteren Publikum liegt wahrscheinlich an seiner Methode, auch in seinen Werken die in freier Tonalität komponiert sind, tonale Elemente und Zitate hinzuzufügen. Im Violinkonzert kann man österreichische Ländler und einen Bach-Choral erkennen, im „Wozzeck“ erklingt ebenfalls eine volksliedhafte Melodie. Berg hat mit seinen Kompositionen eine Brücke von der Spätromantik in die Moderne gebaut.

Peter Sommeregger, 8. Februar 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Peter Sommeregger

Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Barcelona, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Riccardo Muti und Anna Netrebko. Seit 26 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der deutschen Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen.‘ Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de.

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