Die neue Hamburger Trovatore-Besetzung lässt sich sehen und hören

Giuseppe Verdi, Il Trovatore, Matteo Beltrami Dirigent  Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026

Vor allem wegen der beiden weiblichen Hauptpartien lohnt sich der Besuch dieser Serie. Die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine verfügte als Azucena über eine ausgesprochen schallstarke, breit in den Raum tragende Stimme, die sie farbreich changierend für die Interpretation dieser geschundenen Mutterseele einsetzen konnte. Ihr Schlussgesang Ai nostri monti zeugte von reiner lyrischer Beseeltheit, wie man es selten hört.

Il Trovatore, Oper in vier Akten
Komposition: Giuseppe Verdi

Inszenierung: Nach Immo Karaman
Bühne: Alex Eales, Kostüme: Herbert Barz-Murauer

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Matteo Beltrami

Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Es war wohl die beste Besetzung seit der Premiere dieser fast genau vor zwei Jahren auf die Bühne gehobenen Trovatore-Inszenierung. Sie nennt sich nur noch nach Immo Karaman. Vor allem wurde diesmal auf üble, dem Inhalt zuwider laufende Szenen wie das Anzünden oder die Vergewaltigung von Dienstpersonal verzichtet. Das tat der Aufführung gut. Das stattdessen angesetzte Russisch Roulette mit zwei Gefangen widersprach nicht unbedingt der Handlung.

So konnten sich die Zuschauer ganz auf die Sangeskunst und Darstellungskraft der Protagonisten konzentrieren. Durch die Bank wurde nicht nur genügend gut bis herausragend gesungen, sondern auch überzeugend gespielt.

Vor allem wegen der beiden weiblichen Hauptpartien lohnt sich der Besuch dieser Serie. Die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine verfügte als Azucena über eine ausgesprochen schallstarke, breit in den Raum tragende Stimme, die sie, vor allem in der Mittellage, farbreich changierend für die Interpretation dieser geschundenen Mutterseele einsetzen konnte. Anfangs schien mir ihr Stimmklang noch etwas herb zu sein, wie eine Mischung aus leicht bitteren und bereits vollendet süßen Tönen. Das passte aber ganz wunderbar zur Rolle. ihr Schlussgesang Ai nostri monti zeugte von reiner lyrischer Beseeltheit, wie man es selten hört.

Clémentine Margaine, Enea Scala, Matteo Beltrami (musikalische Leitung), Eleonora Buratto, Boris Pinkhasovich (Foto: RW)

Die italienische Sopranistin Eleonora Buratto wies zur Genüge die für die Rolle der Leonora erforderlichen Spintoqualitäten auf. Sie zeigte Schallstärke, wunderbares Messa di voce, Koloraturfähigkeit, lyrischen Schmelz, klangvolles, zu Herzen gehendes Piano und die notwendige stimmliche Attacke; wobei allerdings im Forte der Klang manchmal stark vom rotgolden schimmernden Stimmkern abwich. Der aus St. Petersburg stammende Bariton Boris Pinkhasovich (Graf Luna) legte die berühmte Arie Il balen del suo sorriso sehr gefühlvoll und fast in sich gekehrt an. Andere Sänger gehen da mehr aus sich heraus und versuchen mit ihrem Stimmmaterial zu brillieren. Das lag Pinkhasovich nicht, wenngleich auch er über genügend Schallstärke und ein schönes viriles Timbre verfügte.

Einen virilen Kern hatte auch die Stimme des italienischen Tenors Enea Scala (Manrico). Was ihm fehlt, ist allerdings der umgebende lyrische Schmelz, so dass sein Stimmklang uncharakteristisch und eher einfarbig wirkt. Wie auch bei anderen Tenören (ich nenne nur aus den letzten Jahren Roberto Alagna oder Jonas Kaufmann) musste man auf eine mitreißende Attacke zum hohen C bei der zweiten Strophe der Stretta und dem All’armi verzichten. Es klang zumindest nicht schön. Wer verfügt aber heute von den Tenören noch über ein strahlendes Manrico-C wie dereinst Franco Bonisolli? Murat Karahan oder Yonghoon Lee vielleicht? Aber das ist auch schon länger her.

Die weiteren Rollen waren mit Alexander Roslavets als Ferrando, Mariana Poltorak als Ines und Colin Aikins als Ruiz ebenfalls vorzüglich besetzt. Und Matteo Beltrami lieferte den Sängerinnen und Sängern mit dem Philharmonischen Staatsorchester die passende orchestrale Grundlage. Von den Einzelleistungen erhielt Eleonora Buratto für ihre gefühlvolle D’amor sull’ali rosee-Interpretation den längsten Beifall, für die Gesamtleistung wurde am Ende vor allem Clémentine Margaine bejubelt.

Insgesamt war es, abgesehen von bei fast allen Trovatore-Aufführungen bestehenden Einschränkungen, eine gesanglich und darstellerisch überaus hörens- und sehenswerte Aufführung, die den Besuch, auch einen zweiten, unbedingt lohnt.

Dr. Ralf Wegner, 19. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Weitere Vorstellungen gibt es demnächst am 20., 25. und 27. März sowie am 4. und 8. April.

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