Meine Lieblingsmusik, Teil 25: Die wunderschöne Kammermusik von Anton Arensky schlägt mich sofort in ihren Bann.

von Dr. Lorenz Kerscher

Foto: Otkrytoe Pismo Antonij Arensky Postcard – 1910

Klaviertrio d-moll, op. 32 (1894)

Mag sein, dass mir der Name des russischen Komponisten Anton Arensky (1861 – 1906) früher schon einmal begegnet ist, aber seine Musik kannte ich nicht, bis ich bei einem Konzert des Münchner Festivals Stars & Rising Stars im Mai 2019 sein Klaviertrio in d-moll hörte. Schon mit der sich zweimal edel aufschwingenden Melodie des ersten Themas schlug mich dieses Werk sofort in seinen Bann. Eine schöne Cellokantilene folgt als Seitenthema, dann ganz nach klassischem Formideal das Wechselspiel der musikalischen Charaktere in der Durchführung. In der Reprise ziehen die schönen Melodien noch einmal unverändert vorüber, dann verklingt der erste Satz leise und schwermütig mit dem verlangsamten Hauptthema. „Meine Lieblingsmusik, Teil 25: Die wunderschöne Kammermusik von Anton Arensky
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Meine Lieblingsoper 24: Mozarts COSÌ FAN TUTTE

von Peter Sommeregger

Hätte mir jemand in meiner frühen Stehplatz-Zeit an der Wiener Staatsoper prophezeit, Così fan tutte würde eines Tages zu meinen Lieblingsopern zählen, ich hätte ihn ausgelacht. Gerade erst hatte ich die Musikdramen Richard Wagners kennengelernt, schwelgte gleichzeitig in Strauss’schen Kantilenen. Mozart, nun ja, der gehörte natürlich irgendwie dazu, aber als einmal eine Walküren-Aufführung abgesagt werden musste und dafür Don Giovanni angesetzt wurde, war ich richtig verbittert. „Meine Lieblingsoper 24: Mozarts COSÌ FAN TUTTE“ weiterlesen

Meine Lieblingsoper 22: "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss, Teil 2 – schön ist es, eine Oper mit immer reiferen Augen erleben zu dürfen

Wenn zum Schluss  die Stimmen schweigen und das Orchester den wunderbaren symphonischen Schluss spielt, ist die Wirkung bei jeder Aufführung anders. Ein froh machendes, ein beglückendes, manchmal ein selig machendes Erlebnis. Schön ist es, eine Oper mit immer reiferen Augen erleben zu dürfen. Als Fünfzehnjährige(r), Dreißigjährige(r) ist man für viele Dinge noch blind. Kann man als Jugendlicher, um ein Beispiel zu geben, die Aussprache Wotans mit Brünnhilde wirklich schon begreifen. Heute schämen wir uns nicht mehr unsere Rührung zuzugeben, wenn wir in der Schlussszene hören: „Ich sage dir, nun hebt sich erst das Leben an für dich und mich.“

Foto: Jessye Norman. Von Stilfehler – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34696198

von Lothar Schweitzer

Nach Jahren mit Schwerpunkt Tiroler Landestheater war ich ab Beginn der Achtzigerjahre wieder mehr in Wien am Ring zuhause und wieder Gast der „Ariadne“ in der 70. Aufführung einer für mich neuen Inszenierung und Ausstattung von Filippo Sanjust, die unterdessen die gewohnte Gielen-Inszenierung mit Bühnenbild und Kostümen von Stefan Hlawa abgelöst hatten. Ich muss gestehen, es ist mir kaum aufgefallen. Eine neue Sichtweise war für mich nicht herauszufinden. Auslöser kann, wenn ich mir die Besetzungsliste anschaue, nur die Neugierde auf Jessye Norman gewesen sein. Theodor Guschlbauer dirigierte, der inzwischen 76-jährige Bassbariton Erich Kunz sprach den Haushofmeister. Bei meiner ersten „Ariadne“ war es der 69-jährige  Bassbariton Alfred Jerger, seither regelmäßig der Bariton kleiner Rollen Hans Christian. „Meine Lieblingsoper 22: „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss, Teil 2
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Meine Lieblingsoper 21: "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss, Teil 1 – der Abend der Leonie Rysanek

Der Abend des 30. November 1963  bescherte die erste „göttliche“ Ariadne. Wie Leonie Rysanek über die Stimmen der Quellnymphe, der Baumnymphe und des Echos ihre mächtige Stimme erhebt, sie gleichsam in die Schranken weist, war für mich noch nie so erlebt. Es war ihr Abend. Ernst Märzendorfer war der Dirigent.

Foto: Leonie Rysanek hier als Kaiserin in „Frau ohne Schatten“ – Autogrammkarte von klassik-begeistert.de-Autorin Kirsten Liese

von Lothar Schweitzer

Der Familienrat hat es beschlossen. Zwischen den Feiertagen der Weihnachtszeit gehen wir in die Oper. Meine Tante mit Sinn für Ausgefallenes suchte „Ariadne auf Naxos“ aus. Wir füllten fünf der damals sechs Sitze der Loge aus. Ich bin gerade eben zehn Tage Opernfan, aber für  italienisches Repertoire. Jeden Tag hatte ich mir bis zu zehnmal „Una furtiva lagrima“ mit Mario Lanza aufgelegt. Also hörte ich unvorbereitet am 5. Januar 1958 zum ersten Mal Richard Strauss. Ich zeigte mich gelangweilt. Dass eine Anneliese Rothenberger die Najade sang, konnte mich damals nicht beeindrucken und habe es erst jetzt beim Nachschauen im Archiv der Wiener Staatsoper in Erfahrung gebracht. Rudolf Schock, mir aus dem Radio etwas geläufig, war der Bacchus. Ich erinnere mich an eine kleine Stimme im Hintergrund. Rita Streich als Zerbinetta war mir von einer Zauberflöten-Aufführung ein Begriff.

Ein Sänger beeindruckte mich nachhaltig und sein für mich noch unbekannter Name blieb mir im Gedächtnis: Paul Schöffler als Musiklehrer. Ich wurde bald sein Fan (Mathis der Maler, König Philipp, Don Alfonso, Hans Sachs leider nur auf Schallplatte). Da war noch Irmgard Seefried. Sie erhielt nach dem Vorspiel  für ihren Komponisten begeisterten Applaus. Meine Großmutter kommentierte: „Die Jugend. Sie kennt nichts anderes.“ Für sie klang die Stimme zu hart. Am Rande vermerkt: Meine Großmutter gehörte zur Anhängerschaft von Lotte Lehmann versus Maria Jeritza. Wenn uns heute junge Stimmen zu hart vorkommen, denke ich zurück an meine Großmutter und hege den Verdacht, ob dies bei uns nicht eine Alterserscheinung ist. Dirigent war George (György) Szell, ungarischer Abstammung, Leiter des Cleveland Orchestra, das er auf europäisches Niveau brachte. Aber das war mir damals natürlich nicht bewusst. „Meine Lieblingsoper 21: „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss, Teil 1
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Meine Lieblingsoper, Teil 19: „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss. „Mir anvertraut“ – einfach himmlisch!

„Insgesamt bescherte die bislang jüngste  Frau ohne Schatten  unter Thielemann 2019 zum feierlichen Anlass in Wien Sternstunden. Feine Streichergespinste, durchsetzt von zärtlichen Cello-Soli  und filigrane zärtliche Soli der ersten Violine wurden da hörbar und bescherten über weite Strecken ungemein sensitiv dargebotene Kammermusik. In den Momenten der drohenden Versteinerung des Kaisers baute sich die Musik  monumental auf, und das markerschütternd mit Forteklängen von außergewöhnlicher Kompaktheit.“

Bild: Leonie Rysanek als Kaiserin – Autogrammkarte von Kirsten Liese

von Kirsten Liese

Meine Liebe zu diesem Werk entdeckte ich 1975 auf ungewöhnliche Weise, über das Hören von Audiokassetten.

Diese Uralt-Konserven habe ich bis heute aufbewahrt, allerdings lange nicht mehr gehört, die Qualität lässt vermutlich auch zu wünschen übrig. Man Vater zeichnete sie damals aus dem Radio auf, beschriftete die Kassette feinsäuberlich und schnitt alle wichtigen Daten aus der Fernsehzeitung aus. Es war eine Übertragung von den Salzburger Festspielen unter der Leitung von Karl Böhm in einer bis heute unübertroffenen Traumbesetzung mit Leonie Rysanek (Kaiserin), James King (Kaiser), Ursula Schröder-Feinen (Färberin), Walter Berry (Barak) und Ruth Hesse in ihrer absoluten Paraderolle als Amme in den Hauptpartien. „Meine Lieblingsoper, Teil 19: „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss
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Meine Lieblingsoper, Teil 18: "Ein Maskenball" (Un ballo in maschera) von Giuseppe Verdi

Birgit Nilsson, Mirella Freni, Edita Gruberova, Plácido Domingo, Luciano Pavarotti: Der Hamburger Mediziner Dr. Ralf Wegner hat die großen Weltstars der Opernwelt seit Ende der 1960er-Jahre alle live erleben dürfen: vor allem in der Staatsoper Hamburg, die in den 1970er-Jahren noch zu den weltbesten Opernhäusern zählte und sich heute um Anschluss an die deutsche und europäische Spitze bemüht. Begeben Sie sich in ein wunderbares Stück Operngeschichte und reisen Sie mit in eine Zeit, die scheinbar vergangen ist.

von Dr. Ralf Wegner
Foto: Luciano Pavarotti, pininterest.com (c)

Was ist eine Lieblingsoper? Es gibt sicherlich nicht nur eine. Welches wären hierfür aber die Kriterien? Zum einen wohl die Häufigkeit der jeweils besuchten Aufführungen, zum anderen aber auch die Vorfreude auf den Abend in der Oper. Um bei Verdi zu bleiben: Auf La Traviata oder Rigoletto habe ich mich eigentlich nie so richtig gefreut, bin aber häufig begeistert aus der Vorstellung gekommen. Beim Troubadour oder Don Carlos war das anders, ebenso beim Maskenball oder bei Macbeth. Selbst wenn die sängerische Leistung, und die ist bei Verdi ja besonders wichtig, nicht so überragend war, fand ich einen Abend mit diesen Werken nie vertan. „Meine Lieblingsoper, Teil 18: „Ein Maskenball“ (Un ballo in maschera) von Giuseppe Verdi
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Meine Lieblingsoper, Teil 18: Igor Strawinskys THE RAKE’S PROGRESS

Foto: Quelle: (c) https://parisiangentleman.co.uk/2014/04/21/an-essay-on-style-and-idea-by-justin-melland/

von Peter Sommeregger

Die 1951 am Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführte Oper Igor Strawinskys hat eine bemerkens- und erzählenswerte Vorgeschichte. Strawinsky hatte eine ausgesprochene Vorliebe für die opera buffa des 18. Jahrhunderts, fasziniert  von Mozarts „Cosi fan tutte“ und dem dramma giocoso „Don Giovanni“ wählte er dieses Genre als Stilmodell für ein neues Werk. Als Anregung für das Libretto in englischer Sprache diente keine literarische Vorlage, vielmehr ein Zyklus von Kupferstichen William Hogarths von 1733, der in mehreren Blättern den lasterhaften Aufstieg und Fall eines jungen Mannes im London der Barockzeit illustrierte. „Meine Lieblingsoper, Teil 18: Igor Strawinskys THE RAKE’S PROGRESS
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Meine Lieblingsmusik, Teil 17: Mit „Ludwig van“ fing alles an – Beethovens 5. Klavierkonzert

„Trotz der wunderbaren Klavierkonzerte von Tschaikowsky, Schumann, Grieg und den Nummern 1 und 3 von Beethoven ist mir op. 37 das Liebste geblieben. Wie revolutionär die eröffnende Kadenz 1811 war, ist mir erst als Jugendlicher klargeworden.“

von Andreas Ströbl

Es dürfte im Sommer 1968 gewesen sein, als meine Eltern mit mir in unserem klapprigen R4 für einen Ausflug ins Augsburger Umland fuhren. Die Sonne strahlte, und ich trällerte auf der Rückbank das 2. Thema des 1. Satzes aus Beethovens 5. Klavierkonzert. Mein Vater war begeistert und forderte mich zur Wiederholung auf. Dem kam ich aufgrund kindlicher Verlegenheit nicht nach, aber die Erinnerung war gespeichert: Opus 37 in Es-Dur leuchtet für mich seitdem synästhetisch in hellem Orange. „Meine Lieblingsmusik, Teil 17: Beethovens 5. Klavierkonzert“ weiterlesen

Meine Lieblingsmusik, Teil 16: Zeitgemäße Musik – der Soundtrack zur Krise II: deprimierende Monotonie ... und ein Lächeln

Da sitzen wir nun in unseren Wohnungen. Gucken oder lesen manisch Nachrichten. Oder versuchen uns davon abzuschotten. Möchten raus, aber zweifeln an unausgegorenen Lockerungsversuchen. Wir hocken aufeinander. Oder wir sind allein. Auf jeden Fall werden die Nerven dünner und dünner. Zeit für ein paar passende Songs.

von Gabriele Lange

Heute ist wie gestern. Und morgen wird wie heute …

Nine Inch Nails – Every Day is Exactly the Same (2005)

I believe I can see the future
‚Cause I repeat the same routine
I think I used to have a purpose
But then again, that might have been a dream…

Die umstrittenen Lockerungen hin oder her – wir kommen nicht viel raus. Abwechslung heißt: Heute kochen wir was anderes. Wir machen den Spaziergang mal nach links, statt nach rechts. Wir beginnen ein neues Buch, eine neue Netflix-Serie, hören uns andere Musik an. Aber: Das Live-Konzert, das Bier zusammen danach, das gemeinsame Engagement im Verein oder der Partei, die Diskussion am Stammtisch, das Treffen mit Freunden, Tanzen, das Sportereignis, der Restaurantbesuch … Von einer Reise sollten wir besser nicht mal träumen. Auch nicht von „Monotonie unter Palmen“ (Ideal, 1982).

Ich flieg nach Tel Aviv zum Minimaltarif.
Ich fahr nach Eschnapur
Dem Tiger auf der Spur.
Ich flieg nach Babylon – Hotel mit Vollpension.
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Mein Lieblingskonzert, Teil 15: Gustav Mahler, 1. Symphonie D-Dur

Wenn ich diese Symphonie höre, habe ich manchmal das Gefühl, dass diese eigene Welt dieser Symphonie ein einziges Paradies ist. Sie enthält einfach all die Musik, die mir in meinem Leben wichtig ist. Ganz vorne mit dabei: Der Mahler-Klang. 

Foto: Claudio Abbado, (c) https://www.gramilano.com/2014/01/great-italian-conductor-claudio-abbado-dies-80/

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Es ist schwer sich für eines zu entscheiden. Für das Lieblingsstück. Das eine, wofür man auf alle anderen Stücke verzichten würde.

Die Hammerklavier-Sonate, Tannhäuser, Dorfschwalben aus Österreich. Oder doch die Orchesterstücke op. 6 von Alban Berg? Die Liste meiner Lieblingsstücke, sie ist lang. Sehr lang. Seitenlang. Aber kaum ein Werk liegt mir so nahe wie die
1. Symphonie von Gustav Mahler. Sie wirkt wie eine Fusion der Musik, die mein musikalisches Leben so prägt: Beethoven 9, Parsifal, Volksmusik. Felder und Ländler. Wörthersee. Frittatensuppe. Und der Mahler-Klang.

von Johannes K. Fischer

Meine erste Begegnung mit dieser Symphonie war erst während meiner Studienzeit, als ich plötzlich das drängende Bedürfnis hatte, mal zur Abwechslung eine Mahler-Symphonie zu hören. Die Beethoven-Symphonien kannte ich seit Jahren auswendig, die Violinkonzerte von Mozart hatte ich alle schon selber gespielt. Nur Mahler war irgendwie komplett an mir vorbeigegangen. Also warf ich einen kurzen Blick auf den Spielplan der San Francisco Symphony, und auf dem Programm des nächsten Mahler-Konzerts stand seine 1. Symphonie. „Mein Lieblingskonzert, Teil 15: Gustav Mahler, 1. Symphonie D-Dur“ weiterlesen