Semperoper Dresden, 4. Oktober 2026
Giuseppe Verdi, Un ballo in maschera
Musikalische Leitung: Daniele Gatti
Sächsische Staatskapelle Dresden
Inszenierung: Angela Denoke
Bühne/Kostüme: Tino Dintler/Okarina Peter
Riccardo Francesco Meli
Renato German Enrique Alcantara
Amelia Nicole Car
Ulrica Yulia Matochkina
Oscar Rosalia Cid
von Henriette Müller
Womit vermag ein Regisseur heutzutage das Publikum ins Theater zu locken und gleichzeitig zu Beifallsstürmen hinzureißen?
Angela Denoke hat offenbar den Schlüssel dazu gefunden!
Selbst als Opernsängerin tätig, kann sie natürlich aus ihrer eigenen reichen Erfahrung schöpfen.
Sie inszeniert diese Oper nicht, um das Werk umzudeuten oder quasi neu zu erfinden. Nein: Sie setzt einfach das um, was sich Librettist Antonio Somma und Komponist Giuseppe Verdi bei der Erschaffung dieses facettenreichen Werkes vorgestellt haben mögen.
Daniele Gatti und die Staatskapelle Dresden musizierten bereits die Ouvertüre mit sehr warmen Klängen, die Hoffnung auf einen außergewöhnlichen Abend erweckten.
Und so sollte es dann sein: Das Orchester mit seinem Chefdirigenten zeigte aufs Neue, was in ihm steckt! Egal, ob lyrische, tänzerische oder tiefe dramatische Momente.
Die Gesangsrollen waren durchweg mit prominenten Stimmen besetzt.
Francesco Meli als Riccardo betörte nicht nur durch seinen lyrisch geformten Tenor. Er legt sehr viel Wert auf einen äußert nyancenreichen feien Gesang. Gleichzeitig brilliert er mit seiner fabelhaften Darstellung. Ein Traum-Riccardo!
Als sein Freund und späterer Gegenspieler Renato agierte German Enrique Alcantara. Er ist im Besitz einer sonoren und gleichzeitig „italienisch klingenden“ Baritonstimme. Sein „Eri tu“ im letzten Akt der Oper wurde zu einem absolutem Höhepunkt der Aufführung. Diese Arie war an Dramatik nicht zu überbieten.
Nicole Car als Amelia ist zweifellos mit einer äußerst kräftigen Stimme gesegnet. Leider blieben die leisen Töne dabei etwas auf der Strecke. Etwas mehr piano und sanftere Klänge hätte ich mir bei ihr schon vorstellen können.
Die stimmgewaltige Yulia Matochkina war eine Ulrica der Extraklasse. Ihre tiefen Töne vergisst wohl niemand wieder, der sie einmal erleben durfte. Auch als eine Azusena im „Trovatore“ ist sie garantiert eine Idealbesetzung.
Nicht zu vergessen: Der Oscar, gesungen von Rosalia Cid. Mit einer wunderbaren weichen und unbeschwert klingenden Stimme erfreut sie ihr Publikum in dieser Rolle. Der jungen Spanierin steht eine große Zukunft bevor!
Eine Frage blieb an diesem Abend jedoch für mich offen: Warum die „Wiederauferstehung“ Riccardos im Finale? Niedergestreckt durch den Dolch Renatos, bereits am Boden liegend, rafft er sich wieder auf, um letztendlich durch die Menge weiterzuschreiten. Es gelingt mir bis jetzt nicht, dieses Geheimnis zu entchlüsseln.
Fazit: Ein gelungener Abend!! Ich wünsche mir öfter solche Inszenierungen, die nicht am Werk vorbei und nicht ständig um- oder neugedeutet werden.
Dem Publikum hat es viel Freude bereitet.
Und wie sagten zwei junge Männer, die neben mir saßen, so schön? „So einen enthusiatischen Beifall haben wir noch nie miterlebt“.
Henriette Müller, 5. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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