"Peter Schmoll" im Theater an der Wien: musikalisch ein großer Wurf

Carl Maria von Weber: Peter Schmoll,  Theater an der Wien, 23. Jänner 2019

Foto: Sebastian Kohlhepp ©  Julia Wesely
Theater an der Wien, 23. Jänner 2019
Carl Maria von Weber: Peter Schmoll
Konzertante Aufführung

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: Roberto Paternostro
Peter Schmoll: Paul Armin Edelmann
Martin Schmoll: Thorsten Grümbel
Minette: Ilona Revolskaya
Karl Pirkner: Sebastian Kohlhepp
Hans Bast: Christoph Seidl
Niklas: Johannes Bamberger
Erzähler: Nikolaus Habjan

Charlottes Erzählungen

Wenn der Grazer „Performancekünstler“ (so muss man ihn wohl bezeichnen) Nikolaus Habjan mit seinen selbst gefertigten Klappmaulpuppen auftritt, kann man sich auf interessante Darstellungen freuen, die niemanden kalt lassen. Ob es die einseitige und etwas kindisch-trotzige Verunglimpfung des Dirigenten Karl Böhm (da hätte Herrn Habjan etwas mehr neutrale Recherche auch nicht geschadet) war oder eben jetzt die Erscheinung der Köchin Charlotte bei Webers „Peter Schmoll“ – der Mann kann wirklich was und hat hier mit seiner Bühnenfreundin aus Pappmaché die mehr als banale Handlung der Oper aufgelockert.

Man ärgert sich meistens, wenn die Sänger textundeutlich singen (und hier allen voran die junge Russin Ilona Revolskaya) – bei den Texten von Willy Werner Göttig war das fast ein Segen. Manche Wortschöpfungen erreichen geradezu Peinlichkeitsniveau (Bauer Niklas singt z.B.„Die Eier legt mein Huhn, da hab‘ ich nichts zu tun“).

Auch wenn die Oper niemals einen Platz im Standardrepertoire finden wird, war es phantastisch zu hören, was dem erst 15 Jahre alten (!) Carl Maria von Weber da alles eingefallen ist. Die Uraufführung war erst elf Jahre nach Mozarts Tod (Constanze Aloisia Weber, die Gattin Mozarts war übrigens die Cousine von Carl Maria von Weber) – da schuf der Pubertierende fast eine neue musikalische Welt mit ungewöhnlichen Instrumentierungen (eine Arie mit zwei Piccoloflöten, eine Arie mit Posaune und Piccolo) und verunsicherte fast das Publikum damit. Und wie immer bei Weber war im Orchester alles sehr „bläserlastig“ komponiert. Alles in allem eine hochinteressante und anregende Komposition.

Großartig die Umsetzung durch das ORF Radio-Symphonieorchester Wien (allen voran die Holzbläser und da die Oboe) unter Roberto Paternostro. Der frühere musikalische Assistent Herbert von Karajans dürfte von dem übergroßen Mentor einiges mitbekommen haben. Es war alles sehr stimmig und interessant einstudiert – musikalisch ein großer Wurf.

Die Sänger waren durch die Bank exzellent, wobei der Tenor Sebastian Kohlhepp seine phantastische Stimme voll zur Geltung bringen konnte. Der Abend war nicht nur für das Publikum, sondern sicher auch für die Sänger eine enorme Bereicherung.

Herbert Hies,  24. Jänner 2019, für
klassik-begeistert.at und klassik-begeistert.de

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