Die schweigsame Frau, Staatsoper Berlin © Bernd Uhlig
Ein Jahr nach der Premiere begeistert die Staatsoper Unter den Linden
mit Richard Strauss’ leider recht rarem Werk „Die schweigsame Frau“.
Dieser köstliche und musikalisch exzellente Strauss-Abend stand den deutlich populäreren Werken um nichts nach.
Die schweigsame Frau
Musik von Richard Strauss
Text von Stefan Zweig nach Ben Johnson
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 21. Mai 2026
von Johannes Karl Fischer
Bereits mit der Premierenserie von Strauss’ Die schweigsame Frau letzten Sommer – übrigens die Erstaufführung dieses Werks überhaupt an der Lindenoper – hatten Christian Thielemann und sein Gesangensemble für Furore gesorgt. In fast identischer Besetzung kehrte das Werk nun zurück und lieferte einen ähnlich stimmigen Strauss-Abend wie die Kassenknaller Rosenkavalier, Elektra, Salome. Diese köstliche Komödie verdient dringend einen Stammplatz auf den Spielplänen der Opernwelt!
Brenda Rae wie eine musikalische Zehnkämpferin
Musikalisch entsprach der Abend den hohen Erwartungen des Berliner Publikums. Die wohl mit Abstand eindrucksvollste Gesangleistung bot Brenda Rae als Aminta, die alle Facetten und Techniken dieser nahezu unsingbaren Rolle wie eine musikalische Zehnkämpferin auf die Bühne brachte. Im Handumdrehen verwandelte sie ihre anfangs musikalisch sanft singende, als Timidia verkleidete Figur in eine wütende, an den emotionalen Grenzen des dramatischen Soprans agierende Rebellin gegen den alten Sir Morosus. Scheinbar aus dem Nichts schmetterte sie ihre Noten ins hochdramatische Repertoire und haute nicht nur ihren vermeintlichen Hausherren mit einem sopranistischen Sprint völlig von den Socken.

Maqungo singt heldenhaft und überzeugend
Siyabonga Maqungo sang ihren eigentlichen Ehemann, Henry Morosus, äußerst überzeugend. Sein kräftiger, doch sauberer Tenor hatte fast schon einen heldenhaften musikalischen Anstrich, mühelos spazierte er durch seine ebenfalls sehr anspruchsvolle Rolle. Mit viel flockigem Humor schmückte er die musikalische Bilanz des Werks und trug maßgeblich zum Erfolg des Abends bei. Zurecht wurde er vom Publikum lautstark gefeiert.
Mit trotziger, schlagkräftiger Stimme gab Peter Rose einen rollentreuen
Sir Morosus. Scheinbar unermüdbar rezitierte er die Monologe dieser sehr umfangreichen Partie des bis kurz vor Schluss selbstzentrischen, mindestens leicht arroganten Sir Morosus. Sein Schlussmonolog saß ebenso sattelfest wie das tiefe Des am Ende des zweiten Aufzugs. Mit klarem Bariton brillierte auch Samuel Hasselhorn als Barbier Schneidebart und zeigte sich im Vergleich zu seiner Strauss-Lied-Tour mit der Staatskapelle im April deutlich gesteigert. Evelyn Herlitzius’ intensive, kräftige Mezzo-Stimme in der kleinen Rolle der Haushälterin Morosus’ stand auch den vom Umfang der deutlich größeren Partien um nichts nach.

Regie erfüllt ihren Zweck
Ein wenig zurückhaltend wirkte der Auftritt des Staatsopernchors, musikalisch zwar insgesamt solide doch nicht ganz so eifrig im Einsatz wie ihr Chef in der Handlung, Henry Morosus. Umso stärker waren dafür die Nebenrollen besetzt, insbesondere Manuel Winckhlers Vanuzzi machte mit einem deutlichen musikalischen Ausrufezeichen auf seine Stimme aufmerksam. Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger erfüllte allesamt ihren Zweck und versetzte die Geschichte in eine opulente Westberliner Wohnung des 21. Jahrhunderts, ließ allerdings das an einigen Stellen gar nicht lustige Libretto dieser Komödie regietechnisch unkommentiert.
Thielemann nicht zu schlagen
Bei allen formidablen Gesangsleistungen: Der eigentlich Richard-Strauss-Zauber dieser Aufführung entstand im Graben. Die Berliner Staatskapelle unter der Leitung von ihrem GMD Christian Thielemann spielte nicht nur technisch fehlerfrei und fein geschliffen, die Melodien segelten schmackhaft wie Schlagsahne in den Saal und versetzten das Haus schon im Vorspiel in rauschhaft gut gelaunte Stimmung. Thielemann ließ jede Note dieser anspruchsvollen Partitur funkeln und die musikalischen Tiefen des Schlussmonologs nochmal richtig unter die Haut gehen.
Einziger Kritikpunkt des Abends: Die Auslastung. Trotz insgesamt nur fünf Vorstellungen blieben insbesondere im dritten Range ganze Blöcke fast komplett menschenleer. Auch im Parkett waren an den Seiten recht viele freie Plätze. Warum um alles in der Welt lässt man sich dieses Werk – wenn es denn überhaupt mal auf den Spielplan steht – entgehen ? Nun ja, die gleiche Frage konnte man ja letztes Jahr bei der musikalisch noch eindrucksvolleren Liebe der Danae in München stellen.
Erstaunlich zurückhaltend war auch der Applaus, zwar feierte man zurecht alle Beteiligten, aber so richtig stehende Ovationen gab es heute nicht. Da wird man in Berlin hoffentlich nicht etwa schon Thielemann-müde?
Johannes Karl Fischer, 22. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Richard Strauss, Die schweigsame Frau Staatsoper Unter den Linden, 9. Mai 2026
Richard Strauss, Die schweigsame Frau Bayerische Staatsoper, München, 22. Juli 2022
Richard Strauss, Die Schweigsame Frau, Barrie Kosky Bayerische Staatsoper