CD-Besprechung:
Rangströms Oper ist in Schweden fester Bestandteil des Repertoires, in Deutschland ist sie, obwohl 1919 in Leipzig uraufgeführt, nahezu unbekannt.
Ture Rangström
Kronbruden
The Crown Bride
The Orchestra oft he Gothenburg Opera
David Björkman
Sterling CDO 1136-7
von Peter Sommeregger
Die nun auf CD erschienene Aufnahme macht das Werk auch einem breiteren Publikum zugänglich, und kann als hervorragend gelungen bezeichnet werden. Das Drama eines Dorfmädchens, das ihr uneheliches Kind tötet, um bei ihrer Hochzeit die traditionelle Brautkrone tragen zu können, weist deutliche Parallelen zu Janaceks Jenufa auf, das nach einem Drama von August Strindberg entstandene Libretto wurde später als Janaceks literarische Vorlage geschrieben, möglicherweise war es Strindberg bekannt.
Obwohl die Handlung für heutige Begriffe aus der Zeit gefallen erscheint, fesselt die Oper doch durch ihre atmosphärische Dichte und starken Charaktere. Rangströms Stil kann man als spätromantisch bezeichnen, aber der zeitweilige Schüler Hans Pfitzners findet auch zu einer moderneren, expressionistischen Tonsprache. Für die drei Hauptrollen, dem Mädchen Kersti, ihrem Liebhaber Mats, und dessen Schwester Brita hat der Komponist äußerst wirkungsvolle Gesangspartien geschaffen, aber auch die Orchesterpassagen und Chöre sind von hoher Qualität. Abgewechselt mit lyrischen Passagen entfaltet sich die dramatische Handlung in vier Akten mit kontinuierlicher Steigerung bis zur Katastrophe des Finales.
Die Aufnahme entstand als Mitschnitt einer konzertanten Aufführung im Opernhaus von Göteborg, die bereits im Jahre 2017 stattfand. Maßgeblichen Anteil am Gelingen tragen die ausgezeichneten Sänger, allen voran Elisabet Strid in der Titelrolle. Die Sopranistin, die inzwischen auch international Karriere gemacht hat, verleiht der Kersti alle Facetten dieses problematischen Charakters, ihr kräftiger, höhensicherer Sopran blüht gleichermaßen in lyrischen, wie dramatischen Passagen wunderbar auf.
Ein adäquater Partner ist der Mats von Markus Pettersson, dessen schön gebildeter Tenor der Figur Profil verleiht.
Katerina Karnéus verkörpert mit sattem Mezzosopran seine Schwester Brita, aber auch die zahlreichen kleinen Rollen sind auf hohem Niveau besetzt.
David Björkman dirigiert das Orchester und den Chor des Göteborger Opernhauses, er realisiert die Partitur mit großem Stilgefühl und Temperament.
Am Ende ist man von der Qualität des Werkes überzeugt, und würde sich eine szenische Aufführung auch auf deutschen Bühnen wünschen. Ist die Handlung auch der Entstehungszeit geschuldet altmodisch, die Musik ist es keineswegs.
Peter Sommeregger, 27. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at