Verona fasziniert mit Zeffirellis opulenter Aida

Giuseppe Verdi, Aida, Franco Zeffirelli Regie  Arena di Verona, 9. August 2026

aida fondazione arena © heads collective

Die überwältigend opulente „Aida“ des legendären Film- Theater- und Opernregisseurs Franco Zeffirelli stellt seit dem 80. Festival in Verona im Jahr 2002 unbestreitbar den Höhepunkt aller Inszenierungen in der grandiosen römischen Arena dar.

Meisterhaft verbindet Zeffirelli das große Spektakel, so wie es diese gigantische Freiluft-Bühne erfordert, mit der berührenden Intimität der Handlung, der unüberbrückbaren Rivalität zwischen der Pharaonentochter Amneris und ihrer Sklavin, sowie dem Dilemma des Heerführers Radamès zwischen Loyalität und Hochverrat aus Liebe.

Giuseppe Verdi     Aida

Regie und Bühne:  Franco Zeffirelli

Kostüme:  Anna Anni
Choreographie:  Vladimir Vasiliev

Dirigent:  Francesco Ommassini
Chor und Orchester der Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona, 9. August 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Rund 10 000 Zuschauer warteten gespannt – ununterbrochen um etwas Kühlung fächelnd – auf den Beginn des großen Spektakels. Doch eine halbe Stunde lang hatten sie vergeblich zu warten, denn das komplexe Bühnenbild war um 21 Uhr noch nicht einsatzbereit und über der dominanten Pyramide schwebte ein Kran, der noch einige Teile des Bühnenbildes zu platzieren hatte, bevor es endlich losgehen konnte. Das Publikum wurde zunehmend unruhig und lautstarker Protest griff um sich.

Als dann der erste Akt begann, stellte sich die zweite Enttäuschung ein: der Weltstar Roberto Alagna hatte in seiner Arie „Celeste Aida“ hörbar Mühe mit den Höhen, er forcierte Spitzentöne und sein Timbre vermochte nicht vollständig zu überzeugen. Der Applaus für den Tenor nach diesem ersten großen Auftritt war denn auch eher verhalten.

Uneingeschränkter Jubel erwartete hingegen die beiden Rivalinnen – die stimmlich ebenso starke wie kontrolliert-ausgewogene Mezzosopranistin Clémentine Margaine in der Rolle der Pharaonentochter Amneris und die herrlich leuchtende und doch zugleich warme Sopranstimme der Aida von Aleksandra Kurzak. Der Amonasro des wie immer meisterhaften Youngjun Park überzeugte mit seinem sonoren Bariton.

aida fondazione arena © heads collective

Hervorragend austariert und ausgewogen mit den Stimmen harmonisierend, diese unterstützend aber nie dominierend, das Hausorchester der Fondazione unter der souveränen Stabführung von Francesco Ommassini. Präzise sowie optisch vollendet Chor und Tänzer.

Das  so überaus aufwendige Bühnenbild mit der mächtigen, sich immer wieder um die eigene Achse drehende Pyramide mit ihren knarrenden quietschenden Drehgeräuschen beeinträchtigte allerdings mitunter den Hörgenuss. Optisch blieb uns Großmeister Zeffirelli nichts schuldig: die Inszenierung war in ihrer Opulenz schlicht atemberaubend, ebenso wie vor zwei Tagen seine großartige „Turandot“.

Besetzung:
Radamès:  Roberto Alagna
Aida:  Aleksandra Kurzak
Amneris:  Clémentine Margaine
Amonasro:  Youngjun Park
Pharao:  Simon Lim
Ramfis, Oberpriester:  Alexander Vinogradov

Dr. Charles E. Ritterband, 11. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Giuseppe Verdi, Aida Festival dell’Arena di Verona, 10. August 2025

Giuseppe Verdi, Aida Arena di Verona Opera Festival, 2. August 2023

Giuseppe Verdi, Aida Arena di Verona, 28. August 2022

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