DIE SONNTAG-PRESSE – 5. JULI 2026

DIE SONNTAG-PRESSE – 5. JULI 2026

Sophie Rennert (Claire Zachanassian), Ludwig Mittelhammer (Alfred Ill), Ensemble, Chor und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Markus Tordik

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 5. JULI 2026

München
„Der Besuch der alten Dame“ zieht mich in den Abgrund der moralischen Hölle
Gute Unterhaltung! Auch. Schöpft zugleich das Potenzial voll aus, mich zum Nachdenken zu bringen. Über die Zeit, in der ich lebe. Über meinen moralischen Kompass. Wie schmal der Grat ist: schwupps! ist die Moral in die Tonne getreten. Die Musik wühlt auf, die Stimmen gefallen, alle! Das Duo Mezzo Sophie Rennert und Puppenspielerin Manuela Linshalm machen mir die gnadenlose Claire Zachanassian höchst lebendig.
Von Frank Heublein
Klassik-begeistert.de

Zürich
Nicht alle machen es so gut, doch Così fan tutti in Zürich
Das „e“ aus Così fan tutte streicht Don Alfonso, der eins der höhnischsten Experimente der Opernliteratur angezettelt hat, in der Schlussszene selbst weg und ersetzt es durch ein „i“. Damit wird das weibliche „tutte“ (alle Frauen) zum generischen oder maskulinen „tutti“ (alle Menschen oder alle Männer, wahlweise). Und wie machen es alle? Na so eben. Wenn es denn wahr wäre! So gut wie bei der Wiederaufnahme am Opernhaus Zürich erlebt man die „Così“ nämlich selten.
Von Sandra Grohmann
Klassik-begeistert.de

Aix-en-Provence
Neue Oper in Aix-en-Provence: „Accabadora“ von Francesco Filidei
Sendung „Fazit“. Audio von Jörn Florian Fuchs (7,38 Minuten)
deutschlandfunk.de

Wien/Heumark
Sa., 4. Juli 2026: WIEN (Wiener Opernsommer am Heumarkt): Georges Bizet, Carmen
Seit 2024 gibt es den „Wiener Opernsommer“, und nachdem 2024 am Oberen Belvedere „Don Giovanni“ gespielt wurde und 2025 am Heumarkt „La traviata“, kann man heuer – ebenfalls am Heumarkt (genauer gesagt: am Areal des Wiener Eislaufvereins) „Carmen“ besuchen. Ich hatte ja aus mehreren Gründen keinesfalls vor, dieser Produktion einen Besuch abzustatten, doch es kam anders. Um es kurz zu machen: Ich kenne wen, der wen kennt … und so wurde ich gefragt, ob ich eine sehr stark verbilligte Regiekarte kaufen und mitkommen wolle. Das tat ich, aber ich ahnte, worauf ich mich einließ.
forumconbrio.com

Wien
Neuer Chef des ORF-Orchesters: „Wir sind kein Luxusartikel“ (Bezahlartikel)
Markus Poschner startet als Chefdirigent – und mal wieder steht die Zukunft des Orchesters zur Debatte. Dieses habe aber „kein Ablaufdatum“, sagt er.
Kurier.at

Pop bis Oper beim Filmfestival vorm Rathaus
Auf dem Wiener Rathausplatz startet heute Abend das 36. Filmfestival. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Auswahl von „legendären Konzerten, herausragenden Opernproduktionen sowie unvergesslichen Musikproduktionen“, heißt es in der Ankündigung.
wien.orf.at

Grafenegg
Elīna Garanča: „Klassik unter Sternen“ mit der nächsten Generation (Bezahlartikel)
Elīna Garanča präsentierte ihre besten Zukunftsstimmen im Schlosspark von Grafenegg.
Kurier.at

Erl/Tiroler Festspiele
Tiroler Festspiele Erl: Starke Frauen, zwingende Stimmen
Die Tiroler Festspiele Erl haben Freitagabend mit Hector Berlioz’ „Cléopâtre“ und Giacomo Puccinis „Suor Angelica“ eine musikalisch hochkarätige, in ihrer szenischen Verknüpfung jedoch nicht durchgehend zwingende Opernpremiere gefeiert. Deborah Warners Neuinszenierung rückte im ausverkauften Festspielhaus zwei von Verlust, Schuld und Ausgrenzung geprägte Frauenschicksale ins Zentrum. Vor allem Véronique Gens beeindruckte als Kleopatra mit vokaler Intensität.
vol.at

„Eigentlich ist es wie eine kleine Oper“

Véronique Gens bei den Tiroler Festspielen Erl. Im Interview spricht sie über Berlioz’ „La mort de Cléopâtre“ und die emotionale Kraft der Musik. Nur gut 20 Minuten dauert Hector Berlioz’ „La mort de Cléopâtre“ – doch für Sopranistin Véronique Gens steckt in dieser Kantate die emotionale Wucht einer ganzen Oper. Im Gespräch mit BR Klassik erzählt sie, warum sie die Sterbeszene jedes Mal neu erlebt, wie Berlioz die Geschichte allein durch seine Musik erzählt und wie die Inszenierung in Erl Cleopatras Einsamkeit zeigt.
BR-Klassik.de

Glanzvoller Auftakt der Tiroler Festspiele Erl Sommer 2026
Mit einem gefeierten und vom Publikum begeistert aufgenommenen Eröffnungskonzert sind die Tiroler Festspiele Erl am 2. Juli in die Sommersaison 2026 gestartet. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger eröffnete die Festspiele mit einem eindringlichen Plädoyer für ein starkes, gemeinsames Europa und unterstrich die verbindende Kraft von Kunst und Kultur über Grenzen hinweg. In die selbe Kerbe schlug Eröffnungsrednerin Maria Berger, ihres Zeichens ehemalige Abgeordnete zum Europäischen Parlament, Justizministerin und Richterin am Europäischen Gerichtshof, die ein Plädoyer für die Verteidigung des „European Way of Life“ hielt. Landeshauptmann Anton Mattle unterstrich in seinen Grußworten die Wichtigkeit der Regionen in Österreich und Europa.
tiroler-festspiele.at

München
Kurioses zu 30 Jahre Oper für alle in München
Wie die Fußball-WM der Oper dazwischenfunkte. Wer stand an seinem Geburtstag bei Oper für alle auf der Bühne und was hatte die WM in Südafrika damit zu tun? Jonas Kaufmann. Er sang am 10. Juli 2010 den Cavaradossi in Luc Bondys „Tosca“. Das Publikum auf dem Platz sang ihm beim Schlussapplaus ein Ständchen. Eigentlich wollte Kaufmann an seinem 41. Geburtstag nicht auftreten, und Oper für alle sollte deshalb ausnahmsweise am Sonntag, 11. Juli, stattfinden. Weil das allerdings der Tag des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft war, blieb es bei Samstag. So waren alle etwas abgelenkt, vor und hinter der Bühne, denn Deutschland spielte mal wieder um Platz 3 und siegte in Südafrika 3:2 gegen Uruguay.
SueddeutscheZeitung.de

Enttäuschender „Macbeth“ bei den Opernfestspielen im Nationaltheater (Bezahlartikel)
Warum die Aufführung von Giuseppe Verdis Shakespeare-Oper mit Asmik Grigorian und Gerald Finley nur halb überzeugte.
MuenchnerAbendzeitung.de

München/Gaertnerplatz
Kritik „Der Besuch der alten Dame“ in München: Mörderisch und packend

Die Oper „Der Besuch der alten Dame“ zeigt in München, wie Gier Moral zerfrisst. Am 3. Juli war Premiere am Staatstheater am Gärtnerplatz. Als Hure verurteilt und verstoßen wurde Klara vor fünfundvierzig Jahren zu Claire, die einen Milliardär geheiratet hat und nun stinkreich und voller Rachegelüste als blutrot gewandete Klappmaulpuppe zurückkehrt. Ihren schwarzen Panther hat sie ebenfalls dabei. Diese beiden von Nikolaus Habjan designten Puppen ziehen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich und passen perfekt zum großartigen Dürrenmatt-Text. Der beschreibt detailliert und in dieser Neuproduktion bestens verständlich Claires Entwicklung von der Liebenden zum Unmenschen, ja zur höllischen Figur.
BR-Klassik.de

Gottfried von Einem „Der Besuch der alten Dame“ : Finanzkraft kauft Weltordnung
Erschreckend aktuelles Musikdrama im Münchner Gärtnerplatztheater. Kunst als Seismograph – das hat sich in vielerlei Werken erwiesen: Es wurde Realität, was da als visionärer Aspekt gezeigt, beschworen oder entlarvt worden war. Als nach 1956 Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ die deutschsprachigen Bühnen eroberte, wirkte das Drama wie eine böse Wirtschaftswunder-Groteske. Gottfried von Einems Vertonung von 1971 war der Musikkritik zu wenig zeitgenössisch „modern“. Der Festspielbeitrag von Münchens anderer Oper erschreckte nun …
NeueMusikzeitung/nmz.de.kritik

Bayreuth
Katharina Wagner entschuldigt sich für Absage an Friedman
Die Intendantin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, begründet die Absage einer Gedenkveranstaltung mit dem Publizisten Michel Friedman mit einem «hausintern erheblichen Kommunikationsdefizit» und spricht von einer «fatalen Fehleinschätzung».
nau.ch.news.katharina.wagner

Aix-en-Provence
Auferstanden aus Ruinen
Das Festival in Aix-en-Provence startet mit einer Neuproduktion von „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Zwar gelingt Regisseur Clément Cogitore ein optischer Auftakt-Coup, allerdings entpuppt sich die erhoffte Opernfantasiewelt als nur phasenweise mitreißend.
DeutscheBuehne.de.zauberfloete

Mozart im Zauber des Aufschwungs
Festival d’Aix-en-Provence: Filmkünstler Clément Cogitore überzeugt mit einer stringent erzählten „Zauberflöte“ ohne bunten Übermut. Die Hauptrollen sind erstklassig besetzt. Das laue, mitunter wackelige Dirigat von Leonardo García-Alarcón enttäuscht.
https://www.krone.at/4205615

Paris
Giftige Bleikonzentrationen in Pariser Oper „Palais Garnier“ verzögern Renovierung
Der Fund von giftigen Bleikonzentrationen im historischen Pariser Palais Garnier bringt den Zeitplan für die Renovierungsarbeiten der Oper durcheinander – das berichtet die Zeitung „Le Figaro“. Ursprünglich waren für die Arbeiten zwei Jahre geplant, nun werden für die Renovierung mindestens fünf Jahre veranschlagt. In dieser Zeit will die Pariser Oper ein Programm außerhalb des Hauses anbieten. Das Palais Garnier wurde 1875 eröffnet und war Inspiration für Gaston Leroux’ Roman „Das Phantom der Oper“ aus dem Jahr 1910.
deutschlandfunk.de.bleikonzentration

Links zu englischsprachigen  Artikeln

Potsdam
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2026 Review: Il Trionfo del Tempo e del Disinganno
A Spiritual Metamorphosis on a Thunderous Night
operawire.com.musikfestspiele

München
Bayerische Staatsoper 2025-26 Review: Turandot
https://operawire.com/bayerischer-staatsoper-2025-26-reivew-turandot/

London
Pappano’s mixed Tristan at the Barbican
https://operatoday.com/2026/07/pappanos-mixed-tristan-at-the-barbican/

Glyndebourne
Glyndebourne’s Billy Budd makes a welcome return, fresh and devastating as ever
bachtrack.com.de.review

San Francisco
Ma queer immortelle
San Francisco Opera hosts an exuberant tribute to queerness past and present.
https://parterre.com/2026/07/01/ma-queer-immortelle/

At SF Symphony, Chloé Van Soeterstède Needs More Time to Impress
On Wednesday, July 1, it meant a bill of 19th century music. French conductor Chloé Van Soeterstède made her Symphony debut.
sfcv.org.articles.symphony

Melbourne
The Coronation of Poppea (Victorian Opera)
Monteverdi’s opera of ancient Rome gets an exciting makeover courtesy of the 1983 film Scarface and Elena Kats-Chernin’s new orchestration.
https://limelight-arts.com.au/reviews/the-coronation-of-poppea-victorian-opera/

An updated Poppea crowned in Melbourne
bachtrack.com.de

Recordings
Q & A: Freddie de Tommaso on Recording ‘Marina’ & World Premiering a Verismo Opera
In 1888 Umberto Giordano wrote a single act opera with which to enter a competition. Despite its moderate success, the opera was quickly forgotten and was lost to the archives.In February of this year, the unearthed opera, “Marina,” was recorded live at Milan’s Teatro Dal Verme,
operawire.com.freddiedetommaso

Donizetti Songs Vol. 8 (Nicola Alaimo, Carlo Rizzi)
Opera Rara’s definitive Donizetti song-collection reaches its finale.
https://limelight-arts.com.au/reviews/donizetti-songs-vol-8-nicola-alaimo-carlo-rizzi/

Houston Grand Opera Captures the Grandeur of Florencia en el Amazonas
Thirty years after its Houston world premiere, the late Daniel Catán’s irresistibly lush, über romantic grand opera, Florencia en el Amazonas, has now received its second complete audio recording.
sfcv.org.articles

Ballet / Dance

Review: Balanchine’s A Midsummer Night’s Dream – magic, mischief and romance in Rome
https://www.gramilano.com/2026/07/review-balanchine-a-midsummer-nights-dream/

Interview: León and Lightfoot at The Royal Ballet – life, age, and change… a very beautiful message
https://www.gramilano.com/2026/07/interview-leon-and-lightfoot-royal-ballet/

Rock/ Pop

Wien
Die Donauinsel bebt – und Hunderttausende feiern
Das 44. Donauinselfest ist voll im Gange und steuert jetzt auf seinen Höhepunkt zu. Am zweiten Festivaltag drehte sich am Eiland alles um Sport, Action und unvergessliche Musikhighlights. Bei großartiger Stimmung. Die „Krone“ meldet sich von der Insel.
https://www.krone.at/4206652

Madonnas neues Album: Auf „Confessions II“ tanzt sie zurück in die Zukunft
Der Pop-Queen glückt ihr bestes Album seit mehr als 20 Jahren. In 16 Songs zelebriert sie Tanzmusik als Möglichkeit zur Transzendenz – und klingt dabei so frisch wie eh und je.
DiePresse.com.madonna

Sprechtheater

Reichenau/NÖ
Hölle des Kriegs, Friede als Traum im Südbahnhotel
Für Tolstois Zweitausendseiter „Krieg und Frieden“ haben sich die Festspiele Reichenau im Südbahnhotel auf dem Semmering eingemietet. Mit bestem Gewinn!
https://www.krone.at/4206686

„Krieg und Frieden“ bei den Festspielen Reichenau: Packendes Theater (Bezahlartikel)
Den Festspielen Reichenau ist mit der monumentalen Inszenierung von Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ im Südbahnhotel ein Coup geglückt. Das liegt vor allem an großem Schauspiel.
DiePresse,com.kriegund frieden

Perchtoldsdorf bei Wien.sommerspiele
Till Eulenspiegel als schlechter Theaterscherz
Blutiges Schlachten und grausame Hexenverbrennung statt kindlicher „Till Eulenspiegel“-Streiche bei den 50. Sommerspielen Perchtoldsdorf. Alles andere als eine leichte Sommerkomödie, bei der auch der brillante Fabian Krüger hoffnungslos untergeht.
https://www.krone.at/4205394

„Till Eulenspiegel“ in Perchtoldsdorf: Folterknechte und Freiheitskämpfer (Bezahlartikel)
Intendant Alexander Paul Kubelka überhebt sich mit einem überambitionierten „Till Eulenspiegel“ bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf.
Kultur.at.sommerspiele.perchtoldsdorf

Politik

Österreich
Den Arbeiterkammern geht es finanziell richtig gut – die Beiträge bleiben aber gleich hoch
Die Arbeitnehmervertretung hat im Vorjahr 49 Millionen Euro Gewinn gemacht und will damit ihre Immobilien sanieren.
DiePresse.com.arbeiterkammern

Sport

Silverstone/Formel 1 – Auto-Rennsport
Die Poleposition in Silverstone geht an WM-Leader Antonelli
Der Italiener zeigt, dass er in beneidenswerter Form ist. Antonelli war sowohl im Sprint als auch im Qualifying der Schnellste. Kimi Antonelli holte die Poleposition für den Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien in Silverstone am Sonntag (16.00/live ORF 1, Sky). Der WM-Leader war nach seinem Sieg im Sprintrennen auch vier Stunden später im Qualifying von der Konkurrenz nicht zu biegen und fuhr in 1:28,111 Minuten die Bestzeit. Hinter dem Mercedes-Jungstar aus Italien belegten die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton die Ränge zwei und drei.
Kurier.at.motorsport

Fußball-WM
Co-Gastgeber out! Marokko beendet Kanadas WM-Traum
Azzedine Ounahi beendete fast im Alleingang Kanadas WM-Abenteuer im Achtelfinale. Der Marokkaner erzielte beim 3:0-Sieg gegen den Co-Gastgeber einen Doppelpack.
https://www.krone.at/4204937

Elfer hat‘s gerichtet. 1:0! Frankreich ringt DFB-Schreck Paraguay nieder
Was für eine Fußball-Schlacht, was für ein von Emotionen und unbändiger Leidenschaft geprägtes Spiel: Frankreich hat seine Anwartschaft auf den Gewinn des Titels bei der 23. Fußball-WM der Geschichte mit dem Aufstieg ins Viertelfinale untermauert! Kylian Mbappé und Co. mussten gegen Deutschland-Schreck Paraguay vor rund 69.000 Zuschauern in Philadelphia zwar hart kämpfen, sie siegten am Ende aber dank eines Elfers mit 1:0 …
https://www.krone.at/4204952

Fußball-WM
WM-Analyse: Warum das ÖFB-Team nicht alle Hoffnungen erfüllte
Das ÖFB-Team blieb hinter so manchen Erwartungen zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Kurier.at.warum.nur,warum?

.——————–

Unter’m Strich

Wer ist sie? Powerfrau brachte Österreich den Ball vorm WM-Aus
Noch vor dem Abschied von David Alaba und Co. von der Weltmeisterschaft flimmerte eine echte Powerfrau über die heimischen Bildschirme. Denn Ilona Maher durfte den offiziellen Spielball für Österreich – Spanien zum Mittelkreis des SoFI Stadium tragen. Aber wer ist die US-Amerikanerin überhaupt? Ilona Maher ist eine US-amerikanische Rugbyspielerin. Sie gehört sowohl dem Aufgebot der US-amerikanischen Siebener-Rugby-Nationalmannschaft als auch der Rugby-Union-Nationalmannschaft der Frauen an. Mit dem Siebener-Rugby-Team gewann sie die Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Wikipedia
https://www.krone.at/4204768

Wien/ Donauinsel
Politik gegen Kirche: „Wilder Glaubenskrieg“ am Wiener Donauinselfest
Bürgermeister Michael Ludwig und Erzbischof Grünwidl zeigen sich am Wiener Donauinselfest in bester Laune. Sommer, Sonne und gute Musik mussten über eine kleine Unstimmigkeit hinwegtrösten.
https://www.krone.at/4206945

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 4. JULI 2026)

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 4. JULI 2026)

Quelle: onlinemerker.com

Wiener Staatsoper: Sommerpause

sommerp

Liebes Publikum!

Wir verabschieden uns nach der gestrigen letzten Vorstellung der Saison 2025/26 in die Theaterferien & schließen im Juli & August unsere Pforten (Führungen werden durchgehend angeboten).

Allen, die auch im Sommer nicht auf Oper verzichten möchten, empfehlen wir einen Besuch beim Film Festival am Rathausplatz beim »Opern-Sonntag«. Hier finden Sie Details zum Programm: www.filmfestival-rathausplatz.at

Auf unserer Website finden Sie die Sommeröffnungszeiten der Bundestheaterkassen sowie des Bestell- & Abo-Büros: www.wiener-staatsoper.at/oeffnungszeiten/

Wir wünschen allen einen schönen Sommer 🌞 & freuen uns darauf, Sie bald wieder begrüßen zu dürfen! ✨ Im Haus am Ring starten wir am 4. September mit »Don Carlo« in eine spannende Saison 2026/27.

Liebe Grüße

Ihr Team der Wiener Staatsoper
______________________________________________________________________________________

4.7.2026: BURGHOF KLAGENFURT – REZITAL ELENA STIKHINA

stikhin
Elena Stikhina. © Anastasia Cherkaschina

Es ist für das musikbegeisterte Publikum in der sogenannten „Provinz“ immer eine besondere Freude, wenn sich veritable Stars der großen internationalen Bühnen live präsentieren, wie in der zurückliegenden Saison des Klagenfurter Stadttheaters zuerst Juan Diego Florez und zuletzt Elina Garanca – und nun im Rahmen der Reihe „Klassik in Klagenfurt“ (samstags um 11.00 Uhr) die russische Sopranistin Elena Stikhina, eine der am meisten beschäftigten Künstlerinnen ihres Fachs, wie etwa ein Blick in die kommende Saison der Wiener Staatsoper zeigt, wo sie als Elisabetta (Don Carlo), als Lisa (Neuproduktion Pique Dame) und als Puccinis Manon angekündigt ist.

In Klagenfurt hatte sie sich freilich keine Arien, sondern ein anspruchsvolles Programm aus Liedern von Richard Strauss (op. 10 und op. 27) und – nach der Pause – von Pjotr Iljotsch Tschaikowski sowie von Sergej Rachmaninow vorgenommen. Wobei sich natürlich immer die schwierige Frage stellt, ob dezidierte Opernsänger im Liedfach reüssieren können (der positiven Beispiele gibt es nicht allzu viele): am ehesten wohl ohnehin bei Strauss, dessen Lieder auch in der schlankeren Klavierfassung besser in einer an Opern gewöhnten Kehle liegen als etwa Schubert, Brahms oder Wolf.

Dass der sprichwörtliche Funke dennoch nicht so recht überspringen mochte, mag unter anderem daran gelegen haben, dass die Acht Lieder op. 10 für einen sonnigen Samstag-Vormittag doch recht melancholische, ja „herbstliche“ Töne anschlagen (man denke nur z.B. an „Geduld“, „Die Zeitlose“ oder überhaupt „Allerseelen“). Zudem war die Sängerin vor der Pause hörbar damit beschäftigt und darauf bedacht, dass ihr die vokalen „Pferde“ nicht durchgehen, blieb im musikalischen Ausdruck sowie in der Mimik verhalten, war textlich kaum verständlich und insgesamt über weite Strecken auf das Tablet vor sich angewiesen. Die für die Ehefrau des Komponisten zur Hochzeit geschaffenen Vier Lieder op. 4 mit ihrer tendenziell dramatischeren Anlage fielen ihr leichter, wenngleich man sich gerade deshalb von der Operndiva durchaus mehr Fülle im Vortrag erwartet hätte und auch hier den Stücken inhaltlich nur folgen konnte, wenn man die Kenntnis der Texte bereits mitbrachte. Überhaupt wollte die Tatsache, dass nur eine – im Detail nicht einmal vollständige – Aufstellung des Programmablaufs auflag, aber keine Texte zu den Liedern erhältlich waren (noch dazu, wo die zweite Hälfte des Konzerts aus russischen Stücken bestand), nicht recht einleuchten, war damit ein inhaltliches Miterleben der Stücke für den Großteil des Publikums de facto unmöglich.

Als es im zweiten Teil an Werke des russischen Repertoires ging, mit Tschaikowskis „Weshalb?“, „So schnell vergessen“, „O Kind“, „Es war im frühen Frühling“, „Sag mir, wovon im Schatten der Zweige“, „Ob der Tag herrscht“, war es freilich unüberhörbar, dass die aus Lesnoi stammende Sängerin nun sozusagen heimatliches Terrain betrat. Mit stimmiger Körpersprache – teilweise in leidenschaftlichem Gestus, teilweise locker ans Klavier gelehnt, mit anscheinend (der Rezensent beherrscht die russische Sprache nicht, nahm aber deutlicher artikulierte Konsonanten wahr) wesentlich besserer Artikulation und vor allem mit farbenreich strömendem Gesang trug sie die Lieder ihres Landsmannes nicht einfach vor, sondern (er-) lebte sie. In der Arie der Francesca aus Rachmaninows „Francesca da Rimini“ – und ein Stück weit auch in den hoch emotionalen „Frühlingsfluten“ desselben Komponisten – konnte Stikhina schließlich noch ihre opernhafte Seite zeigen und nutzte diese Gelegenheit auch, eine gewisse Tendenz zu einer metallischen Grundierung ihrer Höhe inklusive.

Am Ende standen viele Blumen und eine (sehr) kurze Zugabe, die der nicht vor der bereits herrschenden Mittagshitze flüchtende Teil des Publikums sich noch erklatschte. Wie überhaupt bei dieser Veranstaltungsreihe im 17. Jahr ihres Bestehens die Hitze zu einem zunehmenden Thema wird (das erste Konzert musste kurzfristig gar in die nahe Domkirche verlegt werden). Denn wenn auch große Schirme flächendeckend für Abschattung (nicht unbedingt für Abkühlung) sorgen, so verdecken diese den Blick auf den eleganten Arkadenhof aus dem späten 16.  Jahrhundert, dessentwegen vermutlich seinerzeit die sogenannte Klagenfurter Burg, das ehemalige protestantische Collegium Sapientiae et Pietatis, als Austragungsort gewählt wurde – vor allem scheinen sie akustisch nicht unproblematisch.

Damit musste sich auch Alexandra Goloubitskaia, die engagierte und durch zahlreiche überaus anspruchsvolle Vor-, Zwischen- und Nachspiele reichlich geforderte Begleiterin des Recitals am Klavier, auseinandersetzen, zumal gerade die feineren Nuancen ihres Spiels sich im Raum nur bedingt entfalten konnten. Ihr Intermezzo während der beiden Strauss-Blöcke im ersten Teil, die Klavier-Transkription des finalen Trios aus der Oper „Rosenkavalier“, wurde als technisches Bravourstück kräftig akklamiert, wenn es auch als „Werk“ eher in die Abteilung „Kuriositäten“ einzureihen ist (vor allem im Hinblick auf den mit den zwei Händen eines Menschen quasi uneinlösbaren Anspruch der halbwegs adäquaten Wiedergabe einer der musikalisch reichhaltigsten Szenen der Opernliteratur). Im Übrigen zeigte die Pianistin gemeinsam mit ihrer „Umblätterin“ sehr gute Nerven angesichts einiger übermütiger Windböen, die ihnen zur Unzeit in die Noten fuhren, und angesichts des anscheinend unausrottbaren Handy-Geklingels, unter anderem während des Klavier-Solos zu „Morgen“ (!).

Valentino Hribernig-Körber

________________________________________________________________________________________

Stuttgarter Ballett: „MAYERLING“  2.7.2026  (Wiederaufnahme) – mit Auszeichnung für Jürgen Rose

ball1
Waghalsige Konfrontation: Friedemann Vogel (Rudolf) und Diana Ionescu (Stephanie) im 1.Akt. Copyright: Stuttgarter Ballett

Vor noch nicht einmal zwei Monaten wurde Marcia Haydée anläßlich der x-ten Wiederaufnahme ihres „Dornröschens“ mit dem Petipa Award ausgezeichnet; jetzt anlässlich der Neueinstudierung von Sir Kenneth MacMillans Historienballett um die Tragödie des österreichischen Kronprinzen Rudolf ging der gleiche Preis zum ersten Mal an einen Bühnen- und Kostümbildner, an Jürgen Rose. Am Ende dieser Vorstellung erhielt der 89Jährige diese Ehrung für seine legendären Arbeiten als Ausstatter vieler Ballette seit den Anfängen John Crankos 1961 in Stuttgart, überschüttet mit Jubel von den Zuschauern und den Tänzern auf der Bühne. Den ihm angebotenen Stuhl verweigerte der rüstige Senior und nahm die Laudatio im Stehen entgegen. In gleicher Position richtete er auch seinen Dank an alle, die die Umsetzung seiner Pläne und Entwürfe überhaupt erst ermöglicht haben, an die Aktiven auf der Bühne, die seine Kreationen zum Leben erweckt und nicht zuletzt an das Publikum, das sein Werk inspiriert und begeistert aufgenommen hatten. Allein für seine akribisch genaue und in mehreren Jahren vorbereitete neue Ausstattung von MacMillans 1978 beim Royal Ballet uraufgeführtem Ballett hätte Rose eine Ehrung verdient gehabt. Vor diesem mit soviel Liebe und Begeisterung geschaffenen Kunstwerk müßten alle Vertreter seiner Zunft auf die Knie gehen.

Nicht allein die bewundernswerte Verquickung von historischer Authenzität und erforderlicher tänzerischer Tragbarkeit, auch die dadurch erzielte Förderung einer transparenteren Sichtbarmachung der komplexen Choreographie bilden eine Krönung von Roses Lebenswerk.

Für die nach vier Jahren Pause angesetzte Neueinstudierung kam der ehemalige Erste Solist und Publikumsliebling Robert Tewsley als Abgesandter des MacMillan Trusts zur Leitung der Proben nach über zwanzig Jahren erstmals wieder an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Im Vergleich zur Premiere im Frühjahr 2019, die in der ersten Spielzeit des  Intendanten Tamas Detrich den bedeutendsten Repertoire-Zuwachs seiner jüngst verlängerten Amtszeit markierte, sind Korrekturen an von MacMillans intendierter, einem Film gleichender Aktion der Tänzer ebenso sichtbar wie die musikalischen Tempi vor allen in den Szenen-Überleitungen und bei mehr spielerischen Vorgangs-Illustrierungen hörbar beschleunigt. Mit dem Ergebnis, dass die Vorstellung eine Viertelstunde früher beendet ist als zuvor. Das darf durchaus als Frischzellenkur bewertet werden, zumal sich Langeweile zu keinem Zeitpunkt einstellte. Guillermo Garcia Calvo, der bereits Folge-Aufführungen der Wiener Premiere 2008 mit Tewsley als Rudolf geleitet hatte, ließ mit dem animiert zupackenden Staatsorchester Stuttgart  das dramaturgisch geschickte Konglomerat aus symphonischen Dichtungen und instrumentierten Klavier-Kompositionen von Franz Liszt in aller Farbigkeit und spannenden Verdichtung aus leitmotivartigen Melodien zum ebenbürtigen Partner der Choreographie werden.

ball3
Friedemann Vogel (Rudolf) und Elisa Badenes (Mary) in entflammter Todessehnsucht. Copyright: Stuttgarter Ballett

Wie schon bei der Premiere vor sieben Jahren lag das zentrale Gewicht dieser Wiederaufnahme auf Friedemann Vogel als Rudolf. Angesichts seines Alters, in dem die allermeisten Tänzer bereits ihre Bühnenkarriere beendet haben, und der im Grund übermenschlichen Anforderungen dieser Rolle aus technisch/körperlicher Herausforderung und psychischer Intensität kann seine unvermindert gute konditionelle Verfassung und seine bis ins Mark der historischen Figur treffende Anverwandlung nur bewundert werden. Das Schicksal des Kronprinzen aus rücksichtsloser Erziehung, Entfremdung von der Mutter Sisi, erzwungener Heirat, moralischer Verlogenheit beider Elternteile, Bespitzelung durch die Politik und Unterdrückung eigener Interessen entwickelt er mit einer bestechenden Eindringlichkeit und fast beängstigenden Identifikation bis zum vom Drogenkonsum intensivierten Verfall und schließlich gemeinsamen Selbstmord mit Mary Vetsera. Schonungslos legt die vollendet erweiterte neoklassische Choreographie seine Befindlichkeiten offen und lässt in bis zum Rausch führenden, teils heftigen Pas de deux-Verschlingungen die Emotionen der Beteiligten aufeinander prallen. Dabei bewahrt Vogel durchgehend eine Grundhaltung der Noblesse seines Standes und zeigt in den Auseinandersetzungen mit gleich sechs Damen eine enorme Flexibilität und Wandlungsfähigkeit vom gelangweilten Hof-Etiketten-Befolger bis zum leidenschaftlich Liebenden. Am Ende stellt sich da wirklich die Frage: „Wie weit darf ein Künstler in eine andere Rolle hineinschlüpfen ohne sich selbst zu zerstören?“.

Die wichtigste Frau an seiner Seite wird die minderjährige Baronesse Mary Vetsera, der Elisa Badenes wieder glaubhaft flammende Begehrlichkeit und romantisierte Todessehnsucht einverleibt,  sich mit Leichtigkeit und Risikofreude Rudolf hingibt und sich in teils halsbrecherischer Weise um seinen Körper wickelt.

Spürbar knistert es immer noch zwischen ihm und der einst geliebten Cousine Gräfin Larisch in der starken, auf leise Art die Intrigantin durchscheinen lassenden Gestaltung  durch die auch hier ihre Wärme und und ihren damenhaften Charme spielen lassenden Rocio Aleman.

ball2
Sisis Amouren: Miriam Kacerova mit Roman Novitzky als Colonel „Bay“ Middleton. Copyright: Stuttgarter Ballett

Von der Premiere dabei ist auch Miriam Kacerova, die Sisi eine in sich ruhende Persönlichkeit mit kühler Noblesse gegenüber ihrem Sohn gibt, aber im Pas de deux mit ihrem Geliebten Colonel „Bay“Middleton (Roman Novitzky mit humoriger Note) auch ihre Gefühle offenbart.

Im fast kriminell ausartenden Hochzeitsnacht-Pas de deux besticht Diana Ionescu als einerseits zart besaitete, aber auch um Mut und Stärke kämpfende Prinzessin Stephanie. Beim Hochzeitsball hat Rudolf noch mit ihrer Schwester Louise geflirtet, als die Abigail Willson-Heisel  auf sicherer Spitze ein Wechselbad aus irritierender und berührter Reaktion veranschaulicht.

Die Halbweltdame Mizzi Kaspar, mit der Rudolf eine vertrauensvolle Beziehung führt, ist in der neuen Besetzung mit Solistin Mizuki Amemiya  eine feine, durchaus verführerische Variante, auf die auch die vier ungarischen Offiziere, die Rudolf versuchen für politische Zwecke zu gewinnen,, ein Auge geworfen haben. Henrik Erikson, Martino Semenzato, Fabio Adorisio und Satchel Tannerunterstreichen ihre Bestrebungen mit ausgewogen starker Sprung-Präsenz und Charakter-Profil.

Adhonay Soares  sorgt als Rudolf unterhaltender Leibfiaker Bratfisch mit Lockerheit und weich wendiger Beinarbeit für Aufheiterung. Clemens Fröhlich  tritt als nunmehriger Charakterdarsteller in große Fußstapfen und besteht seinen Einstand als Kaiser Franz Joseph mit tadelloser  Haltung zwischen Strenge und Gemüt.

Alle weiteren Beteiligten in kleineren Rollen (Sonja Santiago als Marys Mutter, Edoardo Sartori als Kammerdiener Loschek, Angelika Bulfinsky als Erzherzogin Sophie, Rolando D’Alesio als Ministerpräsident, Maria Theresa Ullrich als des Kaisers Geliebte Katharina Schratt, Daniele Silingardi als Graf Hoyos, Irene Yang und Fernanda Lopes als Stephanies Schwestern sowie das Corps de ballet in diversen Rollen als Ball-Gäste, Kammermädchen, Diener und Dirnen trugen zur Geschlossenheit dieser Aufführung bei, die in ihrer Dichte einen der herausragenden Abende des Stuttgarter Balletts ermöglichte und intensiviert durch Jürgen Roses Ehrung in ausgelassener Feierlaune zu komplett stehenden Ovationen endete.

Udo Klebes

________________________________________________________________________________________

Burg Rothenfels Oberwölz/Schweiz

KULTURSOMMER 2026

diva_
_____________________________________________________________________________________

Wiener Opernsommer (Heumarkt)

carso

Ja, es sind Sommerproduktionen, die nun schon zum dritten Mal im sonst opern- und konzertlosen Juli in Wien stattfinden, aber es sind Produktionen, die im Niveau nicht zu unterschätzen sind – im Vorjahr konnte man zum Beispiel Liparit Avetitsian als Alfredo erleben, heuer ist es vor allem Isabel Leonard in der Titelrolle, die uns die Zeit zwischen Hasan und Grigorian überbrücken lässt. Aber der Reihe nach.

Joji Hattori als Intendant, Dirigent (und Gastronom, aber anders als Herr Holender meint, schickt es sich nicht, ihn auf das schicke Shiki zu reduzieren) ist der unermüdliche Motor dieses Opernsommers und zeigt nach Giovanni und Traviata in diesem Jahr die Carmen. Dass es in Wien nicht ausreichend Carmen-Produktionen gäbe, lässt sich zwar schwerlich behaupten, aber so ein Sommerfestival braucht schon seine Zugpferde. Mit dem ihm bestens vertrauten Wiener Kammerorchester packt Hattori die Partitur beherzt an, kann teils auch sehr schöne Instrumentalsoli bieten (insbesondere Fagott, Englischhorn und auch die Cellogruppe, weniger die Flöte) und fächert Bizets Schönheiten fein auf, was Anlass gibt, auch die Verstärkertechnik des Festivals zu loben (was gerade im Vergleich mit dem Praterpicknick der Wiener Symphoniker auffällt, wo zwei Riesenlautsprecher am Vortag [und zeitgleich] einen dröhnenden Einheitsbrei auf das Publikum warfen). Orchestral also gut und weit weg von Peinlichkeit.

Die Regie bietet erst recht Sommertheater, nutzt geschickt den Heumarkt für Aufmärsche, spart nicht an Ballett, führt die Personen fantasievoll und ist insgesamt so traditionell, dass man Dominik Am Zehnhoff-Söns auch für seinen Mut gratulieren muss, es so zu machen, „wie es gehört“. Zumindest als Sommertheater passt dies gut und kann neues und touristisches Publikum unverschreckt und nicht mehr ganz junge Opernstammgeher mit sanften Pflastern auf riegiegeplagten Wunden in die Spielplanpause entlassen. Bühnenbild und Projektionen von Manfred Waba, dem Großmeister der Freiluftopernproduktionen samt sehr traditionellen Kostümen fügen sich beeindruckend ein, besonders wenn sich die Seitenfassade des Konzerthauses im dritten Akt zur wilden andalusischen Berglandschaft wandelt. Eine wirkliche Konzession an das Segment, das nicht Stammpublikum ist, sind nur die – nicht überkandidelten, teils durchaus informativen – Kommentare eines als Bizet verkleideten Darstellers. Im Vorjahr hatte sich Karls Markovics Rauschebart in jenen Verdisverwandelt, diesmal klebt ein Schwarzbart an Hosea Ratschiller, nicht eben ganz das gleiche Kaliber, der sich der Aufgabe aber immerhin unpeinlich entledigt. Der Chorpart liegt dem Philharmonia Chor Wien gut, auch wenn da zum Volks- und zum Staatsopernchor doch vor allem in den Frauenstimmen eine größere Lücke klafft. Der Kinderchor ist herzig – was denn auch sonst.

Oreste Cosimo Tenore (@orestecosimotenore) • Facebook
Oreste Cosimo (Don José9. Foto. Facebook

Bleiben die Darsteller, allen voran Isabel Leonard. Da sie einen eher hellen, lyrischen Mezzo hat, muss sie sich die Carmen doch mehr erkämpfen als es einer Starbesetzung ansteht. Auch darstellerisch findet sie – offenbar um eine besonders entspannte Darstellung bemüht – noch nicht den Weg zu einer wirklich faszinierenden Titelheldin. Deutlich mehr Engagement bring Oreste Cosimo als Don José ein, der sich so richtig in die Rolle wirft und zur heldischeren Fraktion gehört. Manches klingt da mehr nach Radamès oder Otello, beeindruckt aber durch viel Kraft und intensives Spiel.

Bei den Gegenspielern setzt Daniel Gutmann einen sehr gesunden Bariton ein, auch wenn Escamillo eleganter daherkommen könnte, kommt er mit der Rolle hervorragend klar. Micaela sollte laut Programmheft Nathalie Pena-Comas sein, sah aber aus wie die Alternativbesetzung Gabriela Hrzenjak und überzeugte mit der erforderlichen braven Ausstrahlung und einer feinen Gesangsleistung.

Frasquita war bei Juliette Khalil in süßen Händen und einer der vielseitigsten, wenn auch nicht durchdringendsten Stimmen der Volksoper (Bizet nach nicht nur Lehàr, sondern auch Bonnie Tyler und Céline Dion zu 70 Jahre ESC – schon ein besonderes Phänomen, la pétite Juliette!), Sofiya Almazova ergänzte das Trio der Romni mit sattem Mezzo. Alexander Dimitrov und Leon Mignonneau zeigten das Niveau des in Österreich aufgewachsenen und ausgebildeten Nachwuchses als Zuniga bzw Moralès und Dancaire, Samuel Robertson steuerte als Remendado sehr anständige Tenortöne bei.

Opernfreunde werden einen Besuch einer Folgevorstellung nicht bedauern, selbst die – allerdings wetterbedingt um einen Tag verschobene Première war nicht eben überbucht.

Insgesamt trug Österreich damit am Heumarkt zu einem Triumpf Spaniens bei (und gleichzeitig in LA, aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Robert Fucik

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert