Esa-Pekka Salonen führt durch sein Land und durch sein Leben

Wiener Philharmoniker und Esa-Pekka Salonen  Musikverein Wien, 26. September 2026

Foto: Esa-Pekka Salonen (c) Patrick Swirc

Anlässlich ihres ersten Abonnementkonzertes eröffneten die Wiener Philharmoniker die Saison 2026/2027 mit einem hervorragenden, fast außergewöhnlichen Konzert. Da befanden sich nicht nur Klassiker wie Debussys „La Mer“ und die fünfte von Jean Sibelius, sondern auch die vierte Symphonie des äußerst selten gespielten Komponisten Witold Lutoslawski – ein Komponist, der lange Zeit Salonen musikalisch begleitete. 

Musikverein Wien, 26. September 2026

Witold Lutoslawski: Symphonie Nr. 4
Claude Debussy: La Mer. Trois Esquisses Symphoniques
Jean Sibelius: Symphonie Nr. 5, Es-Dur op.82

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Esa-Pekka Salonen

von Herbert Hiess

Diese vierte Symphonie des polnischen Komponisten wurde am 5. Februar 1993 unter dessen Leitung uraufgeführt. Es ist seine letzte Symphonie; man kann sagen, es ist eine Art Kompendium seines kompositorischen Lebens.

Nach Aussagen von Esa-Pekka Salonen (er ist selbst Komponist) im Programmheft, pflegten der komponierende Dirigent und der dirigierende Komponist eine tiefe Freundschaft; nicht nur im musikalischen Bereich, sondern viel mehr auch im Leben. So begleiten Lutoslawskis Werke Salonen sein ganze Leben.

Und man spürt auch, mit welcher Hingabe Salonen dieses Werk mit den phantastischen Philharmonikern einstudierte. Das Stück stellt an den Dirigenten und an das Orchester die allergrößten Herausforderungen und dennoch klang es im Konzert vollkommen mühelos

Die Schwierigkeit bei dieser vierten Symphonie ist, dass sie eigentlich ein formloses Werk ist. Nach Angaben des Komponisten ist es zweiteilig; also ein vorbereitender Teil und ein Durchführungsteil. Das ist eigentlich nie zu bemerken. Dieses Werk beginnt sehr verhalten; mit einer sanften Streicherpassage, mit sanften Harfenklängen und einem breiten Klarinettensolo; brillant gespielt übrigens.

Auf alle Fälle waren Orchester und Dirigent das richtige Entrée für den philharmonischen Abonnementreigen.

Esa-Pekka Salonen, (c) Credit: Mike-Ranta/Los Angeles Philharmonic

Danach führten Dirigent und Orchester zu Claude Debussys Darstellung seiner Beziehungen und Gefühle zum Meer. Phantastisch, wie das erklang. Salonen schlug mit aller Präzision diese drei Sätze dieses berühmten Werkes.

Und obwohl so präzis geschlagen, ließ der Maestro den Musikern genug Zeit für die klangliche Entfaltung. Als Beispiel für die vielen klanglichen Kostbarkeiten dieser sei der Übergang zum Schluss erwähnt, wo die philharmonischen Geiger ihre Instrumente in sanfteste Flageoletklänge eintauchten.

Und am Schluß reisten Dirigent und Orchester musikalisch nach Finnland; zur Heimat des Dirigenten. Salonen und die Musiker machten aus dieser Aufführung dieser fünften Symphonie ein wahrhaftes Ereignis.

Wien hat ja mit dieser Symphonie eine beträchtliche Vergangenheit; sowohl Leonard Bernstein als auch Lorin Maazel zeigte, welche Reichtümer und Kostbarkeiten diese Symphonie beinhaltet.

Esa-Pekka Salonen stand dem um nichts nach. Faszinierend, wie er seine Leidenschaft auf das Orchester übertrug. Die Aufführung dieser Symphonie allein machte dieses erste Abonnement-Konzert der Wiener Philharmoniker zu einem Ereignis.

Herbert Hiess, 27. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Orchestre de Paris, Esa-Pekka Salonen, Dirigent Elbphilharmonie Hamburg, 3. September 2025

NDR Elbphilharmonie Orchester, Tamara Stefanovich, Klavier, Dirigent Esa-Pekka Salonen Elbphilharmonie Hamburg, 5. Mai 2023

Wiener Philharmoniker, Tugan Sokhiev, Saisoneröffnungskonzert Musikverein Wien, 13. September 2026 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert