Musikalischer Nachwuchs der Spitzenklasse glänzt als Hoffnungsträger

Bundesjugendorchester, Wieland Welzel, Kirill Petrenko,  Philharmonie Berlin 

Foto: wikipedia.de (c)
Philharmonie Berlin, 9. Januar 2019
Bundesjugendorchester
Wieland Welzel Pauke
Kirill Petrenko Dirigent

von Peter Sommeregger

Das Bundesjugendorchester, eine Vereinigung besonders begabter 14- bis 19-jähriger Nachwuchsmusiker, verfügt zu Recht über einen ausgezeichneten Ruf. Es ist das Patenorchester der Berliner Philharmoniker, und wie schon andere berühmte Dirigenten lässt es sich auch der designierte Chefdirigent der Berliner, Kirill Petrenko  nicht nehmen, mit dieser Elite des musikalischen Nachwuchses zu arbeiten, und das Resultat dieser Arbeit im Konzert zu präsentieren.

Das gewählte Programm würde auch für ein arriviertes Orchester eine Herausforderung darstellen: Bernsteins Symphonische Tänze aus der West Side Story sind ein brillantes, äußerst pointiertes Stück, das höchste Präzision erfordert, die ihm hier auch zu Teil wird. Petrenkos straffe Hand ist in dieser Interpretation deutlich zu bemerken, seine exakte Schlagtechnik und seine rhythmische Körpersprache übertragen sich auf die Musiker und führen zu einem äußerst inspirierten Resultat. Ein fulminanter Einstieg!

Als zweites Stück wird das Konzert für Pauken und Orchester des 1923 geborenen Amerikaners William Kraft gegeben. Kraft, selbst viele Jahre als Pauker und Schlagzeuger im Los Angeles Philharmonic Orchestra tätig, weiß nur zu gut um die Eigenheiten seines Instruments und lässt den Solisten alle Register seines Könnens ziehen. Anfangs nur mit den Händen und Fingern, später mit Schlägeln steigender Härtegrade entfesselt der Solist Wieland Welzel ein wahres Feuerwerk. Welzel war einst selbst Mitglied des Bundesjugendorchesters, 1997 wurde er Mitglied der Berliner Philharmoniker. Am Ende des eindringlichen, virtuosen Stückes wird er so stürmisch gefeiert, dass er sich zu einer Zugabe genötigt sieht. Er wählt dafür eine  kurze Eigenkomposition, mit der er sein Können wirkungsvoll unterstreichen kann.

Nach der Pause folgt das Hauptwerk des Abends, Igor Strawinskys Le Sacre du printemps. Diese zwischen 1910 und 1912 entstandene Balletmusik führte bei ihrer Pariser Uraufführung 1913 zu einem ausgewachsenen Skandal. Zu ungewohnt klang dem damaligen Publikum diese Musik, deren hauptsächliches Element der Rhythmus ist. Die äußere Form ist dabei relativ monoton-primitiv, was auch heute noch sensible Ohren verstören kann.

Man findet das Sacre erheblich öfter auf Konzertprogrammen, als auf der Bühne, was vielleicht ein Fehler ist. Die optische, tänzerische Umsetzung dieses Werkes würde dem besseren Verständnis der Musik bestimmt dienlich sein. An diesem Abend jedenfalls spielte das jugendliche Orchester mit einer Hingabe und Begeisterung, die den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Philharmonie immer wieder zu lautem Jubel veranlasste. Kirill Petrenko, der das Zusammenspiel mit der Nachwuchselite sichtlich genoss, trat beim Applaus beispielhaft bescheiden immer hinter den Solisten und dem gesamten Ensemble zurück ,und lenkte entsprechend den Beifall. Mit geschlossenen Augen hätte man niemals geglaubt, ein Orchester von Teenagern zu hören. Eine kurze, fetzige Zugabe von Schostakowitsch krönte schließlich den denkwürdigen Abend. Offenbar muss man sich um den musikalischen Nachwuchs keine Sorgen machen!

Peter Sommeregger, 10. Januar 2019, für
klassik-begeistert.de

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