Der philharmonische Lieblingsdirigent begeistert das Wiener Publikum

Wiener Philharmoniker, Tugan Sokhiev, Saisoneröffnungskonzert  Musikverein Wien, 13. September 2026 

Foto: Sokhiev Tugan (c) Patrice Nin

Saisoneröffnungskonzert +++ Musikverein Wien +++ 13. September 2026

Musikverein Wien, 13. September 2026

Die Wiener Philharmoniker sind jetzt eifrigst unterwegs; Konzerte in Wien, Grafenegg und wieder traditionsgemäß in Luzern. Tugan Sokhiev, der derzeitige Lieblingsdirigent der Philharmoniker, beweist wiederum, dass er der völlig richtige Mann als Favorit ist. Das Konzert war phänomenal – wenngleich mit minimalen Abstrichen.

Ludwig van Beethoven:  Leonoren Ouvertüre Nr. 3 op. 72
Wolfgang Amadeus Mozart:  Symphonie g-moll KV 183

Sergej Prokofjew:  Suite aus der Ballettmusik „Romeo und Julia“, op. 64, zusammengestellt von Tugan Sokhiev

Wiener Philharmoniker
Tugan Sokhiev, Dirigent

von Herbert Hiess

Mit einigen Programmen und Spielorten ist das Orchester gemeinsam mit Sokhiev fleißig unterwegs. Traditionsgemäß in Grafenegg (https://klassik-begeistert.de/martha-argerich-tugan-sokhiev-dirigent-asmik-grigorian-wolkenturm-grafenegg-2-3-4-september-2026/), spielten die Musiker dann wieder in ihrer Heimstätte, dem Wiener Musikverein mit der gewohnten Akustik.

Beim Saisoneröffnungskonzert am Sonntag kam ungewohnterweise Hausintendant Stephan Pauly aufs Podium und hielt eine Ansprache, in der er (völlig zu Recht) die neueingeführte Kultursteuer kritisierte. Diese soll ja 12,5 Prozent vom Kartenpreis (mindestens aber 1 EURO) betragen.

Typisch Stadt Wien – anstatt die Kulturinstitutionen zu unterstützen und die Förderungen NICHT zu streichen, sollen vor allem die Kultur-Konsumenten bestraft werden.

Die „Leonoren-Ouvertüre“ war dann in höchster Qualität zu hören. Schon hier bemerkenswert die Holzbläser (allen voran Clemens Horak an der Oboe), der in diesem Programm am meisten zu spielen hat – und das bis zum Schluss unvergleichlich.

Leider fehlte hier wie bei Prokofjew etwas das Sinnliche. Da darf man sich dann doch nicht an die Größen wie Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein erinnern – bei denen war dieses Werk tatsächlich ein Erlebnis.

Danach und vor der Pause hörte man wieder wie in Grafenegg die „kleine“ g-moll Symphonie. Ein gefährliches Werk, das dann doch viele Längen hat (Mozart-Enthusiasten mögen es verzeihen). Da sollte man sich doch überlegen, ob man nicht doch einige Wiederholungen fallen lässt. Höhepunkt war wiederum das Trio im Menuetto. Wie in Grafenegg brillierten hier wieder die Holzbläser bei dieser berührenden Passage.

Als Hauptteil des Konzertes war von der Ballettmusik eine von Sokhiev zusammengestellte Suite von Prokofjews „Romeo und Julia“ zu hören. Auf gewohnte Weise brillant gespielt und von Sokhiev fast schon genial einstudiert. Wunderbar, wie perfekt abgestuft die einzelnen Instrumentengruppen erklangen. So etwas würde man sich öfters wünschen.

Und trotzdem fehlte auf dem Ganzen das sogenannte Obershäubchen. Es war so richtig „straight“ gespielt – bei aller Perfektion fehlten dieser Suite das Sinnliche und auch die berührenden Momente. Irgendwie war es, dass man den Konzertsaal verließ und sich absolut nicht mehr erinnern konnte.

Schade, es hätte ein perfektes Konzert sein können; aber man kann sich sicher sein, dass die Traumpaarung Wiener Philharmoniker / Sokhiev  auch so etwas hinkriegen wird – schließlich wurde der ossetische Dirigent nicht umsonst für das Neujahrskonzert 2027 ausgewählt!

Herbert Hiess, 14. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Hilary Hahn, Violine, Wiener Philharmoniker, Tugan Sokhiev Philharmonie Berlin, 9. September 2026

Wiener Philharmoniker, Yuja Wang, Klavier, Andris Nelsons Großes Festspielhaus, Salzburg, 29. August 2026

Martha Argerich, Tugan Sokhiev, Dirigent, Asmik Grigorian Wolkenturm, Grafenegg, 2./3./4. September 2026

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